Mutige Stadttiere?
Schwindender Lebensraum zwingt Wildtiere in besiedelte Gebiete. Offenbar sind es vor allem mutige, risikofreudige und aggressivere Tiere, die sich in den Städten behaupten können. Das ist nicht nur schlecht für die Tiere, sondern auch für den Menschen.
Weil der Mensch immer mehr Lebensräume für sich beansprucht, werden die für Wild-Tiere immer kleiner. Wenn sie überleben wollen, sind sie gezwungen sich an städtische Umgebungen anzupassen und dort zu versuchen, ausreichend Futter und Nistplätze zu finden. Dafür müssen sie eine Eigenschaft ablegen, die sie eigentlich von Natur aus haben: Scheu vor Menschen. Für den Menschen ist die natürliche Scheu von Wildtieren von Vorteil, denn so halten sich Wildtiere von ihm fern, greifen ihn nicht an, übertragen keine Krankheiten.
Mit dem Rückgang der Lebensärume aber müssen sich die Tiere vorwagen. Das führt dazu, dass vor allem mutige, wenig scheue und oft auch aggressivere Tiere die Städte erobern. Das haben Forscher:innen aus den USA und Kanada in einer aktuellen Studie herausgefunden. Sie haben 80 Studien aus 28 Ländern ausgewertet, in denen 133 verschiedene Tierarten untersucht wurden. Die meisten Studien beschäftigten sich mit Vögeln, aber auch Reptilien, Insekten und Amphibien waren in geringem Umfang Thema.
Die Forscher:innen um Hauptautorin Tracy Burkhard vom Lewis & Clark College fanden bei der Auswertung eine eindeutige Tendenz: Die Städte verändern das natürliche Verhalten der Tiere eindeutig. Am deutlichsten ist, dass sie risikofreudiger werden. Die Stadttaube traut sich demnach mehr als die Waldtaube, die Stadtmöwe ist dreister als eine aus kaum besiedelten Gebieten. Wildtiere kommen uns in Städten also oft näher als uns lieb ist, lassen sich schlechter vertreiben und reagieren auch eher mal aggressiv. Das ist auch für den Menschen schlecht. Die Forschenden empfehlen darum, das auch bei der Städteplanung stärker zu berücksichtigen. Statt kleiner grüner Inseln könnten zusammenhängende Grünflächen dazu führen, dass die Tiere sich seltener an unsere Kaffeetafel im Café verirren.
Während wir uns an die Taube an der Straßenbahnhaltestelle und die Maus im Hausflur schon gewöhnt haben, dürfte der Gleichmut verschwinden, wenn sich plötzlich gar nicht scheue Wildschweine oder Giftschlangen in unseren Siedlungen breit machen. Ein zu enger Kontakt ist für beide Seiten schlecht. Umso wichtiger ist es, dafür zu sorgen, dass Tiere genug natürlichen Lebensraum haben und sich nicht auf unseren Balkonen doer Terrassen einqartieren müssen.
Quelle
Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 26. Mai 2026