Unterland

Autorin: Anne C. Voorhoeve

Buchcover Unterland

Die deutsche Schriftstellerin Anne Charlotte Voorhoeve erzählt in ihrem Buch „Unterland“ von den Folgen des zweiten Weltkrieges für die 12-jährige Alice Sievers und ihre Familie.

Kurz vor dem Ende des zweiten Weltkrieges wird das Zuhause der Sievers, die Insel Helgoland, von Bomben zerstört. Daraufhin werden die „Insulaner“ deutschlandweit, aber vorzugsweise in Norddeutschland, verteilt und müssen mit Hunger, Armut und Kälte kämpfen. Alice' Vater ist in Kriegsgefangenschaft, aber glücklicherweise noch am Leben und ist auf ihre Pakete mit Essen und Kleidung angewiesen.
Alice, ihre Mutter, ihr Bruder Henry und ihre Großmutter sind auf sich gestellt und kämpfen ums Überleben: Kaum ein Abend, an dem sie satt werden und dauernde Kälte. Auch die Tatsache, dass Alice ihr Bein im Krieg verloren hat und deshalb eine Prothese tragen muss, erschwert die Situation der Familie deutlich, denn so kann Alice nicht beim Steine klopfen helfen.
Trotzdem haben die Sievers großes Glück: Sie sind in einem Haus untergekommen, haben ein eigenes Zimmer und eine Küche, die sie pro Tag auf bestimmte Zeit benutzen dürfen. Auch dass die Familie in Hamburg, also in der britischen Besatzungszone untergekommen ist, ist ein großer Vorteil, denn im Gegensatz zu den Frauen in der sowjetischen Besatzungszone, auch „Ostzone“ genannt, müssen Alice und ihre Mutter nicht vor Vergewaltigungen Angst haben.
Als der 13-jährige Wim und seine Mutter in dem Haus, in dem auch die Sievers wohnen, einziehen, scheint sich die Lage zu verbessern. Durch Wim kommt Alice das erste Mal mit dem Schwarzmark in Berührung und kann so ihre Familie unterstützen. Ab diesem Zeitpunkt scheint das Leben der Sievers erträglicher zu werden. Im Laufe der Zeit keimt in Alice immer wieder die Hoffnung auf, dass sie und ihre Familie wieder auf Helgoland leben dürfen. Auch andere Fragen kommen während des Verlaufs des Romans auf: Wird Alice' Vater je zurückkommen? Wird Alice' Mutter noch so lange auf ihren Mann warten? Und was passiert, wenn Wim rausfindet, dass Alice kein steifes, sondern gar kein Bein mehr hat?

Meine Meinung: Nichts für Anfänger!
Mein erster Eindruck von dem Buch war, dass es trotz des Alters der Hauptperson sachlich geschrieben ist. Erst als Wim mit seiner Mutter auftaucht, kommt Liebe, Streit, Eifersucht und noch mehr Spannung auf. Anne C. Voorhoeve versteht es, Spannung aufzubauen und das Ende kommt überraschend und plötzlich.
Aber es ist kein Buch für Anfänger auf dem Gebiet Zweiter Weltkrieg! Zum Beispiel muss man wissen, dass der deutsche Spitzname für die Briten „Tommys“ war.
Was mich an dem Roman besonders beeindruckt hat, waren die vielen Informationen, die man bekommt. Man erfährt ebenso viel über die Konzentrationslager wie über das Leben mit einem künstlichen Bein, wovon ich noch nicht häufig in Büchern gelesen habe. Anne C. Voorhoeve schafft es, dass man - ohne in ein Schulbuch gucken zu müssen - viel über die Nachkriegszeit lernt. „Unterland“ ist auf jeden Fall weiterzuempfehlen, und für Geschichtsinteressierte ein Muss, aber keine leichte Lektüre.

Erschienen bei Ravensburger

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Autorin / Autor: anna95 - Stand: 13. März 2012