Träum schön und schlaf gut

Studie: Träume können den Schlaf tiefer erscheinen lassen, selbst wenn das Gehirn aktiver ist

Wann denkt ihr, dass ihr „gut geschlafen“ habt? Wahrscheinlich nicht unbedingt, wenn ihr lange im Bett wart, sondern eher, wenn ihr den Eindruck habt, tief und ungestört geschlafen zu haben, oder? Aber wann empfinden wir so? Halten uns vielleicht Träume von einem tiefen Schlaf ab? Das wollten Forscher:innen der IMT School for Advanced Studies Lucca herausfinden und analysierten 196 nächtliche Aufzeichnungen von 44 gesunden Erwachsenen in einem Schlaflabor. Die erstaunlichen Ergebnisse, die in Plos Biology erschienen, legen nahe, dass Träume – besonders die lebhaftesten und eindringlichsten – den Schlaf eben nicht stören, sondern dazu beitragen könnten, dass er sich tiefer und erholsamer anfühlt.

Jahrelang ging man davon aus, Tiefschlaf bedeute ein „abgeschaltetes“ Gehirn: langsame Gehirnwellen, geringe Aktivität, kein Bewusstsein. Nach dieser Auffassung gilt: Je tiefer der Schlaf, desto weniger aktiv ist das Gehirn. Träumen hingegen wurde bisher mit dem REM-Schlaf (Rapid Eye Movement) in Verbindung gebracht und dieser gilt als Ausdruck eines teilweisen „Erwachens“ des Gehirns. Überraschenderweise wird diese Phase, die durch intensives Träumen und wachähnliche Gehirnaktivität gekennzeichnet ist, jedoch häufig auch als relativ tiefer Schlaf empfunden.

Losgelöst von der Außenwelt

Im Rahmen von vier Laborübernachtungen pro Teilnehmer:in sammelten die Forscher mehr als 1.000 Aufwachmomente mit entsprechenden Berichten und schufen so einen der größten Datensätze, der Gehirnaktivität, Traumerlebnisse und die subjektive Wahrnehmung des Schlafs miteinander verknüpft. Für das Experiment wurden die Testpersonen wiederholt aus dem Nicht-REM-Schlaf geweckt – einer Schlafphase, die sich durch große Schwankungen sowohl in der subjektiven Schlaftiefe als auch im Träumen auszeichnet – und gebeten, ihre mentalen Erfahrungen unmittelbar vor dem Aufwachen zu schildern sowie die wahrgenommene Schlaftiefe und die subjektive Schläfrigkeit zu bewerten.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Teilnehmenden nicht nur dann den tiefsten Schlaf empfanden, wenn sie in einer Art Bewusstlosigkeit waren, sondern auch nach lebhaften und intensiven Träumen. „Mit anderen Worten: Nicht jede geistige Aktivität während des Schlafs fühlt sich gleich an: Die Qualität der Erfahrung, insbesondere wie eindringlich sie ist, scheint entscheidend zu sein“, erklärt Giulio Bernardi, Professor für Neurowissenschaften an der IMT School und leitender Autor der Studie.

Die Autor:innen stellten zudem ein weiteres auffälliges Phänomen fest: Obwohl der Schlaf im Laufe der Nacht stetig "leichter" wurde, berichteten die Teilnehmenden paradoxerweise, dass sie das Gefühl hatten, ihr Schlaf würde tiefer werden. Diese subjektive Vertiefung ging Hand in Hand mit einer zunehmenden Intensität der Träume. Die Forschenden folgern daraus, dass Traumerlebnisse dazu beitragen könnten, das Gefühl des Tiefschlafs aufrechtzuerhalten, selbst wenn der biologische Schlafdrang nachlässt. Tatsächlich könnten Träume, in die man vollständig abtaucht, dazu beitragen, unser Gefühl der Losgelöstheit von der Außenwelt – ein charakteristisches Merkmal erholsamen Schlafs – aufrechtzuerhalten. Und das obwohl Teile des Gehirns aktiver werden.

Wächter des Schlafes

„Das Verständnis, wie Träume zum Gefühl des Tiefschlafs beitragen, eröffnet neue Perspektiven auf Schlafgesundheit und psychisches Wohlbefinden“, sagt Bernardi. Träume seien nicht nur Nebenprodukt des Schlafs, sondern sie könnten dazu beitragen, Schwankungen in der Gehirnaktivität auszugleichen und das Erlebnis des Tiefschlafs aufrechtzuerhalten. Diese Idee spiegelt eine seit langem bestehende Hypothese in der Schlafforschung – und sogar in der klassischen Psychoanalyse – wider, dass Träume als „Wächter des Schlafs“ fungieren könnten.

Also ärgert euch nicht über eure Träume - auch wenn ihr sie anstrengend finden könntet - sie sind in der Lage, euch einen guten Schlaf vorzugaukeln ;-).

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Autorin / Autor: Redaktion  / Pressemitteilung - Stand: 2. April 2026