Und wer fragt uns?
Online-Befragung junger Leute zum Wehrdienst zeigt, dass sie mehr Einbeziehung in politische Entscheidungen fordern
Wie gut fühlt ihr euch über das Thema Wehrdienst informiert, was denkt ihr über ihn und und wie erlebt ihr politische Entscheidungsprozesse? Die Studie Jugend und Wehrdienst lässt junge Menschen zu den neuen Regelungen und der aktuellen Debatte um den Wehrdienst in Deutschland zu Wort kommen. Dazu hat sie Antworten von rund 4.000 Personen im Alter von 15 bis 30 Jahren aus einer Online-Befragung ausgewertet. Die vom Forschungsteam der Universität Hildesheim und der Goethe-Universität Frankfurt durchgeführte Befragung zeigt: Egal, wie junge Menschen der Wehrpflicht persönlich gegenüber eingestellt sind – sie fühlen sich nicht ausreichend in die politischen Entscheidungsprozesse einbezogen.
Rund 80 Prozent gaben an, dass sie das Thema Neuer Wehrdienst beschäftigt. Die Spannweite ihrer Positionen ist weit: von Überforderung, einem Gefühl zunehmender Belastung bis hin zum Wunsch nach Verantwortungsübernahme für die nationale Sicherheit.
Eine Mehrheit von 58 Prozent fühlt sich zum Thema Neuer Wehrdienst zumindest soweit informiert, um sich eine eigene Meinung bilden zu können. 41 Prozent allerdings nicht. Etwas weniger als ein Drittel findet die Einführung des Neuen Wehrdienstes gut, aber rund 54 Prozent sind ihr eher negativ bis ablehnend gegenüber eingestellt (Frauen und Menschen mit Migrationsgeschichte stimmen der Wiedereinführung der Wehrpflicht übrigens weniger stark zu).
„Sie machen sich angesichts einer komplexen geopolitischen Lage ernsthafte Gedanken und lassen sich nicht einfach einer eindeutigen Pro- oder Contra-Position zuordnen“, erklärt Dorothee Kochskämper vom Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Stiftung Universität Hildesheim. Dass diese Auseinandersetzung ernsthaft und differenziert erfolge, zeigten auch die Freitextantworten, die eine große Bandbreite aufzeigen: von völligem Unverständnis über die neuen "Zumutungen" für die pandemiegebeutelte Generation bis hin zur Einsicht, dass man sich für Sicherheit einsetzen müsse, um Grundrechte und Demokratie zu verteidigen.
Das lässt erkennen, so erklärt Kochskämper, „dass die Ergebnisse damit dem Bild von einer Generation, die politischen Fragen gleichgültig oder unreflektiert gegenübersteht, widersprechen.“
Wenig Vertrauen in die Politik
Darauf deutet auch ein weiteres Ergebnis der Studie hin: junge Menschen haben wenig Vertrauen in die Politik. Nur 18 Prozent der Befragten vertrauen eher oder voll darauf, dass die Politiker:innen die richtigen Entscheidungen treffen, über zwei Drittel stimmen dieser Aussage nicht oder eher nicht zu. Besonders ausgeprägt nehmen junge Menschen die Distanz zwischen Politik und ihrer eigenen Lebenswelt wahr. 78,5 Prozent der Befragten denken (eher) nicht, dass Politiker:innen über den Alltag junger Menschen Bescheid wissen.
Gleichzeitig denken rund 74,3 Prozent der Befragten, dass die Entscheidungen zum Neuen Wehrdienst vor allem durch die Perspektiven älterer Generationen bestimmt werden. „Junge Menschen erleben dies nicht nur als abstrakte Wahrnehmung, sondern auch als konkretes gesellschaftliches Problem“, erklärt Dr. Johanna Wilmes, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialpädagogik und Erwachenenbildung der Universität Frankfurt.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis: Jungen Menschen geht es nicht nur um die Frage von Ablehnung oder Befürwortung des Neuen Wehrdienstes. Sie wünschen sich eine ernsthaft mit jungen Menschen geführte politische Diskussion um geeignete Wege für die Verbesserung der äußeren Sicherheit Deutschlands.
Hier könnt ihr einen Blick in die ganze Studie werfen
Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung