»Wellenbrecher« ist Wort des Jahres

Ein Großteil der gewählten Wörter hat einen deutlichen Coronabezug

Mitten in der vierten Coronawelle und pünktlich um 11 Uhr am 3. Dezember gab die Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. (GfdS ) das diesjährige Wort des Jahres bekannt. Es lautet "Wellenbrecher". Das Wort steht für alle Maßnahmen, die getroffen wurden und werden, um die jetzige Corona-Welle zu brechen. Eigentlich kommt der Begriff ja eher aus dem Küstenschutz und Schiffsbau, aber in der Corona-Pandemie nahm er eine ganze Reihe von neuen Bedeutungen an. Er stand unter anderem für ›Maßnahmen gegen Covid-19‹, für den ›Zeitraum, in dem solche Maßnahmen gelten sollen‹, und auch für eine ›Person, die sich nach ihnen richtet‹ (»Werden Sie zum Wellenbrecher!«). Ob diese Verwendungen aber langfristig in unserem Wortschatz bleiben werden, hängt wesentlich davon ab, ob es uns gelingt, die Pandemie nachhaltig einzudämmen (was wir natürlich alle sehnlichst hoffen).

Allerdings gab es aber auch noch neun weitere Begriffe, die unseren Alltag in 2021 widerspiegeln.

  • SolidAHRität
    Platz 2 wird der verheerenden Flutkatastrophe in West­deutschland, besonders im Ahrtal, gewidmet. Die Wortkreuzung aus Solidarität und dem Flussnamen Ahr war ursprünglich der Name einer Hilfsaktion für hochwassergeschädigte Winzer_innen, wurde aber auch darüber hinaus kennzeichnend für die große Hilfsbereitschaft, die sich in Form von Spenden und tätiger Unterstützung weit über die betroffene Region hinaus zeigte.
  • Pflexit
    Auf Platz 3 findet sich eine Wortkreuzung, die nach dem Vorbild von Grexit, Brexit, Polexit usw. gebildet wurde aus "Pflege und Exit". Damit wird im sogenannten Pflege­notstand auf einen ernsten Hintergrund angespielt, denn immer öfter verlassen Pflegekräfte, meist wegen harter Arbeitsbedingungen und/oder schlechter Bezahlung, ihren Beruf. Der Pflegeausstieg könnte zu einem ernsten gesellschaftlichen Problem werden.
  • Impfpflicht
    Hatte die Politik angesichts großer Widerstände in der Bevölkerung eine verpflichtende Impfung gegen SARS-CoV-2 auch stets ausgeschlossen, so änderte sich diese Haltung im Herbst 2021: Nun wurde die Impfpflicht (Platz 4), sei es für bestimmte Berufsgruppen oder auch allgemein, mehr und mehr als Möglichkeit angesehen – ein Zeichen dafür, dass die Stimmung im Land sich in der vierten Welle der Pandemie allmählich verändert.
  • Ampelparteien
    Die Bundestagswahl im September 2021 führte zu einer Verschiebung der Machtverhältnisse: Erstmals nach 16 Jahren fanden sich CDU und CSU in der Opposition. Die SPD als Wahlsieger schmiedete mit der FDP und den Grünen eine Ampel-Koalition (benannt nach den Parteifarben Rot, Gelb und Grün). Das Wort Ampelparteien (Platz 5) ist zwar als solches nicht neu, zu einem Jahreswort wird es aber durch die 2021 sprunghaft angestiegene Häufigkeit seiner Verwendung. Und die Ampelkoalition besteht erstmals auf Bundesebene.
  • Lockdown-Kinder
    Auf die Probleme von Kindern und Jugendlichen, die durch die Corona-Pandemie seit annähernd zwei Jahren großen Belastungen ausgesetzt sind (Online-Unterricht, Beschränkung sozialer Kon­takte, Zunahme häuslicher Gewalt, psychische Erkrankungen …), soll das Wort Lockdown-Kinder (Platz 6) aufmerksam machen.
  • Booster
    Auf Platz 7 kommt ein weiteres Pandemiewort, das zu Deutsch Auffrischungsimpfung heißt. Nachdem sich herausgestellt hatte, dass zwei Impfungen gegen Covid-19 noch keinen zufriedenstellenden Schutz bieten, wurde zunächst bestimmten Personengruppen, später dann allen über 18 eine dritte Impfung empfohlen.
  • freitesten
    Mit "freitesten" (Platz 8) wurde der deutschen Sprache ein neues Verb beschert. Inhaltlich geht es darum, dass Personen, die weder geimpft noch genesen (2G) sind, bestimmten pandemiespezifi­schen Beschränkungen dadurch entgehen können, dass sie sich einem Corona-Test unterziehen. Grammatisch handelt es sich zum einen um ein transitives Verb (es erfordert ein Akkusativobjekt, oft das Reflexivpronomen sich), zum anderen um ein sogenanntes trennbares Verb (ich teste mich frei, nicht ich freiteste mich).
  • Triell
    Der Begriff Triell (Platz 9) steht für ein ›Duell zu dritt‹. Das Wort gibt es zwar schon seit Längerem, es wurde aber im Bundestagswahlkampf 2021 durch die von drei Personen – einer Spitzenkandidatin und zwei Spitzenkandidaten – ausgetragenen Fernsehdebatten populär. Bei dem Wort Triell handelt es sich wie bei SolidAHRität und Pflexit um eine Wortkreuzung (auch bekannt als Kontamination, Wortverschränkung, Kofferwort oder Porte­manteau).
  • Fünf nach zwölf
    Auf Platz 10 steht nicht nur ein Wort, sondern gleich eine ganze Wortgruppe, die in diesem Jahr besonders beliebt war als Ausdruck für besonders starken Aktionsbedarf – in der Klimapolitik, bei der Pande­miebekämpfung oder auch in beliebigen anderen Zusammenhängen. Es handelt sich übrigens um eine Weiterführung der Formulierung fünf vor zwölf. Wer mitteilt, dass es bezüglich eines bestimmten Problems fünf nach zwölf (alternativ auch sogar schon zehn nach zwölf, viertel vor eins o. Ä.) sei, sagt damit genau genommen, es sei eigentlich schon zu spät zum Handeln … und umso dringender müsse daher gehandelt werden.

Die Wörter des Jahres der Gesellschaft für deutsche Sprache wurden 2021 schon zum 45. Mal in Folge bekannt gegeben. Die Aktion, die mittlerweile weltweit Nachahmung findet, ist die älteste ihrer Art. Traditionell suchen die Mitglieder des Hauptvorstandes und die wissenschaftlichen Mitarbei­ter_innen der GfdS nicht nach den am häufigsten verwendeten Ausdrücken, son­dern wählen solche, die das zu Ende gehende Jahr in besonderer Weise charakterisieren. Dass fünf von zehn Wörtern der Liste einen direkten Corona-Bezug haben, rückt deutlicher als jede Einzelplatzierung in den Blick, wie stark auch das Jahr 2021 von der Pandemie geprägt war.

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 3. Dezember 2021