Was Lehrkräften den Job schwer macht
Deutsches Schulbarometer: Verhalten von Schüler:innen wird als größte Belastung empfunden
Könntet ihr euch vorstellen, später mal Lehrer:in zu werden? Ein sicherer Job, geregelte Arbeitszeiten, eine sinnstiftende Tätigkeit und Kontakt zu jungen Menschen? Klingt toll! Aus Lehrer:innensicht scheint vor allem Letzteres etwas weniger rosig: Dem aktuellen Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung GmbH zufolge leiden Lehrer:innen aktuell am meisten unter dem Verhalten von Schüler:innen. Die aktuelle Befragung unter Lehrkräften folgt auf die im März veröffentlichte Ausgabe, in der Schüler:innen zu Wort kamen.
Gute Lernatmosphäre schwer herzustellen
Für Lehrkräfte in Deutschland wird es der Untersuchung zufolge immer schwieriger, eine gute Lernatmosphäre im Klassenzimmer zu schaffen. Der Umgang mit dem Verhalten ihrer Schüler:innen ist für fast jede zweite Lehrkraft (46 Prozent) die größte berufliche Belastung – ein Wert, der in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist (2024: 35 Prozent; 2025: 42 Prozent).
Hinter dem Verhalten der Kinder und Jugendlichen steckt den Ergebnissen zufolge mehr als bloße Disziplinlosigkeit. Viele Schüler:innen haben demnach Mühe, sich in eine Gruppe einzufügen (25 Prozent) oder können sich nur schwer zum Lernen motivieren (13 Prozent). Die Lehrkräfte wissen, so die Studie, dass sie zunehmend auch Fähigkeiten fördern müssen, die über reines Fachwissen hinausgehen. Zu diesen überfachlichen Kompetenzen zählen Einfühlungsvermögen, Selbstorganisation oder kritisches Denken. Die Bereitschaft, hier anzusetzen, ist groß: 82 Prozent der Befragten würden sich gerne in genau diesem Bereich weiterbilden. Allerdings fühlt sich mehr als ein Drittel (36 Prozent) dabei auf sich allein gestellt.
Zu wenig Fachwissen in Sachen Demokratiebildung
Demokratiebildung gehört zu den zentralen Aufgaben von Schule. Viele Lehrkräfte sehen hier jedoch noch Nachholbedarf. Rund die Hälfte der Befragten (48 Prozent) findet, dass ihre Schule in diesem Bereich mehr tun sollte – an Schulen in sozial schwierigen Lagen sind es sogar 54 Prozent. Als Hauptgründe dafür nennen sie fehlende Zeit und zu wenig Fachwissen im Kollegium.
Lehrkräfte sind unsicher, ob und wie sie sich politisch äußern dürfen
Erstmals zeigt das Deutsche Schulbarometer, wie unsicher Lehrkräfte im Umgang mit politischen Äußerungen sind: Fast jede fünfte Lehrkraft (18 Prozent) fühlt sich durch ein vermeintliches Neutralitätsgebot gehemmt. Ein Viertel der Befragten (27 Prozent) glaubt, die eigene politische Meinung im Unterricht grundsätzlich nicht äußern zu dürfen - obwohl das nicht stimmt.
„Schule ist der Ort, an dem junge Menschen Demokratie nicht nur lernen, sondern auch erleben“, so Dr. Katharina Thoren. „Lehrkräfte müssen hier eine klare Rolle einnehmen können. Ihr Auftrag ist es nicht, neutral zu sein, sondern auf der Grundlage unseres Grundgesetzes Haltung zu zeigen. Dafür brauchen sie Rückendeckung – von Schulleitung, Schulaufsicht und Schulbehörde. Und natürlich auch gutes Lehrmaterial und professionelle Beratung, die ihnen im Alltag weiterhilft.“
Trotz hoher Zufriedenheit: Wechselbereitschaft bei Lehrkräften bleibt hoch
Auch wenn die Lehrkräfte beruflich überwiegend zufrieden sind, ist doch nach wie vor etwas mehr als ein Viertel bereit, den Job zu wechseln, wenn sich etwas anderes anbietet. Besonders ausgeprägt ist dieser Wunsch an Grundschulen sowie an Haupt-, Real- und Gesamtschulen.
Quelle
Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung: Bild: Foto von
Taylor Flowe auf Unsplash - Stand: 30. Juni 2026