Wider den "Face-ism"

ForscherInnen warnen davor, zu viel aufs Gesicht zu geben

Manche Menschen sehen einfach kompetenter aus als andere. Sie bekommen darum eher einen Job, werden eher gewählt oder erreichen leichter eine höhere Position - auch wenn ihre Qualifikation nicht besser ist als die eines weniger kompetent ausschauenden Mitmenschen. Anderen wiederum sieht man ihre schlechten Absichten bereits an der Nasenspitze an. Sie erscheinen uns "verschlagen" und unehrlich, weil ihre Augen etwas enger beisammen stehen und ihre Lippen schmal sind.

Obwohl die Forschung schon oft genug belegt hat, dass sich Charakterzüge keineswegs an den Gesichtszügen ablesen lassen, halten wir kramphaft daran fest, erkennen zu können, wer glaubwürdig, kompetent, freundlich oder dominant ist. Der Mensch hängt an seiner "Gesichtserkennung" und möchte sich darauf verlassen, dass diese fragwürdige Methode auch verlässlich und konsistent ist. Ist sie aber nicht! Sie kann uns ganz im Gegenteil gehörig in die Irre führen und Urteile fällen lassen, die allein auf Oberflächlichkeiten und Vorurteilen beruhen.

Trügerische Gesichtsleserei
ForscherInnen um Christopher Olivola of Carnegie Mellon Universitys warnen darum nun ausdrücklich vor diesem weit verbreiteten "face-ism", wie sie die ästhetische Vorverurteilung nennen. Ihrem Artikel zufolge, der in der Fachzeitschrift Trends in Cognitive Sciences erscheint, verlassen sich viele Leute auch dann auf die trügerische Gesichtsleserei, wenn sie besonders wichtige Entscheidungen fällen müssen. Ihnen zufolge könnte das schwerwiegende Konsequenzen haben, etwa für das Rechtssystem oder die Finanzwelt. Leute sind geneigt, weniger vertrauensvoll aussehende Personen eher zu verurteilen oder vermeintlich Vertrauenswürdigen eher Geld anzuvertrauen.

Die ForscherInnen hoffen, dass man die Menschen von ihren Gesichts-Vorurteilen abbringen kann, wenn man ihnen tiefergehende Informationen über die betreffenden Personen mit an die Hand gibt. Wer Bescheid weiß, wie ein politischer Kandidat sich in der Vergangenheit verhalten hat und welches genau seine politischen Positionen sind, lässt sich vielleicht nicht mehr so leicht hinters Licht führen von einem kompetent wirkenden Augenabstand ;-). Auch für Personalverantwortliche sollte gelten: Qualifikation geht vor Aussehen! Bewerbungen ohne Bilder sind in modernen Unternehmen darum auch schon gang und gäbe.

Schaut darum auch ihr immer mal wieder hinter die Fassade, ehe ihr eine wichtige Entscheidung trefft - etwa wenn ihr eine Mitschülerin zur Klassensprecherin wählt, weil sie so freundlich aussieht und eine andere nicht berücksichtigt, weil ihr Gesicht euch irgendwie verdächtig vorkommt.

Wie heißt es so schön? Nicht alles was glänzt, muss gold sein. Und umgekehrt!

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 23. Oktober 2014