Nehmen, gucken, weglegen

Forschung zur Mediennutzung: Nicht die Bildschirmzeit stresst uns, sondern der ständige Wechsel von Aufgaben - vor allem bei der Nutzung mobiler Geräte
Bild: Matti Ahlgren / Aalto University

Bild: Matti Ahlgren / Aalto University

Nur noch kurz die Mails checken? Schnell noch das Essen auf Insta posten? Eine WhatsApp-Nachricht beantworten? Wir greifen ständig zum Handy, auch wenn wir gerade mit der Familie im Restaurant sind, mit einer Freundin auf der Wiese sitzen oder über einen Rummel schlendern. Dieses ständige nehmen, kurz draufgucken, weglegen, wird als "Fragmented phone use" (fragmentierte Handynutzung) bezeichnet. Und die stresst uns. Das zumindest sagen Forscher:innen der finnischen Aalto University.
Überall wird diskutiert, welche Auswirkungen die Bildschirmzeit, die Nutzung sozialer Medien und digitaler Geräte auf unser Wohlbefinden haben. Die Studie der Wissenschaftler:innen um  Henrik Lassila zeigen nun einen Aspekt auf, den viele noch nicht so auf dem Schirm hatten. Denn es ist möglicherweise gar nicht die Zeit, die wir vor den Bildschirmen verbringen, sondern die Art und Weise, wie wir das machen, die uns stresst und unter Druck setzt. Denn Menschen mit der höchsten Bildschirmzeit sind nicht zwingend die am stärksten Gestressten. „Am meisten überfordert fühlen sich diejenigen, die immer wieder für kurze Momente auf ihr Smartphone schauen und es kurz darauf wieder weglegen“, resümiert Lassila, was er und sein Team in einer siebenmonatigen Studie herausgefunden haben.

Ständiger Aufgabenwechsel ist stressig

Für die Studie wurde das digitale Verhalten von 300 Erwachsenen in Deutschland intersucht.  Die Teilnehmenden füllten wiederholt Fragebögen zum Thema Informationsüberflutung aus, gleichzeitig wurde im Studienzeitraum das Smartphoneverhalten erfasst, also welche Apps wann wie lange genutzt wurden. Dadurch entstand ein umfangreicher Datensatz zur tatsächlichen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die sprunghafte Nutzung am häufigsten auf Mobilgeräten und bei der Nachrichtenübermittlung auftrat -  zum Beispiel das Ansehen eines kurzen Clips, das Sperren des Bildschirms und die Rückkehr wenige Minuten später – Verhaltensmuster, die Lücken und ständigen Aufgabenwechsel verursachen.

Eins nach dem anderen machen!

Wer das Handy vor allem auf diese Weise nutzte - ständig draufgucken und wieder wegelegen - hatte eher ein Gefühl der Überforderung, auch wenn die insgesamte Nutzungszeit insgesamt nicht höher war als bei anderen Teilnehmenden.
„Wir fühlen uns überfordert, wenn wir nicht alle eingehenden Informationen verarbeiten können und unser Geist sich ‚voll‘ oder gestresst anfühlt“, sagt Lassila. „Informationsüberflutung ist mit negativen Emotionen verbunden, die wiederum zu noch mehr Nachschauen führen können – ein Teufelskreis.“

Auch wenn die Studie nicht beantwortet, warum das unterbrochene Checken eigentlich so stressig ist, weist Lassila darauf hin, dass das Wechseln zwischen verschiedenen Aufgaben in anderen Studien als kognitiv besonders anstrengend eingestuft wurde.

Insgesamt zeigte sich, dass es Nutzer:innen schwer fällt, ihr Nutzungsverhalten zu ändern, auch wenn sie sich komplett überfordert fühlen. Die gestressten Testpersonen legten jedenfalls nicht öfter Handypausen ein.

Die Forscher:innen raten mediengestressten Nutzer:innen unnötige Benachrichtigungen auszuschalten, eine Sache nach der anderen zu machen und nicht auf jedes Piepsen zu reagieren. Co-Autor Janne Lindqvist  empfiehlt „Batching“, also das Zusammenfassen von Aufgaben. Wenn man also Nachrichten beantworten muss oder möchte, wählt man 1-2 Zeiträume am Tag, an denen man das gebündelt erledigt. Den Erkenntnissen der Wissenschaftler:innen zufolge könne das den Stress reduzieren. Und zwischendrin kann man sich voll und ganz auf die Sachen konzentrieren, die man gerade macht: ein Gespräch führen, mit Freund:innen unterwegs sein, eine Hausarbeit schreiben. 

Quelle

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Autorin / Autor: Redaktion  / Pressemitteilung: Bild: Matti Ahlgren / Aalto University - Stand: 13. April 2026