Würde ohne Wände

Am 11. September ist der internationale Tag der Wohnungslosen

Bild: Luise Weber

Sie sitzen in Fußgängerzonen - vor sich einen Pappbecher mit Münzen, suchen auf Bahnhöfen in Abfalleimern nach Pfandflaschen, verkaufen gegen eine Spende Obdachlosenzeitschriften oder schlafen in Eingängen von Kaufhäusern. Wer in der Stadt lebt, sieht sie täglich, aber kaum einer kennt sie: In Deutschland sind laut Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) etwa 292.000 Menschen wohnungslos. Bis 2016 prognostiziert die BAG W sogar, dass dann 380.000 Menschen von dem Problem betroffen sein könnten.

Menschen ohne eigenes Dach über dem Kopf werden nicht selten als Säufer, Kriminelle oder Drogensüchtige angesehen. Doch das Bild trügt. Die meisten von ihnen sind nicht aus Faulheit in diese Lage geraten, sondern viele hatten einmal ein "ganz normales" Leben mit Beruf und Familie, in dem sie - aus welchen Gründen auch immer - gescheitert sind. Heute, am 11. September will der "Tag der Wohnungslosen" auf ihre Situation aufmerksam machen.

Wohnungslosigkeit nimmt zu
Laut BAG W haben in den letzten Jahren immer mehr Menschen in vielen Regionen Deutschlands ihre Wohnung verloren. Gründe dafür sieht die Interessengemeinschaft in steigenden Mietpreisen und dem schrumpfenden Angebot bezahlbarer (Sozial-)Wohnungen. Zu den öffentlich weniger sichtbaren Wohnungslosen zählen Frauen, Jugendliche, ImmigrantInnen und AsylbewerberInnen. Sie sieht man viel seltener auf der Straße, denn sie leben in Übergangswohnheimen, Asylbewerberheimen und anderen Gemeinschaftsunterkünften und haben keine Wohnung für sich, weshalb auch sie in die Wohnungslosen-Statistik einfließen. Besonders Frauen suchen sich häufig Unterkünfte bei Bekannten, bevor sie sich in Notunterkünfte oder auf die Straße begeben, um sich vor allem gegen Vergewaltigung zu schützen.

Gewalt und Vorurteile
Aber auch männliche Wohnungslose sind gefährlichen Gewalttätigkeiten ausgesetzt. Zwischen 1989 bis 2012 sind laut BAG W mindestens 195 wohnungslose Menschen durch TäterInnen getötet worden, die selbst nicht wohnungslos waren. Auch unter den mindestens 183 Todesopfern, die Rechtsextreme seit 1990 auf dem Gewissen haben, seien ca. 20 Prozent wohnungslose Menschen.

Vorurteile und Abwertungen sind aber nicht nur ein Phänomen von "rechtsaußen", sondern sind auch in breiteren Bevölkerungsschichten tief verankert. So fand eine 2010 durchgeführte Studie des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld heraus, dass 31% der Befragten dafür waren, bettelnde Obdachlose aus den Fußgängerzonen zu entfernen, 34% empfanden Obdachlose in den Städten als "unangenehm", und 28% hielten die meisten Obdachlosen für "arbeitsscheu".

Straßenkinder in Deutschland
Stellvertretend für die etwa 20.000 Kinder und Jugendlichen, die in Deutschland auf der Straße leben, werden etwa 100 Kinder und Jugendliche aus allen Teilen des Landes vom 19. bis 21. September nach Berlin kommen und unter dem Slogan „Mein Name ist Mensch“ diskutieren, wie sie sich selbst helfen können und welchen Beitrag die Gesellschaft leisten sollte. Für den 1. Bundeskongress der Straßenkinder sind bisher zwölf Arbeitsgruppen geplant, die sich mit Themen wie: "Das Jugendamt + Ich", "Das Jobcenter + Ich" oder "Mein Recht auf bezahlbaren Wohnraum" beschäftigen. Das Ziel ist, Forderungen an Politik und Gesellschaft zu formulieren, wie die Situation der Kinder und Jugendlichen verbessert werden kann.

Mehr Infos und eindrucksvolle Vieoclips zum Kongress findet ihr unter

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 11. September 2014
 
 
 

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