Gemeinschaft und Giveaways
Miriam hat sich für LizzyNet auf der Leipziger Buchmesse 2026 umgesehen. Dort hat sie eine Überzahl von New Adult Fans und Konsumlust erlebt, aber auch, dass Lesen kein einzelgängerisches Hobby sein muss
Bild: Miriam W. Leipziger Buchmesse 2026
Vom 19. bis 23. März öffnete die Leipziger Messe ihre Tore für Buchfans aller Genres. Wobei man sagen kann, dass New Adult Fans stark in der Überzahl waren und wohl ausgiebig zum neuen Besucherrekord von über 300.000 Gästen beigetragen haben dürften.
Wieder einmal waren es die großen Publikumsverlage, die mit etlichen Fotospots Bookfluencer zum Posieren anlockten und den größten Andrang verzeichneten. Pünktlich zum Gong um 9:45 Uhr stürzte die Menge los, um sich Plätze an den beliebtesten Ständen zu sichern, bei denen sich im Verlauf Warteschlangen quer durch die gesamte Messehalle bildeten.



Hinzu kamen exklusive Messeangebote- und Artikel, die bisweilen zu Tränen führten, wenn sie bereits vergriffen waren. Ist Herzschmerz aufgrund eines ausverkauften 10 cm Acrylaufstellers mit Character Art vor dem Hintergrund globaler Krisen beruhigend, da er von naiver Unbescholtenheit und Freude an den kleinen Dingen des Lebens zeugt, oder eher verstörend? War dies ein Tropfen, der das Fass im vielleicht beschwerlichen Leben einer mir unbekannten Person zum Überlaufen gebracht hat, oder einfach ein Ausdruck unbefriedigter Konsumlust?
Generell entwickelte sich eine ansteckende Euphorie, möglichst viel zu sehen, möglichst viel wortwörtlich mitzunehmen, selbst wenn es am Ende in der Altpapiertonne landet -oder aber teuer weiterverkauft wird.
Dennoch zeigte sich ein starkes Gemeinschaftsgefühl, in großen wie in kleinen Gesten. Fremde, die einander die Frisur richteten und die Messebeute bewachten, während für Fotos in Badewannen geklettert wurde, das Feiern von Jungautorinnen, die als langjährige Leserinnen nun selber ein Buch veröffentlichten sowie generell eine große Menschenmenge, die friedlich zusammenkam und trotz manchem Unverständnis für die jeweiligen Lesegeschmäcker in der Liebe für das geschriebene Wort geeint war. Der gelebte Beweis, dass Lesen kein einzelgängerisches Hobby sein muss, sondern genauso gut ein Gemeinschaftserlebnis sein kann.
Ging dabei ein wenig unter, dass das erklärte Fokusthema dieser Buchmesse eigentlich der Donauraum war? In Anbetracht vieler am Sonntag Vormittag bereits verwaister oder im Abbau befindlicher Stände hatte es durchaus den Anschein. Man musste sich schon anstrengen, um abseits des Messegeländes in der Leipziger Innenstadt Veranstaltungen mit diesem Motto ausfindig zu machen. Aber wie jedes Jahr lohnte sich die Mühe, über den Tellerrand hinauszublicken und andere Kulturen aus einer literarischen Perspektive kennenzulernen, selbst wenn man der Muttersprache nicht mächtig ist.
Hiermit also der abschließende Appell an LeserInnen dieses Artikels: Kommt nach Leipzig und fahrt raus zur Messe, zeigt hier, dass Diversität und Liberalität in Ostdeutschland zu finden sind. Entlockt den Einheimischen in den überfüllten Bahnen Richtung Messe mit euren bunten Kostümen und eurem Enthusiasmus ein Lächeln. Aber kommt bitte auch gerne in die Stadt, seht euch mit weit geöffneten Augen um und lasst euch abseits der von Social Media vorgezeichneten Pfade inspirieren. Es lohnt sich.
Autorin / Autor: Miriam W. - Stand: 30. März 2026