Mathe- oder Sprachtyp? Beides!
Studie: Das Selbstbild beeinflusst, welche Berufswege Jugendliche in Betracht ziehen. Zum Glück lässt sich das Selbstbild auch verändern.
Seid ihr eher so ein "Sprachtyp"? Oder mehr der "Mathetyp"? Und habt ihr das schon zu Schulzeiten festgestellt? Schlecht für euch. Denn diese Einschätzung ist nicht nur oft falsch, sondern sorgt auch dafür, dass es so bleibt.
Forscher:innen der Universität Bielefeld haben herausgefunden, dass Selbsteinschätzungen als Sprach- oder Mathetyp oft auf Vergleichen mit Mitschüler:innen und aufgrund von minimalen und temporären Leistungsunterschieden beruhen. Wer sich in Sprachen stärker erlebt als in Mathe, hält sich schnell für einen „Sprach-Typ“. Schlechtere Leistungen in Mathe im Vergleich zu Deutsch können umgekehrt dazu führen, dass Schüler*innen ihre Mathe-Fähigkeiten dauerhaft unterschätzen. „Schon kleine Unterschiede in Leistungen können dazu führen, dass Jugendliche sich selbst dauerhaft bestimmten Typen zuordnen“, sagt Wolff.
Diese Selbsteinschätzungen beeinflussen nicht nur wie motiviert die Schüler:innen im Unterricht sind, sondern auch welche Bildungswege und Berufe sie anstreben. „Viele Jugendliche ziehen bestimmte Wege für sich gar nicht erst in Betracht, weil sie glauben, dafür nicht geeignet zu sein“, sagt Professor Dr. Fabian Wolff von der Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft der Universität Bielefeld.
Fähigkeiten können sich verändern!
In ihrer Untersuchung konnten die Wissenschaftler:innen aber auch zeigen, dass sich diese Selbsteinschätzung verändern lässt. Sie entwickelten eine kurze Unterrichtseinheit für die Klassen 9 bis 11. In rund 90 Minuten lernten Schüler:innen, welche Rolle Vergleiche bei der Einschätzung der eigenen Fähigkeiten spielen und wie sie solche Zuschreibungen hinterfragen können. Drei Botschaften standen dabei im Mittelpunkt: Fähigkeiten in Mathe und Sprachen schließen sich nicht gegenseitig aus, Fähigkeiten können sich verändern und Lernstrategien aus einem Fach lassen sich oft auch auf andere Bereiche übertragen.
An der Langzeitstudie nahmen rund 600 Schüler:innen aus zehn Schulen teil. Besonders das mathematische Selbstbild verbesserte sich deutlich. Die positiven Effekte waren auch sechs Monate später noch messbar. Auch in Englisch zeigten sich positive Veränderungen, wenn auch weniger konsistent.
Wer erlebt, dass sich Fähigkeiten verändern, traut sich mehr zu
Die Ergebnisse zeigen nach Einschätzung der Forschenden, dass Selbstbilder neben Leistungen und Noten auch dadurch entstehen, welche Überzeugungen Schüler:innen in Bezug auf Fähigkeiten haben. „Wenn Jugendliche glauben, Fähigkeiten seien unveränderlich, verlieren sie nach Misserfolgen schnell die Motivation“, sagt Wolff. „Erleben sie dagegen, dass Fähigkeiten sich entwickeln können, trauen sie sich häufig mehr zu und investieren mehr Zeit, um ihre Fähigkeiten auszubauen.“
Auch wenn ihr nicht in den Genuss eines solchen Programms kommt oder die Schule schon hinter euch gelassen habt, hilft es vielleicht trotzdem euch vor Augen zu halten, dass das Selbstbild eine wichtige Rolle spielt, dass (vermeintliche) Schwächen in einem Bereich nicht in Stein gemeißelt sind und Vergleiche oft zu einer Unterschätzung der eigenen Fähigkeiten führen.
Quelle
Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 12. Juni 2026