Wort des Jahres 2016: Postfaktisch

Gesellschaft für deutsche Sprache kürte 10 Begriffe, die alle nicht viel Gutes verheißen

Alle Jahre wieder kürt die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) die Wörter des Jahres. Die Auszeichnung soll sprachliche Begriffe würdigen, die in besonderer Weise das gesellschaftliche (Er-)Leben, die politische Stimmung und den Zeitgeist widerspiegeln. 2016 wurden aus rund 2000 Einreichungen gewählt, die Initiatoren betonen, dass die Wahl keinerlei wertende Funktion oder Empfehlungscharakter hat.
Auf Platz 1 wählte die Jury das Kunstwort "postfaktisch". Der Ausdruck, eine Lehnübertragung des amerikanisch-englischen post truth, verweise darauf, dass es in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen heute zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten geht. Immer größere Bevölkerungsschichten seien in ihrem Widerwillen gegen »die da oben« bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen bereitwillig zu akzeptieren. Nicht der Anspruch auf Wahrheit, sondern das Aussprechen der »gefühlten Wahrheit« führe im »postfaktischen Zeitalter« zum Erfolg.

Auf Platz 2 landete der Brexit, den die Jury im übrigen gleich als Triumph postfaktischer Politik beschreibt.
Die Wortkreuzung Brexit (Britain + Exit), mit der spätestens seit 2012 ein möglicher EU-Austritt Großbritanniens bezeichnet worden war, stand 2016 als beherrschender Ausdruck in einer Reihe ähnlicher Wortbildungen (z.B. Grexit, Spexit, Itexit oder Frexit).

Auf Platz 3 landete der Begriff "Silvesternacht", der zum Synonym wurde für die Übergriffe auf Frauen in der Nacht auf den 1. Januar 2016 in Köln und für eine teils sehr hässlich geführte Diskussion über das vermutete Frauenbild muslimischer Männer instrumentalisiert wurde.

Weitere Wörter des Jahres sind Schmähkritik (eine kritische Äußerung, bei der nicht eine sachliche Auseinandersetzung, sondern die Diffamierung einer Person im Vordergrund steht), der Trump-Effekt (der für vermutete Auswirkungen der amerikanischen Wahl steht), Social Bots (Programme, die etwa in sozialen Medien Nachrichten und Kommentare erzeugen), schlechtes Blut (Ausdruck Erdoğans für türkischstämmige deutsche Bundestagsabgeordnete, die die Armenien-Resolution unterstützten), Gruselclown, Burkiniverbot und der aus dem gleichnamigen Janosch-Kinderbuch stammende Satz "Oh, wie schön ist Panama", mit dem auf die Veröffentlichung der Panama-Papiere angespielt wurde: auf groß angelegte Enthüllungen über Briefkastenfirmen in Panama.

Die Wörter des Jahres werden 2016 zum 41. Mal bekannt gegeben. Traditionell suchen die Mitglieder des Hauptvorstandes und die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der GfdS nicht nach den am häufigsten verwendeten Ausdrücken, sondern wählen solche, die das zu Ende gehende Jahr besonders charakterisieren.

Wenn wir uns die Wörter ansehen, können wir leicht erkennen, dass 2016 ein ziemlich gruseliges Jahr war. Und ziemlich postfaktisch, um es neumodisch auszudrücken ;-).

Quelle:

Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 9. Dezember 2016