Schwerwiegende Täuschung

Schwere Bücher erscheinen (ge)wichtiger, auch wenn wir sie schon gelesen haben

Von einem glanzvollen Buchcover sollte man sich nicht täuschen lassen - ebenso wenig von einem unscheinbaren. Und auch nicht vom Gewicht eines Buches, was offenbar besonders schwer fällt, selbst man das Buch gelesen hat. Das haben amerikanische ForscherInnen um Jesse Chandler von der Princeton Universität herausgefunden, die in Experimenten untersuchten, wie sich das Gewicht eines Buches auf die Einschätzung desselben auswirkt.

Sie ließen in verschieden angeordneten Versuchen Testpersonen ein Buch nur nach dem Cover oder nach Cover und Klappentext bewerten. Der Witz dabei: Die Hälfte der Teilnehmer hielt dabei ein Buch in den Händen, das durch ein künstliches Gewicht von 500 g auf 700 g beschwert worden war. Die ProbandInnen sollten dann auf einer Skala angeben, ob sie das Buch gerne lesen, wieviel Geld sie dafür ausgeben würden und ob es ein Fall für die Bestsellerlisten sei. Interessanterweise schnitt das Buch bei denen am besten ab, die sowohl Cover als auch Klappentext zu sehen bekommen hatten, denen aber außerdem ein zusätzliches Gewicht untergeschmummelt worden war.

In einem zweiten Experiment ließen die Forscher einen sehr bekannten Klassiker bewerten, nämlich "Der Fänger im Roggen" von J.D. Salinger. Die Testpersonen wurden befragt, für wie "einflussreich" sie das Werk hielten. Auch in diesem Experiment wurde das Buch in einigen Fällen schwerer gemacht als es tatsächlich war. Von allen wurde das Werk natürlich als sehr einflussreich bewertet, aber die durch das Gewicht Getäuschten waren es wieder, die dem Werk den größten Einfluss zutrauten.

Offenbar schützt also nicht einmal das Wissen - in dem Fall über die Bekanntheit und Güte eines literarischen Werkes - vor der Täuschung durch äußere Merkmale.

Die Forscher konnten damit die bisherige Annahme in Frage stellen, dass der Einfluss der Sinneswahrnehmung und ihre metaphorische Bedeutung (z.B. schwer, hohes Gewicht = gewichtig, wichtig) vor allem dann zum Zuge kommt, wenn einem sonst keine Informationen zur Verfügung stehen. Im Gegenteil belegen die Experimente von Chandler und seinem Team, dass die metaphorische Zuschreibung umso stärker wurde, je mehr die Testpersonen über das Objekt wussten.

Damit dürfte klar sein, dass Wissen nicht davor schützt, sich von seinen Sinneswahrnehmungen beeinflussen zu lassen und diese damit mehr Macht haben, als man meinen sollte. Ob Verlage darum nun schwereres Papier für möchte-gern-anspruchsvolle Bücher auswählten, darf bezweifelt werden. Bald werden vermutlich alle Bücher gleich viel "wiegen", nämlich nur so viel wie das Lesegerät, auf dem sie gespeichert sind.

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 5. April 2012
 
 
 

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