Wenn zwei sich streiten...

Wie Mediation in Paarkonflikten helfen kann und sogar unser Belohnungssystem aktiviert

Was macht ihr, wenn ihr euch mit eurer Liebsten/ eurem Schatz streitet? Holt ihr euch Hilfe bei Dritten, oder tragt ihr den Konflikt lieber hinter verschlossenen Türen aus, weil es euch peinlich wäre? Klar ist das, was in einer Liebesbeziehung schiefläuft, nichts, was man gerne vor Fremden ausbreiten möchte, aber laut einer aktuellen Studie wirkt sich die Vermittlung durch eine dritte Partei positiv auf die Konfrontation aus. Und nicht nur das: man kann nach solch einem Streitschlichtungsgespräch sogar eine erhöhte Aktivität im Belohnungszentrum des Gehirns messen. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler_inneen der Universität Genf (UNIGE) , die 36 heterosexuelle Paare untersucht hatten, die seit mindestens einem Jahr zusammen waren.

Das Experiment
Vor dem vereinbarten Streitgespräch mussten die Paare eine Liste von 15 klassischen Streitthemen  (Schwiegereltern, Sexualität, Finanzen, Hausarbeit, gemeinsam verbrachte Zeit usw.) durchgehen, und sich dann für ein Thema entscheiden. Einige von ihnen wählten eins, das von beiden Partnern angekreuzt worden war, andere zogen es vor, mit einem Thema zu beginnen, das von dem einen, aber nicht von dem anderen als Problem betrachtet wurde. Die darauf folgende einstündige Sitzung wurde von einem/einer professionellen Vermittler_in begleitet, die in der Hälfte der Fälle in den Streit eingriff und in der anderen völlig passiv blieb. Vor und nach dem Streitgespräch gaben die Teilnehmenden dann auf einem Fragebogen an, wie sie sich fühlten und durchliefen anschließend ein bildgebendes Verfahren, das die Aktivität ihres Gehirns maß.

Aus den Fragebögen wurde eindeutig ersichtlich, dass Paare mit Streitvermittlung ihre Konflikte besser lösen konnten und mit dem Inhalt und dem Verlauf der Diskussion zufriedener waren und weniger Reststreitigkeiten hatten. Die Ergebnisse aus den Gehirnscans bestätigten die Angaben: Die Paare, die eine aktive Vermittlung in Anspruch genommen hatten, wiesen tendenziell eine stärkere Aktivierung im Nucleus accumbens auf, einer Schlüsselregion im Gehirn, die eine zentrale Rolle im Belohnungssystem spielt.

"Unsere Ergebnisse deuten zum ersten Mal darauf hin, dass die Mediation durch Dritte einen signifikanten und positiven Einfluss auf die Art und Weise hat, wie Paare sich streiten, sowohl auf der Verhaltens- als auch auf der neuronalen Ebene", schlussfolgert Olga Klimecki, Forscherin an der Fakultät für Psychologie und Erziehungswissenschaften der Université de Genève.

Belohnung fürs Nachdenken über die Liebe
Warum aber hilft eine dritte Person dabei, einen Streit „positiver“ zu empfinden? Aus zahlreichen Vorgänger-Studien sei bekannt, dass das Reflektieren der Partnerschaft und das Nachdenken über den/die Liebste_n das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert, das mit Gefühlen der Freude und Motivation verbunden ist, erklärt Olga Klimecki. Bisher war aber offenbar nicht bekannt, welche Auswirkungen ein Paarkonflikt und die Mediation durch eine dritte Partei auf diese Aktivierung haben könnte. Mit der vorliegenden Studie konnte gezeigt werden, dass nicht nur die Antworten auf einem Fragebogen, sondern auch die „biologische Signatur der romantischen Liebe“ beweisen, dass Streitschlichtung wie zum Beispiel eine Paartherapie tatsächlich helfen kann.

Quelle:

Was denkst du darüber?
Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung