Mit Wut und Angst zum Wahlsieg?

Studie: Trumps Wahlsieg war auch ein Ergebnis emotionaler Resonanz

Angst und Wut sind keine guten Berater für eine Wahl

Warum wurde Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt? Warum haben die Menschen für den Brexit abgestimmt? Viele waren überzeugt: hier waren mehr Emotionen im Spiel als Fakten. Die Wissenschaftlerin Dr. Katharina Bernecker des Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM) hat diese Vermutung nun wissenschaftlich untermauert. In ihrer Studie verknüpfte sie die Wahlergebnisse der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten mit Tweets auf Twitter. Dazu nutzte sie einen bestehenden Datensatz von 148 Millionen zufällig ausgewählter Tweets aus knapp 1.350 US-Landkreisen (Counties). Diese wurden im Zuge einer früheren Studie mit Hilfe von Sprachanalysesoftware in vier Emotionskategorien eingeteilt: Ärger, Angst, allgemein negative und positive Emotionen. Den Emotionen der Tweets stellte die Forscherin anschließend die Wahlergebnisse der jeweiligen Landkreise gegenüber.

Politik als Spiegel der eigenen Gefühle
Dabei zeigt sich: Trump wurde stärker in den Landkreisen unterstützt, in denen mehr Ärger und negative Emotionen getweetet wurden und zwar unabhängig von sozialen Faktoren wie Bildung und sozioökonomischer Status. Ärger und negative Emotionen waren aber auch die Basis von Trumps Wahlkampf. Das Ergebnis führt Katharina Bernecker darum auf das Prinzip der emotionalen Resonanz zurück: Wählerinnen und Wähler werden von politischen Appellen angezogen, die ihrem emotionalen Zustand entsprechen. Trump benutzte in seiner Kampagne mehr Wut und negative Emotionswörter als etwa Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, wie ein Vergleich der Studie zwischen den verschiedenen Wahlkampfreden deutlich macht. „Die Ergebnisse liefern einen weiteren Hinweis dafür, dass Wählerinnen und Wähler sich manipulieren lassen, indem man versucht, ihre Stimmung aufzugreifen anstatt sie mit rationalen Argumenten zu überzeugen“, so die Psychologin.

Die Forscherin ist überzeugt, dass Trumps Wahl nicht das einzige Ergebnis einer Emotionalisierung der Politik ist. Politische Diskussionen würden dabei in den sozialen Medien ausgetragen, emotionalisiert und gelenkt: Algorithmen und Echokammern, in denen gleichgesinnte User nur eine einzige richtige Sichtweise vertreten und gegensätzliche abwerten, beeinflussten die Meinungsbildung auf Twitter, Facebook & Co. Die Wissenschaft müsse darum stärker den Fokus auf solche emotionalen Prozesse in den sozialen Netzwerken legen.

Bevor ihr also das nächste Mal an die Wahlurne schreitet, überlegt euch genau, ob eure Entscheidung auf sachlichen Argumenten beruht oder darauf, dass bestimmte Politiker_innen es so hervorragend verstehen, eure Wut, eure Ängste und Sorgen aufzugreifen und in politische Appelle zu übersetzen. Vielleicht überdenkt ihr das Ganze dann noch einmal und haltet euch vor Augen, dass Angst und Wut keine guten Berater sind.

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 13. Mai 2019
 
 
 

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