Schlecht geträumt - gut gelaunt?

Forscher:innen untersuchten, wie die Verarbeitung von Gefühlen während Traumphasen stattfindet

Fast alle kennen den Zustand, nach einem schlechten Traum aufzuwachen und sich zu fragen, was das jetzt bitte zu bedeuten hat? Aber: Selbst beängstigende Träume können einen Zweck erfüllen, denn wie eine weit verbreitete Theorie besagt, kann Angst in Träumen Menschen dabei helfen, mit Ängsten im Wachleben umzugehen – ähnlich wie bei einer Expositionstherapie, bei der man sich freiwillig mit angstauslösenden Situationen konfrontiert.

Ein Forscher der University of Kansas (KU) hat dieses Konzept getestet und die Ergebnisse kürzlich in der Fachzeitschrift „Sleep“ veröffentlicht. Garrett Baber, Doktorand der klinischen Psychologie an der KU, wollte untersuchen, ob Emotionen, die man im Traum erlebt – wie Angst und Freude –, die Gefühle am nächsten Morgen verändern.
„In unseren Träumen befinden wir uns in einer sicheren Umgebung. Uns kann technisch gesehen nichts passieren. Wenn in einem Traum alles schiefgeht, wachen wir auf. Solange der Schlaf nicht wirklich gestört wird und es nicht zu einem Albtraum eskaliert, könnte die Angst in unseren Träumen uns tatsächlich helfen, tagsüber besser mit unseren Emotionen umzugehen.“, so der Psychologe.

Baber und sein Team analysierten Traumberichte von mehr als 500 Personen und sortierten die in den Träumen berichteten Emotionen mithilfe von KI. Anschließend verglichen sie diese geträumten Emotionen mit den emotionalen Zuständen der Teilnehmenden am folgenden Tag.
„Wir hatten eine viel größere Stichprobe als in vielen anderen Studien und nutzten fortgeschrittene statistische Verfahren, um mit einem strengeren Ansatz zu untersuchen, warum wir träumen.“ Das Team nutzte ein speziell angepasstes Großsprachenmodell, das darauf trainiert wurde, sowohl Angst als auch Freude zu messen. Der KU-Forscher erklärte, wenn die Idee der „Expositionstherapie“ zuträfe, sollte mehr Angst in Träumen eine bessere Stimmung am folgenden Tag vorhersagen.

„Wir fanden jedoch zwei unterschiedliche Ergebnisse“, sagte Baber. „Auf der alltäglichen Ebene war mehr Angst in Träumen mit einer schlechteren Stimmung am Morgen verbunden. Allerdings zeigten Menschen, die angaben, sich aktiv mit ihren Gefühlen auseinanderzusetzen und sie zu akzeptieren, statt sie zu unterdrücken, im Durchschnitt ein höheres Maß an Angst in ihren Träumen.
„Kurzfristig gesehen geht mehr Angst in Träumen mit einer schlechteren Stimmung einher“, sagte er. „Auf individueller Ebene neigen Menschen, die besser mit ihren Emotionen umgehen können, jedoch dazu, mehr Angst in ihren Träumen zu empfinden.“

Wie wir Gefühle in Träumen verarbeiten

Neben der Angst maß das Forschungsteam auch die empfundene Freude in Träumen und untersuchte, ob das gleichzeitige Erleben mehrerer Emotionen einen Einfluss hatte. Und das Ergebnis verblüffte: „Wir stellten fest, dass Menschen, deren Träume sowohl Angst als auch Freude enthielten, morgens seltener von einer negativen Stimmung berichteten. Das war eine neue Erkenntnis. Sie deutet darauf hin, dass emotionale Komplexität in Träumen eine schützende Wirkung haben könnte.“

Aber wann findet die „emotionale Verarbeitung“ statt: während eines Traums oder wenn wir über einen Traum nachdenken?
„Es gibt keinen Konsens darüber, wann emotionale Verarbeitung stattfindet“, sagte Baber. „Frühere Arbeiten gingen davon aus, dass sie während des Traums selbst stattfindet. Ich untersuche, ob es vielleicht wichtiger ist, wie Träume uns später am Tag beeinflussen. Diese Studie konzentrierte sich auf den Morgen, aber es könnte sein, dass sich die Auswirkungen erst viel später entfalten. Eine neue Theorie legt nahe, dass Veränderungen innerhalb des Traums selbst die emotionale Regulierung widerspiegeln könnten. Das gleichzeitige Vorhandensein von Angst und Freude könnte ein Beispiel dafür sein.“

Der nächste Schritt besteht laut Baber darin, zu untersuchen, ob es einen Unterschied zwischen Träumen gibt, die Angst oder eine Mischung aus Angst und Freude beinhalten, und Albträumen, die so beängstigend sind, dass sie die Person aufwachen lassen, im Gegensatz zu schlechten Träumen, bei denen die Person weiterschläft.
Baber merkte an, dass chronische Albträume zwar mit negativen Folgen wie psychischen und physischen Gesundheitsproblemen verbunden sind, der durchschnittliche schlechte Traum könnte jedoch tatsächlich ein Zeichen für die Widerstandsfähigkeit des Gehirns sein.

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Autorin / Autor: Redaktion  / Pressemitteilung - Stand: 5. Mai 2026