Mädchenbeschneidung

Langsame Fortschritte

Haushaltsbefragungen und Erfahrungsberichte von UNICEF weisen darauf hin, dass die Verbreitung des Ritus in Ländern wie Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Eritrea, Kenia, Niger, Nigeria, Senegal, Tansania und der Zentralafrikanischen Republik langsam zurückgeht. So haben im Senegal 1.600 von 5.000 betroffenen Dörfern offiziell die Mädchenbeschneidung abgeschafft. Dies ist ein Erfolg einer breiten Bildungsbewegung, die UNICEF auch mit Spenden aus Deutschland gezielt unterstützt. UNICEF-Partnerorganisationen wie TOSTAN („Aufbruch“) organisieren gemeinsam mit den Dorfbewohnern breit angelegte Aufklärungskurse in mittlerweile 3.300 senegalesischen Dörfern.

Am weitesten verbreitet ist Mädchenbeschneidung weiter in Ägypten, Guinea, Mali und Sudan: mindestens 90 Prozent aller Mädchen und Frauen sind dort betroffen. In diesen Ländern ist der Kampf gegen den tief verwurzelten Brauch besonders schwierig. Aktuelle Haushaltuntersuchungen zeigen jedoch zumindest für Ägypten eine positive Tendenz. Neben dem Trend zur Medikalisierung - 75 Prozent der Eingriffe werden dort von Medizinern durchgeführt - sank der Anteil von Mädchenbeschneidungen in der Altersgruppe der 15-bis 17-jährigen erstmals deutlich auf unter 80 Prozent. Dem ägyptischen Frauenrat ist es in jüngster Zeit mit Unterstützung auch durch UNICEF gelungen, Modellprojekte in 120 Dörfern und eine landesweite Notrufnummer gegen Mädchenbeschneidung durchzusetzen. Islamische Führer haben sich offen gegen Mädchenbeschneidung ausgesprochen und die Regierung unterstützt eine Kampagne zur Abschaffung des Brauchs.

Massiver Eingriff

Die Mädchenbeschneidung ist - anders als bei Jungen - ein massiver Eingriff in die körperliche Unversehrtheit. Er reicht von der Abtrennung der Vorhaut der Klitoris bis zu deren Entfernung gemeinsam mit den kleinen Schamlippen. Die schlimmsten Folgen hat die so genannte Pharaonische Beschneidung oder Infibulation. Dabei werden die großen Schamlippen beschnitten und anschließend mit Dornen, Nadeln und Fäden verschlossen, so dass nur eine sehr kleine Öffnung der Vagina bleibt. Die Eingriffe erfolgen meist im Alter zwischen vier Jahren und dem Beginn der Pubertät. Manchmal werden sogar Babys beschnitten. Oft wird die Prozedur noch von traditionellen Beschneiderinnen durchgeführt. Als Instrumente dienen dann häufig Rasierklingen, Messer oder Scherben.

Schnitt in Körper und Seele

Beschnittene Mädchen und Frauen leiden häufig ihr Leben lang an körperlichen und seelischen Problemen. Der Eingriff selbst verursacht große Schmerzen, Schockzustände und starke Blutungen. Immer wieder sterben Mädchen an den Folgen. Häufig kommt es zu Infektionen, die chronische Becken- und Harnwegsentzündungen nach sich ziehen. Wucherungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Komplikationen bei der Geburt eines Kindes kommen hinzu. Beschneidungen sind eine der Hauptursachen für die hohe Sterblichkeitsrate von Frauen bei der Geburt in den betroffenen Ländern. Viele beschnittene Frauen leiden an Depressionen, Angstzuständen oder sogar Psychosen.

Kein religiöses Gebot

Trotz der gravierenden Auswirkungen bringen die meisten betroffenen Frauen ihre Probleme nicht mit der Beschneidung in Verbindung. Der Eingriff wird auch nicht als ein Akt der Gewalt angesehen. Die Eltern sind vielmehr der Überzeugung, dass sie ihren Töchtern etwas Gutes tun. Der Ritus garantiert in den Augen der Eltern die Keuschheit und Jungfräulichkeit ihrer Töchter und verbessert die „Sauberkeit“ des Genitalbereichs. In vielen Gemeinschaften haben unbeschnittene Mädchen keine Chance zu heiraten.

Beschneidungen werden von Christen, Moslems und Angehörigen anderer Religionen praktiziert, obwohl keine der Weltreligionen sie vorschreibt. Allerdings wenden sich immer wieder religiöse Führer - vor allem auf der lokalen Ebene - gegen Aufklärungskampagnen zur Abschaffung der Mädchenbeschneidung.

Gleichzeitig wächst in vielen afrikanischen Ländern der Widerstand gegen die Beschneidung. Vor allem junge Frauen mit guter Ausbildung wollen ihre Töchter davor bewahren.

Autorin / Autor: Redaktion /  Pressemitteilung UNICEF - Stand: 5. Februar 2009