Mehrweganteil sinkt und sinkt

Umweltbundesamt: Umweltbelastungen und Abfälle sollte durch gut funktionierende Mehrwegsysteme vermieden werden

Es ist irgendwie verrückt. Überall wird von Plastikbergen berichtet, von der nie dagewesenen Umweltzerstörung, vom Klimawandel, dass wir etwas tun müssen, dass man Plastiktüten und Dieselautos verbieten sollte, von der Verantwortung der Politik und der Verbraucher_innen. Und es wird auch darüber geredet, wie schwer es manchmal ist, sich nachhaltig zu verhalten, seine Gewohnheiten zu ändern und Dinge anders zu machen als man sie immer gemacht hat. Komisch, dass dann Dinge, die eigentlich schon ewig auf eine nachhaltige Weise gemacht wurden, sich ganz leicht zum Schlechten ändern lassen. Deutschland hat ein einzigartiges Mehweg-Pfandsystem etabliert. Schon unsere Eltern und Großeltern haben aus Flaschen getrunken, die sich in ihrem Aussehen bis heute gehalten haben und die, weil viele Getränkehersteller sie verwenden, überall abgegeben und wieder aufgefüllt werden können. Dieses eigentlich sehr nachhaltige System geht nun immer weiter zurück und wird durch Einwegflaschen und Getränkekartons ersetzt. Im Jahr 2017 wurden nur noch rund 42 Prozent der Getränke in Mehrwegflaschen abgefüllt. Der Anteil von Mehrwegflaschen lag damit 0,5 Prozentpunkte unter dem Wert des Jahres 2016.

Supermärkte sollten möglichst viele Getränke in Mehrwegflaschen anbieten
Das zeigt die neueste Auswertung der Getränkeabfüllung in Deutschland des Umweltbundesamtes (UBA). Damit liegt der Mehrweganteil nach wie vor deutlich unter dem im Verpackungsgesetz vorgegebenen Ziel von 70 Prozent. Maria Krautzberger, Präsidentin des UBA: „Kurze Transportwege und Mehrwegverpackungen sind wichtig, um Umweltbelastungen und Abfälle zu vermeiden. Dafür brauchen wir gut funktionierende Mehrwegsysteme. Alle Supermärkte und Verkaufsstellen von Getränken sollten möglichst viele Getränke in Mehrwegflaschen anbieten und so dazu beitragen, weniger Abfälle zu erzeugen.“ Die Deutsche Umwelthilfe hat beispielsweise berechnet, dass eine Mineralwasser Glas-Mehrwegflasche (0,7 Liter), die 50 Mal wiederbefüllt wird, 23 Einwegflaschen aus Plastik (1,5 Liter) ersetzt.

Einwegkunsstoffflaschen haben die Nase vorn
Die meisten Getränke werden jedoch mittlerweile in Einwegkunststoffflaschen abgefüllt: Der Marktanteil liegt bei etwa 52 Prozent. Dosen erreichten einen Marktanteil von circa 4 Prozent. Getränkekartons und Standbodenbeutel haben einen Anteil von etwa 1,5 Prozent. Einwegglasflaschen liegen in den pfandpflichtigen Getränkesegmenten bei deutlich unter einem Prozent.

Eine Ausnahme bei den geringen Mehrweganteilen bildet allein Bier, wo der Mehrweganteil bis heute noch bei knapp 82 Prozent liegt ist. Doch auch hier wird öfter zur Einwegflasche gegriffen: 2010 lag der Mehrweganteil noch bei gut 88 Prozent.

Was ihr tun könnt
Vor allem Discounter lassen den Verbraucher_innen häufig keine Wahl, hier gibt es oft nur Einwegplastik im Angebot. Mehrweg wird aber umso effizienter, je mehr Handelsunternehmen es anbieten. Ihr könntet also versuchen, eure Getränke in Geschäften zu kaufen, die Mehrweg anbieten oder aber euren bevorzugten Laden immer wieder mit der Frage nach Mehrweg nerven. Schließlich argumentieren Händler_innen ja gerne damit, dass "der Kunde das so will". Besonders empfehlenswerte Mehrwegflaschen sind übrigens sogenannte Poolflaschen. Das sind die berühmte Perlenglasflasche oder auch die ganz normale Bierflasche, die von mehreren Herstellern verwendet werden. Total coole, individuelle Flaschen mit verrückten Formen und aufwändigem Embossing (also eine Relief auf der Flasche z.B. mit dem Firnmennamen) sind aus ökologischer Sicht weniger sinnvoll. Denn sie können nicht von allen Abfüllern genutzt werden und müssen weitere Wege auf sich nehmen.

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 23. September 2019
 
 
 
 

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