Selbstoptimierung statt Gesundheit

Wie Influencer Jugendliche zum "perfekten Körper" bringen wollen

Wie hoch ist mein BMI? Wieviel Körperfett hab ich? Wie ists um meine Fitness bestellt? Antworten auf diese und andere Fragen holen sich immer mehr Jugendliche bei ihren Fitness-Influencern auf YouTube, Instagram und Co. Doch was sie dort zu sehen bekommen, sind oft in Szene gesetzte muskelbepackte Körper, Sportklamotten oder Nahrungsergänzungsmittel, die als Weg zur optimalen Gesundheit angepriesen werden. Das fanden jetzt Forscherinnen der Universität Witten/Herdecke heraus, die 1.000 Bilder von Deutschlands Top-50 Fitness-Influencern untersucht und teilweise Kommunikationsstränge mit bis zu 2.000 Kommentaren analysiert haben. Dabei stellte sich heraus, dass die Fitness-Stars die Themen Ernährung und Bewegung als Stellschrauben für die Perfektionierung des eigenen Körpers vermitteln. Auf mehr als der Hälfte der Bilder fanden die Wissenschaftlerinnen zum Beispiel muskulöse nackte Bäuche. Der Grund: Ein Ideal für den aktuellen Körperkult seien eben sichtbare Muskulatur und ein geringer Anteil an Körperfett, und als schön werde nur das anerkannt, was man selbst durch aktive Formung des eigenen Äußeren erreicht habe, so die Forscherinnen. Aber sie warnen auch: Diese durch Kontrolle erschaffenen und gestalteten Körper folgten einem unrealistischen Schönheitsideal, das kaum jemand erreichen könne. Für diejenigen, die solche Bilder sehen, sind sie aber ein Zeichen für Gesundheit und Selbstbestimmung, die nur durch Selbstkontrolle, Leistung und Macht über seinen Körper zu haben seien.

Best friends Influencer
„Jugendliche kommunizieren mit Influencern über das Internet wie mit besten Freundinnen, sie klagen über ihre Figur, kommentieren umfangreich das Aussehen, die Kleidung, das Essen ihrer Idole, und sie suchen Rat, wie auch sie so perfekt werden können“, erklärt Katharina Pilgrim, die zu dieser Thematik ihre Doktorarbeit verfasst hat. „Dass die dargestellten Fotos aufwändig in Szene gesetzt und umfangreich bearbeitet sind, ist ihnen oft nicht bewusst.“ Prof. Dr. Sabine Bohnet-Joschko, Betreuerin der Arbeit, ergänzt: „Jugendliche bewegen sich täglich mehrere Stunden in sozialen Netzwerken, dort informieren sie sich auch über gesundheitsrelevante Themen wie Ernährung und Bewegung. Wir müssen diese Art der Kommunikation und ihre Hintergründe verstehen, wenn wir gesundheitsfördernde Maßnahmen planen, sonst zielen wir an der Lebenswelt der Jugendlichen vorbei. Das war der Ausgangspunkt unserer Studie.“

Dabei geht es den Influencern natürlich auch um Geld, denn die Produkte, die sie auf ihren Bildern präsentieren, sollen ja schließlich verkauft werden. Blöd daran ist nur, dass die dargebotenen Produkte einem vorgaukeln, dass sie einen etwas einfacheren Weg zum angestrebten Äußeren bieten. Dass es den Influencern besonders um Vermarktung und damit einhergehende Einnahmen geht, ist ablesbar daran, dass auf zwei von drei Bildern ein Hersteller, ein Produkt, eine Marke oder ein Unternehmen eingebunden ist, wobei nur die Hälfte als Werbung gekennzeichnet ist. „Konsum, Schönheit und Glück werden so in einen direkten Zusammenhang gestellt“, sagt Prof. Dr. Sabine Bohnet-Joschko. Im Ergebnis stellten die Forscherinnen fest, dass auf fast der Hälfte der Bilder Nahrungsergänzungsmittel in Pulver oder Pillenform abgebildet waren.

20 Prozent der Jugendlichen sind unzufrieden mit Figur und Gewicht
Das Motiv für die Forscherinnen war die Tatsache, dass 20 Prozent der Jugendlichen hierzulande unzufrieden mit Figur und Gewicht sind oder an Heißhungeranfällen leiden. Jede sechste Person zwischen 14 und 17 leidet an Übergewicht. Zwar versuchen Familien, Schulen und Krankenkassen, diese Entwicklung zu bremsen, aber die Bilder im Netz sind oft stärker. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass 12- bis 17-Jährige täglich bis zu drei Stunden in sozialen Netzwerken verbringen. Über ein Drittel der Jugendlichen steuert dabei gezielt die Seiten sogenannter Influencer - Personen, die in sozialen Netzwerken besonders einflussreich sind und deshalb bevorzugt als Werbebotschafter eingesetzt werden - an. Was sie daran schätzen, ist das Gefühl, persönlich angesprochen zu werden und eine überzeugende Erklärung von Vor- und Nachteilen zu erhalten. „Die Fitness-Influencer prägen Jugendliche heute maßgeblich in ihren gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen. Dabei betreiben diese keine Gesundheitsförderung, sondern wollen Geld verdienen", betont Katharina Pilgrim.

Was helfen könne, sei, Influencer nicht nur wegen Schleichwerbung abzumahnen, sondern viel mehr Lehrende, Erziehungsberechtigte sowie Entscheider_innen zu befähigen, Minderjährige angemessen aufzuklären, zu beraten und zu schützen. Dazu gehöre auch das Umdenken, die sozialen Medien als eigene Lebenswelt wahrzunehmen. Sie also nicht pauschal zu verdammen, sondern sie zu nutzen, um mit wirklicher Gesundheitsförderung die Jugendlichen zu erreichen“, so Bohnet-Joschko.

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 8. Oktober 2019
 
 
 

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