Wir haben gedacht, es wäre für immer

Autorin: Katy Upperman

Was, wenn das Schicksal dein Leben bestimmt, aber dir der Tod dein Schicksal nimmt?

Amelia und Becket sind füreinander bestimmt. Dass das Leben die beiden zueinander führt, wurde schon vor ihrer Geburt vorhergesagt. Damals führte der Weg von Amelias Mutter auf einem Jahrmarkt in das Zelt einer Wahrsagerin, die ihr prophezeite, dass nicht nur sie wahre Freundschaft und echte Liebe finden wird, sondern auch ihre zukünftige Tochter im zukünftigen Sohn ihrer Seelenverwandten etwas Besonderes finden wird. Die beiden Kinder Lia und Beck wachsen gemeinsam auf. Auch wenn sie räumlich voneinander getrennt sind, sind sie füreinander da. Als Kinder von Army-Vätern verstehen sie, was es bedeutet, alle paar Jahre eine andere Wohnung in einer anderen Stadt ihr Zuhause zu nennen, sich in den Gängen einer neuen Schule zurechtfinden zu müssen, den Abschied von Freunden zu überstehen und neue Freunde kennenzulernen, ohne zu wissen, wie lange man am selben Ort wohnen bleibt. Genau wie ihre beiden Mütter können sich die beiden immer aufeinander verlassen. Und mit dem Erwachsenwerden entwickeln sich ihre Gefühle füreinander weiter. Aus einer Kinderfreundschaft wird zurückhaltende Verliebtheit und schließlich Liebe mit einem Versprechen für die Ewigkeit.

Als Beck aufs College wechselt, auf das ihm Lia zwei Jahre später nach ihrem Schulabschluss folgen will, beginnt für Lia eine Zeit des Vermissens, in der sie sich nach Nähe und Aufmerksamkeit sehnt. Die Fernbeziehung wird zu einer Probe für ihre Zuneigung und ihr Vertrauen zueinander. Lias Verlangen, ihrem Freund wieder nah zu sein, wächst, und auch für Beck gibt es neben seinem stressigen Leben auf dem College nur seine Lia. Doch völlig unerwartet erleidet der sportliche, gesunde 18-jährige Becket einen Herzinfarkt, der sein Leben plötzlich beendet und Amelias Leben seine Richtung nimmt.

Wer ist Lia ohne Beck? Ihr Leben lang war Beck ihr Wegbegleiter und ihre Zukunft. Nun empfindet sie tiefen Schmerz im Herzen und ein dumpfes Gefühl im Bauch. Ein Jahr lang lebt sie wie hinter einer Wolke, gefangen in ihrer Trauer. Wie kann sie je wieder glücklich werden? In ihrer neuen Schule findet die inzwischen 17-Jährige Freundinnen, die für sie da sind, und beginnt, wieder Vertrauen in sich selbst und andere Menschen aufzubauen. Sie begegnet einem Jungen, der sie unerwartet eine vergessene Leichtigkeit fühlen lässt. Sie wehrt sich dagegen, diese Gefühle zu empfinden. Ihre Erinnerungen an die gemeinsame Zeit mit Beck überwältigen sie weiterhin mit Sehnsucht, doch nun steht sie auch vor neuen Entscheidungen für ihren weiteren Lebensweg, die ihr Kummer bereiten: Was hätte Beck gewollt? Was würde Beck von ihr denken?

Aus Amelias Perspektive wird die gemeinsame Geschichte von Beck und Lia erzählt. Beck ist für immer ein Teil von Lias Leben, auch wenn der Tod ihre gemeinsame Geschichte trennt. Als Leser*in erleben wir Lias Entwicklung in Zeitsprüngen – mal durch Erinnerungen aus der Vergangenheit und mal durch Geschehnisse in der Gegenwart. Dabei spielt ihre Beziehung zu Beck immer eine Rolle bei ihren Gefühlen und ihren Entscheidungen.

Die Geschichte spricht viele Themen des Erwachsenwerdens an: Wie geht es an Wendepunkten meines Lebens weiter? Welche Entscheidungen treffe ich allein, und wie beeinflussen mich meine sozialen Beziehungen dabei? Darf ich nach dem Verlust eines geliebten Menschen neue Liebe empfinden?

Mich hat das Buch „Wir haben gedacht, es wäre für immer“ von Katy Upperman, erschienen 2025, sehr berührt. Es ist eine Geschichte voller echter Emotionen. Ich habe mit Lia Aufregung empfunden, als ihre Liebesbeziehung sich entwickelte, und ich habe geweint, als die Trauer Lia überwältigte. Die Autorin schafft es, mit starken Worten eine Verbundenheit zur Protagonistin aufzubauen und damit auch Zweifel, Hoffnung und Erleichterung im Verlauf der Geschichte mitfühlen zu lassen.
Amelia reift mit der Zeit emotional. Etwas enttäuscht hat mich der Rückblick am Ende der Geschichte, in dem man erfährt, dass ihre Entscheidungen vom Schicksal beeinflusst wurden. Gleichzeitig passt dieses Ende aber so gut zum Beginn und ist ein schöner Anfang ihrer weiteren Lebensgeschichte.

Ich empfehle dieses Buch allen, die sich auf eine Liebesgeschichte einlassen möchten, die von dunkler Trauer und leuchtender Hoffnung erzählt.


Erschienen bei cbj

Deine Meinung

Autorin / Autor: Jessica - Stand: 25. August 2026