Stirb schnell!

Gutachten: (Gewollter) vorzeitiger Verschleiß von Produkten ist ein Massenphänomen

Stellt euch vor, euer aktuelles Smartphone wäre ewig haltbar, einfach und preiswert zu reparieren und durch Updates und Aufrüstung immer auf den aktuellen technologischen Stand zu bringen. Würdet ihr dann noch ein neues Smartphone brauchen oder wollen? Es bräuchte sicher mehr Überzeugunsarbeit als jetzt, wo die Geräte nicht nur schnell außer Mode kommen, sondern auch schnell nicht mehr zu gebrauchen sind. Etwa durch kaputte Akkus, die sich nicht austauschen lassen, weil sie verschweißt sind oder durch abbrechende Plastikteile, die nicht ersetzt werden können, ohne das halbe Gerät neu zu bestücken. Der Verdacht liegt nahe: da steckt System hinter. Gemunkelt wird schon lange über die sogenannte "geplante Obsoleszenz" (von lat: sich abnutzen, aus der Mode kommen). Der Begriff beinhaltet die Unterstellung, dass Hersteller ihre Produkte absichtlich so konzipieren und produzieren, dass sie früher kaputt gehen als nötig wäre: indem bewusst Schwachstellen eingebaut werden, minderwertige (und natürlich auch preiswertere) Rohstoffe zum Einsatz kommen, Reparaturen erschwert oder ein rasch verblassendes Erscheinungsbild erzeugt wird.

Planvoll?
Stimmt dieser Verdacht? Gehen Unternehmen planvoll vor, um die VerbraucherInnen zu immer neuen Kaufentscheidungen zu drängen? Oder ist das nur eine moderne Legende, wie manche behaupten?
Die Bundesfraktion der Grünen hat sich des Themas angenommen und eine Studie zur "Geplanten Obsoleszenz" in Auftrag gegeben. Einer der Studienautoren, Stefan Schridde, hat dazu allerdings schon eine klare Meinung, ist er doch der Initiator des Projekts  "MURKS? NEIN DANKE!", eine "bürgerschaftliche Verbraucherschutzorganisation und gleichzeitig Onlineportal für nachhaltige Produktqualität und gegen geplante Obsoleszenz" wie es im Autorenporträt Schriddes heißt.

Massenphänomen?
Die Autoren gehen in ihrer Studie davon aus, dass der gewollte vorzeitige Verschleiß - von den Herstellern  billigend in Kauf genommen oder sogar ganz gezielt eingesetzt - ein Massenphänomen ist. In dieselbe Richtung wie vorzeitiger Verschleiß gehörten auch Maßnahmen wie das Unmöglichmachen von Anwendungen in Softwareprodukten, die eigentlich möglich werden (sogenannte Antifeatures) - etwa damit eine teurere "Komplett-Version" gekauft wird.
Die Autoren führen zahlreiche weitere Praktiken auf: etwa den "Trick" von Hersteller Panasonic, der 2009 einen Riegel in seine Kameras eingebaut haben soll, damit preiswerte Nicht-Panasonic-Batterien nicht reinpassen. Oder den Einbau von Zählern in Druckern, die dafür sorgen sollen, dass das Gerät nach einer bestimmten Anzahl von Ausdrucken - völlig unnötigerweise - seinen Geist aufgibt.

Verbrauchertäuschung und Ressourcenvergeudung
Die Autoren kritisieren, dass solche Praktiken die VerbaucherInnen täuschen und ihnen Kaufkraft entzogen wird, die sie auch anderweitig einsetzen könnten (ein schöner Uraub statt die kaputte Waschmaschine ersetzen). Außerdem wird auch der Müllberg vergrößert und wertvolle Ressourcen unnütz vergeudet. Sie rechnen vor, was ein Ende der geplanten Obsoleszenz im Optimalfall bewirken könnte und schlagen ein Handlungprogramm vor, das unter anderem eine Kennzeichnungspflicht (z.B. "geplante Gebrauchsdauer“) vorsieht.

Ganz gleich, ob man nun Mutwilligkeit unterstellen will oder glaubt, dass Qualität zu den vom Kunden gewünschten Preis nicht herzustellen ist - Langlebigkeit und Nachhaltigkeit sollte in Zeiten der "Energie-Wende" und schrumpfender Rohstoffbestände oberstes Gebot haben. Und da sind defintiv die Hersteller gefragt!

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 21. März 2013
 
 

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