Schwere Zeiten für FFF

Eine neue Studie zeigt, dass das Bild einer einheitlichen globalen Jugendklimabewegung bröckelt, da sich Aktivist:innen in weniger zentralen Ländern zunehmend von einer westlich geprägten Führung an den Rand gedrängt fühlen

Was ist eigentlich aus Fridays for Future geworden? Jahrelang wurde die weltweite Jugendklimabewegung als eine globale Einheit gesehen, mit Millionen von Teenagern von Stockholm bis Tel Aviv, die unter dem gleichen Banner FFF streikten. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass der Klimastreik eine „Krise der Verbundenheit“ durchlebt.

Die Studie der Hebräischen Universität Jerusalem sowie der Freien Universität Berlin untersucht exemplarisch, warum junge Aktivist:innen in Israel und der Türkei zunehmend der zentralen Führung von FFF kritisch gegenüber stehen. Während sich die globale FFF-Bewegung, die oft in Westeuropa angesiedelt ist, auf universelle „Klimagerechtigkeit“ konzentriert, weisen Aktivist:innen in anderen Ländern darauf hin, dass ihre lokalen Realitäten weitaus komplexer sind.

Laut der in Information, Communication & Society veröffentlichten Studie fühlen sich diese Jugendlichen in ihrem Aktivismus durch drei wesentliche Faktoren behindert.

Demokratischer Rückschritt

Aktivist:innen in beiden Ländern erleben staatliche Unterdrückung und Polizeigewalt, die ihre Kolleg:innen in „voll entwickelten Demokratien“ selten erleben.

Konkurrierende nationale Krisen

In Israel werden Klimafragen durch den Krieg zwischen Israel und der Hamas oft in den Hintergrund gerückt. In der Türkei kämpfen Aktivist:innen darum, überhaupt Genehmigungen für Proteste zu bekommen, da die Behörden Streiks oft mit „Unruhen“ oder „Rebellion“ gleichsetzen.

Geringes öffentliches Bewusstsein

Anders als in vielen europäischen Ländern, wo der Klimawandel - trotz nachlassender politischer Unterstützung - immer noch ein politisches Thema von höchster Bedeutung ist, müssen israelische und türkische Jugendliche mit einem erheblichen Mangel an Interesse seitens der Öffentlichkeit und der Medien kämpfen.In der Türkei erreichten die Spannungen im November 2021 einen Höhepunkt, als sich die nationale Sektion offiziell von der FFF distanzierte und sich in „Turkey for Climate“ umbenannte. Diese Entscheidung folgte auf eine hitzige Diskussion in internationalen Diskussionsgruppen, in denen sich türkische Aktivist:innen wegen ihrer nationalen Werte verspottet und respektlos behandelt fühlten.

In Israel sahen sich Aktivisten wegen des israelisch-palästinensischen Konflikts heftiger Kritik seitens der globalen Bewegung ausgesetzt. Nach den Ereignissen vom 7. Oktober 2023 fühlten sich viele israelische Aktivisten „verletzt” durch das, was sie als Missachtung der israelischen Opfer durch die globale Bewegung und als „antisemitische” Rhetorik ihrer Mitaktivist:innen empfanden. Trotz dieser Spannungen entschied sich die israelische Sektion, im globalen Netzwerk zu bleiben. Sie möchte ihren strategischen Einfluss wahren, auch wenn ihre emotionale Identifikation mit Führungsfiguren wie Greta Thunberg nachgelassen hat.

Das Bild einer einheitlichen globalen Jugendklimabewegung bröckelt also, da sich Aktivist:innen in der „Peripherie” zunehmend von einer westlich geprägten Führung an den Rand gedrängt fühlen. Die „Krise der Verbundenheit”, die durch nationale Sicherheitsbedrohungen, demokratische Rückschritte und politische Spaltungen ausgelöst wird, hat das Potenzial die „zarten Bande” zu zerstören, die die Bewegung einst zusammenhielten. Laut der Studie ist eine globale Agenda zum Scheitern verurteilt, wenn die unterschiedlichen lokalen Realitäten ihrer Mitglieder ignoriert werden.

„Unsere Forschung betont den menschlichen Aspekt verbindender Aktionen”, sagt Prof. Kligler-Vilenchik. Digitale Tools ermöglichen zwar eine schnelle weltweite Mobilisierung, doch die Studie argumentiert, dass globale Bewegungen die lokalen, gelebten Erfahrungen ihrer Mitglieder nicht ignorieren dürfen. Wenn eine „globale” Agenda mit dem „lokalen” Überleben eines Ortsverbands kollidiert, bricht die menschliche Verbindung oft lange vor der digitalen."

Quelle

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Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 26. Februar 2026