Mit Hatespeech im Gepäck

Studie: Eine laute Minderheit von rechtsextremen Aktivist_innen kapert Online-Diskussionen und beeinflusst zunehmend politische Entscheidungen

Es ist mehr als ein nerviges Ärgernis - zugespamte Kommentarspalten unter Online-Artikeln, bei facebook, Youtube oder Twitter, die vor Hass, Rassismus, Homophobie oder Frauenfeindlichkeit nur so triefen. Was sind das für Leute? Wo kommen die her? Ist jetzt etwa das ganze Land nach ganzrechtsaußen gerückt? Solchen und ähnlichen Fragen widmet sich eine neue Studie, die kürzlich vom Institut für Strategischen Dialog (ISD) und der Facebook-Kampagnengruppe #IchBinHier veröffentlicht wurde. Zwischen Februar 2017 und Februar 2018 analysierten die Studienautor_innen mehr als 1,6 Millionen rechtsextreme Beiträge in Social Media Portalen. Zugenommen haben insbesondere koordinierte rechtsextreme Online-Hassaktionen wie #120db, #kikagate und #kandelistueberall, während seit Inkrafttreten des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes im Oktober 2017 explizit rassistische, antimuslimische und antisemitische Beiträge offenbar zurückgegangen sind.

Laut den Studienergebnissen wird diese Entwicklung von einer lauten Minderheit von rechtsextremen Aktivist_innen vorangetrieben. Die Auswertung von 700 Beiträgen, 16.830 Kommentaren und 1,2 Millionen `Likes' zeige, dass 5 Prozent der aktiven Nutzer_innen für 50 Prozent aller Beiträge mit hasserfüllten rechtsextremen Inhalten im Internet verantwortlich waren und weniger als 1 Prozent für 25 Prozent dieser Interaktionen.

Das Gefährliche daran sei, dass diese Nutzer_innen eine gut organisierte, koordinierte 'Trollarmee' aufgebaut haben, die mit ausgeklügelten Medienstrategien Hass-Kampagnen online verbreitet. Zu ihren Taktiken gehören gezieltes Diffamieren von politischen Gegnern, koordiniertes Entführen von Hashtags, Spamming von wichtigen Kommentarabschnitten und das Erstellen mehrerer paralleler Accounts.

Beeinflussung politischer Entscheidungen
Doch wer jetzt denkt, "ach lass die sich doch im Internet austoben, ich geh da eh nicht mehr gucken", verhält sich ein wenig blauäugig, denn die Wirkung dieser Online-Kampagnen geht laut der Studie weit über die Social Media-"Echo-Kammern" hinaus: Sie beeinflussen zunehmend die Medienberichterstattung und sogar politische Entscheidungen in Deutschland. Indem sie bestimmte Hashtags und Kampagnen verstärken, bis sie in den sozialen Medien "im Trend" liegen, seien rechtsextreme Gruppen in der Lage, diese Themen in den Mainstream zu drängen. Die Forscher_innen verfolgten, wie Kampagnen wie #120db zunächst von Online-Bots aufgegriffen und verstärkt wurden, dann von AfD-Accounts und russischen Medien wie RT und Sputnik geteilt wurden, und schließlich einige davon auch in deutschen Mainstream-Medien wiederzufinden waren.

Julia Ebner, Forscherin bei ISD und eine der Autorinnen des Berichts: "Es ist wichtig, dass weder Journalisten noch Politiker die nationale Stimmung auf der Grundlage von Interaktionen und Meinungen über soziale Medien bewerten. Diese Untersuchung zeigt deutlich, dass nur eine begrenzte Anzahl von Personen, die aus mehreren Profilen heraus posten, in der Lage sind, einen falschen Eindruck von breiter gesellschaftlicher Wut zu erwecken, die in Wirklichkeit nicht existiert. Während Social Media Analysen interessante gesellschaftliche Diskurse erfassen können, sollten diese mit traditionellen Umfragedaten und umfassenden öffentlichen Umfragen kombiniert werden."

Die Studie will aber auch deutlich machen, welche Rolle Einzelpersonen bei der Bekämpfung von Hassreden im Internet spielen können, etwa indem sie Opfer von Hatespeech unterstützen und sich unabhängig von ihren persönlichen und politischen Ansichten für einen respektvollen Online-Diskurs einsetzen. Ebner fügt hinzu: "Basierend auf unseren Ergebnissen nutzen wir technische Hilfsmittel, um Frühwarnsysteme zu entwickeln, die in der Lage sein werden, die Entstehung von Hasskampagnen in Social Media schnell zu erkennen. Damit können wir koordinierte Gegenkampagnen zum Schutz von NGOs, Aktivisten, Journalisten und anderen Internetnutzern vor Online-Angriffen starten."

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