Streitend zur besten Entscheidung

Schwarmintelligenz: Was wir von zankenden Erdmännchen lernen können

Wenn man wissen will, wie Menschen ticken, hilft oft ein Blick ins Tierreich. Wir machen zwar nicht alles gleich, aber neben so manchen Ähnlichkeiten hilft uns die tierische Perspektive, herauszufinden, was man besser machen könnte. So haben WissenschaftlerInnen sich kürzlich mit dem Thema Gruppenentscheidungen befasst und dabei herausgefunden, dass Konflikte innerhalb einer Gruppe zu besseren Entscheidungsergebnissen führen können als harmonische Übereinstimmung ohne jeglichen Widerspruch.

Dies zeigt eine Studie von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung (MPIB) in Berlin und der London School of Economics (LSE), in die sie unter anderem Daten zu Erdmännchen einbezogen. Sie beobachteten, dass Tiere, die in sozialen Gruppenverbänden leben, zu besseren gemeinsamen Entscheidungen finden, wenn ihre Mitglieder unterschiedliche Interessen verfolgen.

Bisherige Studien, die sich mit dem Thema Schwarmintelligenz in der Biologie beschäftigten, haben Interessenskonflikte weitestgehend ausgeklammert. Die Forschergruppe des MPIB und der LSE legte in der vorliegenden Untersuchung einen Fokus auf das Thema und wertete dafür Daten von Tieren aus, die in sozialen Gruppenverbänden leben.

Die Studie zeigt, dass es für die Erreichung eines gemeinsamen Ziels in einer Gruppe am besten ist, wenn unterschiedliche Interessen zusammen kommen. Wichtig ist lediglich, dass die einzelnen Tiere ein gemeinsames Hauptziel verfolgen, wie zum Beispiel die Futtersuche oder den Schutz vor möglichen Angreifern. Ein von den WissenschaftlerInnen entwickeltes Entscheidungsmodell demonstriert, dass Individuen in einer Gruppe mit unterschiedlichen Interessen weniger häufig die gleichen Fehler machen. Stattdessen machen sie unterschiedliche Fehler. Da sich in einer Kollektiv-Entscheidung jedoch unterschiedliche Fehler gegenseitig ausgleichen, kommt es in einer streitbaren Gruppe zu akkurateren Gruppenentscheidungen, erklären die ForscherInnen. „Gemeinsame Entscheidungen in Gruppen basieren auf kleineren Meinungsverschiedenheiten, die Fehler ausgleichen. Dies heißt, dass sich die Qualität einer Gruppenentscheidung durch die Anzahl der unterschiedlichen Entscheidungsträger verbessern kann“, sagt Christian List von der LSE.

Als Beispiel führen die Wissenschaftler die Futtersuche an: Bei der Nahrungsuche wählen Gruppen mit unterschiedlichen Interessen viel zuverlässiger die reichhaltigeren Futterplätze aus als Gruppen, in denen alle das gleiche wollen. Auf diese Art profitiere jeder in der Gruppe von dem Konflikt, der letztendlich zum besseren Ergebnis führt. Und schließlich werden Entscheidungen trotz Konflikten getroffen, da es nicht im Interesse von sozialen Gruppen wie den Erdmännchen liegt, dass die Gruppe auseinander geht. „Unsere Ergebnisse zeigen auch, dass gemeinsame Entscheidungen, die ohne Interessenskonflikte zustande kamen, häufig überraschend schlecht sind. Dies liegt daran, dass gleichgesinnte Tiere oftmals in denselben Situationen die gleichen Fehler machen, die sich dann im Kollektiv nicht gegenseitig ausgleichen können", sagt Studienleiterin Larissa Conradt, Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin und Expertin für das Gruppenverhalten von Tieren. Nach ihrer Ansicht ist es möglich, dass diese Erkenntnisse auch auf menschliche Gruppenentscheidungen anwendbar sind. "Das würde dann ein starkes Argument dafür liefern, verschiedene Interessensgruppen und Minderheiten nicht von gemeinsamen Entscheidungen auszuschließen“, schlussfolgert sie. Also: Mut zum Streit - auch wenn es erstmal unbequemer scheint ;-)

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 12. Dezember 2013
 
 
 

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