Musik macht gemischte Gefühle

Eine neue Studie der Universität Jyväskylä zeigt, dass unsere Beziehung zur Musik komplexer und nuancierter ist, als wir denken

Die meisten Menschen glauben, dass traurige Musik uns traurig und fröhliche Musik uns glücklich macht. Dabei beschreiben viele oft, dass ihre Gefühle eigentlich viel komplexer sind. Dennoch verlangen viele umfragebasierte Studien, dass die Befragten nur eine einzige empfundene Emotion auswählen. Dies veranlasste die Forscherinnen Margarida Baltazar, Iballa Burunat und Suvi Saarikallio vom Centre of Excellence in Music, Mind, Body and Brain zu der Frage: Wie häufig kommt es vor, dass man beim Musikhören sowohl positive Emotionen (wie Liebe, Glück und Entspannung) als auch negative Emotionen (wie Traurigkeit, Schmerz und Einsamkeit) empfindet?

„Wir wollten ein umfassenderes Bild von den Erfahrungen der Menschen mit Musik gewinnen“, erklärt Baltazar. „Dazu mussten wir berücksichtigen, dass aussagekräftige Lieder sowohl positive als auch negative Emotionen hervorrufen können. Es war außerdem wichtig, Teilnehmer:innen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund einzubeziehen und Persönlichkeitsmerkmale, die Art der Musiknutzung sowie die kulturelle Orientierung zu berücksichtigen, damit wir besser verstehen konnten, wann gemischte Emotionen eher auftreten.“

Die Forscher:innen sammelten einen umfangreichen Datensatz von 2.137 Teilnehmer:innen aus 84 Ländern. Jede Person nannte ein Lied, das für sie persönlich wichtig war, und bewertete, wie stark sie die jeweiligen Emotionen beim Anhören empfand. Die Teilnehmer:innen gaben außerdem an, wie oft sie Musik für verschiedene Zwecke nutzten, beispielsweise um in Erinnerungen an die Vergangenheit zu schwelgen, ihre Identität zu formen und ihre Emotionen zu regulieren (zum Beispiel, um schlechte Laune zu bewältigen oder mit Stress umzugehen).

Hörgewohnheiten beeinflussen unsere Emotionen

Die Ergebnisse zeigten, dass die Art und Weise, wie Menschen Musik nutzen, beinflusste, ob gemischte Gefühle ausgelöst wurden oder nicht. Lieder, die hauptsächlich gehört wurden, um Gefühle hervorzurufen, sie zu erleben und die eigene Identität auszudrücken, lösten tendenziell mehr gemischte Emotionen aus. Dagegen riefen Songs, die nur zum Ausgleich und zur Ablenkung genutzt wurden, tendenziell weniger gemischte Emotionen hervor.

Komplexere Emotionen traten zudem häufiger bei jüngeren Menschen auf, bei Personen, die dazu neigen, starke und wechselnde Emotionen zu erleben, sowie bei Personen, die Spontaneität und Flexibilität bevorzugen. Sie traten auch häufiger bei jenen auf, denen Unabhängigkeit, Ziele und Erfolge wichtig sind und die gleichzeitig Unterschiede in Status und Erfolg akzeptieren.

Wenn also Menschen Musik eher dazu nutzen, um ihre Identität auszudrücken, persönliche Erinnerungen wachzurufen und die Emotionen in der der Musik voll und ganz zu erleben, führt das wiederum zu reichhaltigeren und komplexeren emotionalen Erfahrungen, schlussfolgert Baltazar.

Insgesamt verdeutlicht die Studie, wie individuelle Unterschiede wie Alter, Persönlichkeit und kulturelle Prägung musikalische Emotionen beeinflussen, und dass Lieder, die uns am Herzen liegen, tendenziell komplexere Emotionen hervorrufen. Das zeigt, wie nuanciert unsere Beziehung zur Musik sein kann.

„Zukünftige Studien könnten untersuchen, wie verschiedene musikalische Merkmale wie Liedtexte, persönliche Erinnerungen, Tonart, Klangfarbe und andere akustische Merkmale mit unterschiedlichen Emotionen zusammenhängen, die dazu führen, dass sich eine Person beispielsweise gleichzeitig glücklich und nostalgisch fühlt“, so Baltazar.

Die neue Studie ist nun online in der Fachzeitschrift „Research in Personality“ verfügbar.

Quelle

Was denkst du darüber?

Autorin / Autor: Redaktion  / Pressemitteilung - Stand: 22. Juni 2026