Menschenrechte und Supermärkte

Oxfams Supermarkt-Check zeigt: Menschenrechte spielen für Edeka, Rewe, Aldi und Co. weiterhin eine Nebenrolle

Bereits zum dritten Mal analysiert die Menschenrechtsorganisation Oxfam in ihrem Supermarkt-Check die Geschäftspolitik von 16 Supermärkten in Deutschland, Großbritannien, den USA und den Niederlanden in Bezug auf ihren Umgang mit Menschenrechten. Dabei nimmt sie Themen wie  Transparenz, Arbeitnehmerrechte, Kleinbäuer_innen und Frauenrechte unter die Lupe. Das diesjährige Ergebnis: Lidl, Rewe und Aldi haben sich zwar verbessert, doch noch immer erreicht kein deutscher Supermarkt mehr als ein Drittel der möglichen Punkte. „Was uns Corona-Ausbrüche in deutschen Schlachtbetrieben vor Augen führen, ist auch in den internationalen Lieferketten menschenunwürdige Realität mit bitteren Folgen: Konzerne tun zu wenig dagegen, dass die Menschen, die das Essen in den Supermarktregalen herstellen, ausgebeutet werden“, sagt Franziska Humbert, Oxfam-Expertin für Wirtschaft und Menschenrechte.

Billigpreise und Hungerlöhne
Die Folgen: Die Menschen, die für unsere vollen Einkaufsregale sorgen, erhalten selbst Hungerlöhne, die nicht zum Leben reichen. Oxfam analysiert im Supermarkt-Check unter anderem, ob die Auswahl der Lieferanten auch nach menschenwürdigen Arbeitsbedingungen getroffen wird oder ausschließlich der niedrige Preis ausschlaggebend ist. Hier kann bisher keines der untersuchten Unternehmen punkten. Für den Preiskampf der Supermärkte zahlen so am Ende die Arbeiter_innen in den globalen Lieferketten: Oxfam hat in diversen Fallstudien nachgewiesen, dass die Menschen, die Lebensmittel für deutsche Supermärkte anbauen, dafür mit Hungerlöhnen abgespeist werden. Im indischen Assam hat mehr als die Hälfte der von Oxfam 2019 befragten Arbeiter_innen auf Teeplantagen nicht genug zu essen.
Schlusslicht unter den deutschen Ketten bleibe Edeka, so der Bericht. Wie im vergangenen Jahr liege das Unternehmen mit mageren drei Prozent auf dem letzten Platz im Supermarkt-Check - und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch international. Oxfam klagt Edeka an, als einziger deutscher Supermarkt im Check eine Vereinbarung nicht unterzeichnet zu haben, in seinen globalen Lieferketten für existenzsichernde Löhne zu sorgen. Auch zur Einrichtung der Position eines Menschenrechtsbeauftragten habe das Unternehmen sich nicht durchringen können. 

Positive Veränderungen, aber kein Wendepunkt
Laut Supermarkt-Check hat Lidl sich innerhalb der drei Jahre von neun auf 32 Prozent der Gesamtpunktzahl gesteigert. Das liegt unter anderem daran, dass das Unternehmen mittlerweile einen Großteil seiner direkten Zulieferer publik macht. Dies sei ein Meilenstein, behaupteten doch viele Unternehmen bisher, dass es nahezu unmöglich sei, Transparenz über globale Lieferketten herzustellen. „Dieser Schritt von Lidl zeigt: Supermärkte können – wenn sie denn wollen“, sagt Franziska Humbert. Auch Rewe, Aldi Süd und Aldi Nord hätten ihre Menschenrechtspolitik verbessert. Mit 25 und 18 Prozent erhalten alle drei jedoch höchstens ein Viertel der möglichen Punkte im Supermarkt-Check. „Das Zwischenfazit lautet damit: Veränderungen ja, Wendepunkt nein. Die Supermärkte müssen dringend ihre Preispolitik gegenüber Zulieferern ändern, damit diese auch Löhne zahlen können, die für den Lebensunterhalt ausreichen“, so Humbert.

Britische Supermarktketten besser aufgestellt
Vorreiter im Supermarkt-Check bleiben die britischen Supermarktketten Tesco und Sainsbury’s. Sie richten ihre Geschäftspolitiken schon länger an Menschenrechten aus. In Peru hat beispielsweise jeder von Tescos Zulieferern mittlerweile eine Arbeitnehmervertretung, die Menschen können sich dadurch selbst gegen Ausbeutung zur Wehr setzen.

Deutsches Lieferkettengesetz dringend nötig
Dass die britischen Konzerne vergleichsweise gut abschneiden, liegt laut Oxfam daran, dass es in Großbritannien ein Gesetz gegen Sklaverei gibt, das Supermärkte dazu verpflichtet über ihre Menschenrechtspolitik zu berichten. Dass deutsche Supermärkte im Vergleich deutlich schlechter dastehen und Edeka sich schlicht weigere, irgendwelche Fortschritte zu machen, zeige, wie dringend eine gesetzliche Regelung in Deutschland ist. „Es kann nicht sein, dass es vom Gutdünken der Unternehmen abhängt, ob sie die Menschen schützen, die unser Essen produzieren. Wir brauchen schnellstmöglich ein Lieferkettengesetz, das Supermärkte dazu verpflichtet, die Menschenrechte in ihren Lieferketten zu achten“, fordert Humbert.

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