Unsere Sprache prägt unser Bild vom Alter
Worte schaffen Wirklichkeit - „Silver Tsunami“, „graue Flut“, „Totholz“ – kaum eine Bevölkerungsgruppe wird mit so drastischen Bildern beschrieben wie alte Menschen.
Bild: Collage aus: Willowpix / istockphoto.com und Xsandra / istockphoto.com
„Ein Begriff wie ,Silver Tsunami‘ beschreibt ältere Menschen als Naturkatastrophe. Solche Sprachbilder sind nicht harmlos, sondern prägen unsere Vorstellungen, unsere Politik, unsere Ressourcenverteilung und letztlich das Generationenverhältnis“, sagt Prof. Dr. Ulla Kriebernegg von der Uni Graz. Sprache ist für die Literatur– und Kulturwissenschaftlerin weit mehr als ein Mittel zur Beschreibung der Wirklichkeit. Sie beeinflusst, wie wir über das Alter denken – und damit auch, wie Politik, Medien und Gesellschaft Hochbetagten begegnen.
Verletzlichkeit und Handlungsfähigkeit schließen sich nicht aus
Gesundheitliche Risiken durch Hitze oder Extremwetter seien real und müssten ernst genommen werden, betont die Grazer Wissenschaftlerin. Gleichzeitig warnt sie davor, ältere Menschen auf ihre Verletzlichkeit zu reduzieren. „Verletzlichkeit und Handlungsfähigkeit schließen sich nicht aus“, sagt Kriebernegg. Statt ältere Menschen ausschließlich als Schutzbedürftige wahrzunehmen, müsse stärker gesehen werden, welchen Beitrag sie selbst für den gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten können. Hochbetagte seien nicht nur von gesellschaftlichen Entwicklungen betroffen, sondern gestalteten sie aktiv mit – durch Erfahrung, Engagement und Verantwortung.
Literatur eröffnet neue Perspektiven
Um festgefahrene Altersbilder aufzubrechen, richtet Prof. Kriebernegg den Blick auf die Literatur. Romane und Erzählungen zeichnen häufig differenziertere Bilder des Alterns als politische oder mediale Debatten. Während Margaret Atwoods Erzählung Torching the Dusties überspitzt darstellt, wie ältere Menschen zu Sündenböcken gesellschaftlicher Krisen werden, erzählt Leonora Carringtons Roman The Hearing Trumpet von alten Frauen, die mit Lebenserfahrung, Verantwortungsbewusstsein und Solidarität Zukunft aktiv mitgestalten. „Literatur zeigt uns, dass ältere Menschen weder Täter noch bloße Opfer des Klimawandels sein müssen. Sie eröffnet einen Raum, in dem wir gemeinsam darüber nachdenken können, wie alle Generationen Zukunft gestalten.“
Wie kann man neue Bilder über das Alter schaffen?
Um die stereotype Berichterstattung über das Alter zu durchbrechen, sollten alle genauer hinschauen und sich bewusst machen, dass ältere Menschen genauso wie junge Menschen vielfältig sind. Auch sie haben unterschiedliche Lebensentwürfe, Kompetenzen und Perspektiven. Ihre Erfahrungen und Sichtweisen können dabei helfen eine gemeinsame lebenswerte Zukunft zu gestalten. Alt werden wollen wir schließlich alle, oder?
Welche interessanten Filme, Bücher oder auch Influencer:innen kennt ihr, die einen anderen Blick auf das Alter werfen?
Quelle
Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung