Restaurant der Zukunft
Stell dir vor, es ist das Jahr 2050 und du möchtest mit deinen besten Freund:innen ein Restaurant eröffnen…
Nachhaltigkeit wird am Frankengymnasium in Zülpich das ganze Jahr über groß geschrieben, deshalb setzte sich Christian Bezdekovsky, einer der Koordinatoren des Bereichs „Nachhaltigkeit und ökologische Verantwortung“, für eine Teilnahme am Projekt "Zukunft auf dem Teller" ein. Im Rahmen des Teilprojektes am Frankengymnasiums stellten sich 24 Schüler:innen der 7. und 8. Klasse der Aufgabe, für das Schulfest am Ende der Projektwoche Zukunftsmenüs zu kreieren, einzukaufen und zu kochen. Tag 1 startete mit einem gemeinsamen Frühstück. Alle brachten Lebensmittel mit, die für sie zu einem Zukunftsfrühstück dazu gehören. Diese Aufgabe hatten sie vorab von den Workshopleiterinnen Julia und Juna per Videobotschaft erhalten. Anschließend beschäftigten sie sich an Hand des Videos "Welcher Speiseplan rettet die Welt" mit dem Konzept "Planetary Health Diet" und entwickelten erste Ideen für ihre nachhaltige Einkaufstüte. Die "Planetary Health Diet" ist ein wissenschaftlich fundierter Speiseplan, der gleichermaßen die Gesundheit des Menschen wie die des Planeten schützt. Vereinfacht gesagt geht es darum, mehr Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse und weniger tierische Produkte auf den Speiseplan zu setzen.
Was es noch für neue Ideen und Projekte zur Ernährung der Zukunft gibt, stellte Julia Derichs von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in einem Kurzvortrag vor. Begleitend zum Vortrag konnten die Schüler:innen selbst Insektensnacks aus Grillen und Mehlwürmern kosten. Nicht alle waren davon begeistert, aber immerhin hatte man probiert... Zum Schluss des ersten Tages wurden weiter Ideen für die Zukunftsmenüs und Fragen für die Exkursion zum Supermarkt und zum Haus Bollheim gesammelt.
Exkursion zum Supermarkt
Laura Rosarius, Filialleiterin im Edeka Rosenzweig, stellte mit viel Engagement ihr Nachhaltigkeitskonzept vor. Das Team des Marktes achtet auf Regionalität, kennt viele Produzenten der Lebensmittel und beachtet den Saisonkalender von Obst und Gemüse. Rosarius berichtete außerdem, dass der Absatz von Bioprodukten, seit sie neben den konventionellen Produkten liegen, um 40 Prozent gestiegen ist. Nach Möglichkeit werden keine Lebensmittel weggeschmissen, sondern über die "Tafel" in Zülpich und über "Foodsharing" weiter verteilt. Anschließend beantwortete sie noch die Fragen des Social Media Teams der Schüler:innen.
Auf nach Haus Bollheim
Sehr spannend war der anschließende Besuch des Demonstrationsbetriebs ökologischer Landbau "Haus Bollheim" bei Zülpich. Der Hof arbeitet nach "Demeter" Vorgaben, einer besonders strengen Auslegung des biologischen Anbaus. Brixta Abbentheren von Haus Bollheim ist besonders stolz auf die hohe Bioqualität der Produkte und das gelebte Konzept der Kreislaufwirtschaft. Auf dem Hof und den umliegenden Feldern arbeiten 40-50 Menschen, es besteht auch die Möglichkeit, dort ein längeres Praktikum zu absolvieren. Neben etwa 40 Obst- und Gemüsesorten gibt es auch noch Eier, Käse aus der Käserei und frischgebackenes Brot aus der Hofbäckerei. Die Schüler:innen konnten frische Gurken direkt vom Feld und frischen Gouda aus der Käserei probieren. Die produzierten Lebensmittel werden auf regionalen Märkten, im Hofladen und im eigenen Café verkauft. Bei den Schüler:innen waren die gut 1.000 Legehennen (und auch Bruderhähne, die sie an einen anderen Demeter Betrieb weitergeben) und die über 70 Milchkühe besonders beliebt.
Jedem Hof sein Korn
Vom Hof ging es in den Zuchtgarten der Initiative "Jedem Hof sein Korn", wo Patrick Schmidt und sein Kollege schon vor einem riesigen Misthaufen auf die Schüler:innen warteten. Die Initiative zur alternativen Saatgutzüchtung entstand aus dem Wunsch nach mehr Biodiversität und dem Erhalt alter Getreidesorten. Außerdem sollten die Landwirt:innen durch "eigene" Sorten eine größere Unabhängigkeit von wenigen Saatgut Konzernen erhalten. Die Schüler:innen lernten verschiedene Getreidesorten kennen wie beispielsweise "Emmer" und die Unterscheidung von konventionellen Getreidesorten gegenüber biologisch-dynamischen Züchtungen.
Ferner erfuhren sie viel darüber, wie eine gute Bodenqualität hergestellt und erhalten werden kann. Dabei spielt der Mist - das Gold des Hofes - eine wichtige Rolle. Einige mutige Schüler:innen testeten die Temperatur im Inneren des Misthaufens ;-)
Der ereignisreiche Tag ging mit einer strammen Wanderung durch die Felder zurück zur ca. fünf Kilometer entfernten Schule zu Ende.
Schulfest - Eröffnung Restaurant der Zukunft
Am dritten Tag teilten sich die Schüler:innen in Menügruppen auf, planten ihre Gerichte nach den zuvor erarbeiteten nachhaltigen Kriterien und stellten mit Unterstützung der Workshopleiter:innen ihre Einkaufszettel auf. Einkaufen und Kochen gestalteten sie eigenständig in den Gruppen. Zum Glück konnte dafür die Küche im angrenzenden Jugendzentrum genutzt werden, eine Schulküche gibt es leider (noch?) nicht. Ein Großteil der Schüler:innen hatte noch nie eigenständig gekocht, dies war daher eine Herausforderung. Beim Probekochen gab es dann auch ein paar kleine Ausrutscher, die Falafel waren leicht versalzen und der Inhalt der Wraps zu flüssig. Am Tag des Schulfestes klappte aber alles prima. Die Schüler:innen präsentierten in wechselnden Teams ihre nachhaltigen Menüs und beantworteten Fragen. Die Renner waren übrigens die Rote-Beete-Brownies und die Verköstigung der Insekten. Eltern, Mitschüler:innen und weitere Gäste probierten eifrig die Gerichte im Restaurant der Zukunft und fotografierten sich die Rezepte ab. Alles bestens also: Es war nachhaltig und lecker!
Zukunft auf dem Teller
Der Workshop fand statt im Rahmen des Bildungsprojekts "Zukunft auf dem Teller", das gefördert wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen.