Wer ist wichtiger für mich?

Studie untersuchte, welcher Einfluss unter Jugendlichen größer ist: der von Freund:innen oder "angesagten" Gleichaltrigen

Bild: Alex Dolce, Florida Atlantic University

Kommen Kinder in die Pubertät, spielen Gleichaltrige eine immer wichtigere Rolle im Leben. Sie bieten Orientierung, wie man sich verhalten, denken und integrieren soll. Aber wer ist bei diesem Prozess wichtiger – Freund:innen oder beliebte Klassenkamerad:innen?
Forscher:innen der Florida Atlantic University (FAU) und der Mykolas-Romeris-Universität (Litauen) führten eine Langzeitstudie durch, um diese beiden Einflussquellen direkt miteinander zu vergleichen.

Sie begleiteten 543 Schüler:innen zwischen 10 und 14 Jahren über ein Halbjahr hinweg und befragten sie zu schulischen Leistungen, emotionalem Wohlbefinden, Problemverhalten, Nutzung sozialer Medien und Körperbildern. Die Teilnehmer:innen benannten ihre besten Freund:innen und Klassenkolleg:innen, die sie als Vorbilder empfanden.

„Dies ist die erste Studie, die beste Freunde und beliebte Gleichaltrige in dasselbe Modell einbezieht und die Frage stellt: ‚Wer ist wichtiger und in welcher Hinsicht?‘“, so Dr. Brett Laursen, Professor für Psychologie am Charles E. Schmidt College of Science der FAU.

Die Ergebnisse zeigten ein auffälliges Muster. Beste Freund:innen prägten in erster Linie die inneren emotionalen Zustände und das schulische Verhalten, während beliebte Gleichaltrige den Maßstab für das öffentliche Image setzten. So prägten beste Freund:innen zum Beispiel den Umgang mit emotionalen Problemen oder mangelnder emotionaler Klarheit und schlechten schulische Leistungen. Während angesagte Gleichaltrige eher das Verhalten prägten, das vor anderen gezeigt wurde: so wurde zum Beispiel nachgeahmt, wie soziale Medien genutzt oder "Gewichtsprobleme" angegangen werden.

Der Einfluss von Gleichaltrigen

„Der Einfluss von Gleichaltrigen wird allzu oft als eine allgemeine, undifferenzierte Größe behandelt, aber unsere Ergebnisse zeigen, dass er tatsächlich hochspezialisiert ist. Jugendliche sind kritisch; sie suchen in ihrem inneren Kreis nach emotionaler Unterstützung und bei den Influencern und Klassenanführer:innen nach sozialen Hinweisen, wie sie sich der Welt präsentieren sollen“, sagte Mary Page Leggett-James, Ph.D., Hauptautorin.

Soziale Strategien

Die Studie legt nahe, dass Jugendliche verschiedene "Berechnungen" anstellen, um sich in ihrer sozialen Welt zurechtzufinden. Freundschaften basieren auf Gegenseitigkeit und Intimität, was gemeinsame Erfahrungen und emotionale Zustände fördert. Im Gegensatz dazu sind Peer-Gruppen hierarchisch organisiert. Angepasstsein durch öffentliches Verhalten wie die Nutzung sozialer Medien und das Körperbild sind wichtig, um den Status in der Gruppe zu erhalten. Jugendliche folgen also nicht einfach blind anderen, sondern wenden soziale Strategien an, die auf bestimmte soziale Umgebungen zugeschnitten sind.

„Freundschaften sind mächtig, weil sie privat und emotional intensiv sind“, sagte Laursen. „Teenager vertrauen sich ihren besten Freund:innen an. Diese Nähe kann Unterstützung bieten, aber auch Konflikte verstärken. Ängste, Schulverweigerung oder auffälliges Verhalten können sich unter Freunden ausbreiten und einen Schneeballeffekt haben. Das Aussehen und das Online-Verhalten spielen sich auf einer öffentlichen Bühne ab. Beliebte Schüler setzen den Standard. Andere folgen, weil sie dadurch in der größeren Peer-Gruppe Anerkennung finden.“

Gruppenzwang hat unterscheidliche Quellen

„Der Einfluss von Gleichaltrigen ist stark, aber er ist nicht für alle gleich“, sagte Leggett-James. „Allzu oft behandeln wir Gruppenzwang so, als käme er aus einer einzigen Quelle. Aber die Quelle des Einflusses ist entscheidend. Wenn wir uns auf die falsche Gruppendynamik konzentrieren, könnten wir das Problem völlig verfehlen. Um emotionale Belastungen oder schulische Probleme zu reduzieren, müssen wir uns auf die Dynamik von Freundschaften konzentrieren und Jugendlichen helfen, positive Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzubauen – statt zu versuchen, Freundschaften zu verbieten oder zu zerstören. Gleichzeitig erfordern Probleme im Zusammenhang mit sozialen Medien und dem Körperbild eine Veränderung der Statusnormen. Wenn beliebte Schüler:innen gesündere, realistischere Standards vorleben, können sie neu definieren, was Klassenkameraden als normal betrachten.“

Quelle

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Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 6. März 2026