Süchtig nach dem "Netz-Echo"

Studie: Welche Rolle spielen Schamgefühle im digitalen Zeitalter?

Schaut her, so bin ich: erfolgreich, gut aussehend, klug, charmant, beliebt - die Art und Weise wie wir uns gerne in Gruppen darstellen, spiegelt sich auch in den sozialen Medien wider. Nur dass es dort sehr konkret und für viele andere sichtbar messbar wird. Zum Beispiel in Likes. Doch diese „Ausrichtung an Likes und der Vergleich mit Konkurrenten kann paradoxe Folgen haben“, betont Vera King. Sie ist Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts und Professorin für Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie an der Goethe-Universität. In einer Pilotstudie „Das vermessene Leben“ fragte sie über tausend Jugendliche, wie sie sich selbst in Facebook, Instagram und Co. darstellen und beleuchtete dabei, welche Rolle Schamgefühle im digitalen Zeitalter spielen. Die Scham sei nämlich in mehrfachem Sinne als eine Kehrseite des Sich-Zeigens anzusehen. Scham enstehe zum Beispiel, wenn man, für andere sichtbar, schlecht dasteht, wenig Likes und Follower hat oder schlechte Bewertungen kassiert. Andererseits könne Scham aus dem Wissen oder Gefühl resultieren, dass man in Wirklichkeit gar nicht so ist, wie man sich digital zeigt – dass man womöglich, so ein Zitat, 10.000 Follower verlöre, wenn man sein wahres Gesicht zeigen würde. Und Scham könne auch dann entstehen, wenn einem klar wird, dass man von der Anerkennung und von der Reaktion der digitalen Öffentlichkeit abhängig ist. „Schamkonflikte, im sozialen wie psychischen Sinn, gewinnen somit an Bedeutung“, folgert Vera King.

Gleich oder anders?
Offenbar ist uns nicht egal, wie andere auf unser medial erzeugtes Bild von uns selbst schauen. Das für alle offen sichtbare digitale  Statusniveau und der Vergleich mit anderen sei für manche zwar nur eine lustvoll erlebte Rivalität oder sportlicher Wettbewerb, aber teilweise würden es viele auch als bedrängend empfinden und hätten Angst vor beschämendem Statusverlust. Eine große Rolle spielt dabei wohl auch, dass die digitale Präsentation sich zwischen den Polen Konformität und Anderssein bewegt. Denn der anonyme Blick der digitalen Anderen und der damit verbundene Druck, so zu sein, wie die sie, verleitet viele dazu, etwas nur zu tun, um anderen zu gefallen, wofür man sich dann wiederum schäme.

Manche Schamgefühle nehmen zu, andere ab
Den Interviews haben die Forscher_innen auch entnommen, dass die Angst vor Beschämung durch sozialen Ausschluss zunimmt, während gleichzeitig  immer weniger Schamgefühle empfunden werden, im Beisein von Anderen auf das Smartphone zu schauen. Fest steht für die Soziologin, dass die Abhängigkeit von digitalen Praktiken neue Formen von Scham hervorbringt, zum Beispiel die, dass man süchtig ist nach dem "Netz-Echo". Und je mehr man hofft, von den digitalen Followern das zu bekommen, was einem im realen Freundeskreis verwehrt ist (Anerkennung, Zuwendung, Bindung), desto quälender wird das Gefühl der Abhängigkeit.

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion/Pressemitteilung - Stand: 5. Juli 2019
 
 
 

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