Nicht nur auf die Bildschirmzeit schielen
Forschung zu Auswirkungen von Kurzvideos sieht Effekte auf Aufmerksamkeit, Gedächtnisleistung und Wohlbefinden bei Jugendlichen
Jetzt mal ehrlich, wie lange hängt ihr Tag für Tag vor Instagram, TikTok oder YouTube? Und wie viele Stunden vergehen beim endlosen Scrollen von Kurzvideos, die genau auf eure Sehgewohnheiten zugeschnitten sind? Weil bei den meisten Jugendlichen da einige Stunden zusammenkommen, sorgen sich Expert:innen immer wieder darüber, ob das nicht schlecht für Aufmerksamkeit, Gedächtnisleistung und Wohlbefinden junger Menschen sein könnte. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Bayreuth haben sich nun ausgiebig mit diesem Thema beschäftigt und eine Vielzahl internationaler Studien ausgewertet. Dabei haben die Forschenden vor allem in den Blick genommen, welche Auswirkungen dieses spezifische Design (kurz, schnell, ewig scrollbar) auf Jugendliche und junge Erwachsene hat.
Nicht alles pauschal auf die Bildschirmzeit schieben
Als intensiv galt in der Studie eine Nutzung von vier oder mehr Stunden am Tag. Mit unstrukturiert war gemeint, dass ohne feste Routine, spontan und ohne Zeitlimit gescrollt wird - so wie es wahrscheinlich die meisten tun. Heraus kam, dass eine intensive und unstrukturierte Nutzung von Kurzvideo-Plattformen eine Reihe negativer Effekte hat. So gab es Zusammenhänge zwischen Unaufmerksamkeit und Impulsivität, aber auch mit geringerer Arbeitsgedächtniskapazität und eingeschränkter Selbstregulation. Ebenso treten höhere Werte für Angst, Depression und Stress auf.
Es zeigte sich aber auch, dass ein unterstützendes Umfeld dem entgegenwirken kann: „Besonders wichtig ist es, junge Menschen nicht allein zu lassen, sondern sie zu befähigen, bewusst mit digitalen Angeboten umzugehen“, sagt Hauptautorin Marlene Ebster. Die Forscher:innen fordern aufgrund ihrer Ergebnisse, nicht alles pauschal auf die Bildschirmzeit zu schieben, sondern Jugendliche und junge Erwachsene dabei zu unterstützen, Social-Media-Zeit strukturierter und bewusster zu gestalten - etwa durch feste Routinen, mehr digitale Kompetenzen und ein besseres Verständnis von Algorithmen.
Die Analyse umfasst wissenschaftliche Studien aus den Jahren 2015 bis 2025. Insgesamt wurden rund 1.500 Datensätze gesichtet, von denen 42 Studien mit rund 47.000 Teilnehmenden in die finale Auswertung einflossen. Das Durchschnittsalter lag bei 16,8 Jahren. Der Artikel erscheint im Fachmagazin European Child & Adolescent Psychiatry.
Quelle
Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 23. Juni 2026