Zu müde zum Lernen

Forscherteam fand heraus, dass Abendtypen in der Schule bzw. im Studium benachteiligt sind und fordert späteren Unterrichtsbeginn

Seid ihr auch oft viel zu müde, um in der ersten Schulstunde komplizierten Schulstoff aufzunehmen? Wünscht ihr euch manchmal, dass ihr eine Klassenarbeit abends schreiben dürftet? Dann gehört ihr wahrscheinlich zu den sogenannten Eulen, also Menschen, die erst gegen Nachmittag oder Abend ihre höchste Leistungsfähigkeit erreichen. So, wie Unterrichtszeiten strukturiert sind, haben solche Abendtypen allerdings schlechte Karten. Das wird jetzt auch noch einmal durch eine Studie bestätigt, die herausfand, dass Schüler_innen und Studierende vom Abendtyp in der Schule bzw. im Studium benachteiligt sind. In einer Meta-Analyse wollte ein deutsch-italienisches Forscherteam der Universität Bologna (Psychologie) und der Pädagogischen Hochschule Heidelberg (Biologie) herausfinden, welche Auswirkungen diese unterschiedlichen Chronotypen (also nach Zeiten unterschiedliche Leistungstypen) auf akademische Leistungen haben. Die Professoren Lorenzo Tonetti, Vincenzo Natale und Christoph Randler analysierten dafür 31 Studien mit insgesamt 27.309 Proband_innen. Dabei zeigte sich, dass Abendtypen auf allen Kontinenten schlechtere akademische Leistungen erbringen als Frühaufsteher_innen.

Die Studienautoren konnten ebenso erstmals nachweisen, dass dieser Effekt bei Jugendlichen stärker ausgeprägt ist als bei Studierenden. Die Wissenschaftler glauben, dass es daran liegt, dass Schüler_innen einen zeitlich verordneten Schulanfang haben, während Studierende mehr Freiheit bezüglich ihrer Tagesplanung genießen. Deshalb könnten letztere laut Randler eher im Einklang mit ihrem Biorhythmus lernen.

Dazu kommt laut den Wissenschaftlern, dass Jugendliche zwischen 12 und 20 Jahren eine starke Abend- oder Nachtorientierung durchleben: "In dieser Altersgruppe sind die 'Eulen' demnach klar in der Überzahl. Das ist kein Randphänomen, sondern betrifft weite Teile der Schülerschaft", ist sich Randler sicher. Dennoch sei die Schule mit ihrem frühen Unterrichtsbeginn weiterhin auf frühaufstehenden "Lerchen" zugeschnitten, was die "Eulen" benachteilige: "Die Abendtypen sind genauso intelligent wie Frühaufsteher, sie müssen ihre Leistung lediglich zur 'falschen' Uhrzeit abrufen."

Als eine Konsequenz ihrer Meta-Analyse fordert das internationale Forscherteam, den Schulbeginn zumindest ab Klasse 7 auf einen späteren Zeitpunkt zu legen. "9.00 Uhr, da sind sich viele Wissenschaftler einig, wäre ein guter Zeitpunkt", so Randler abschließend.

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