Leicht verständlich gefällt besser
Studie: Testpersonen gefielen KI-Kurzgeschichten besser als die von Menschen - vor allem, wenn sie dachten, sie kämen von Menschen.
Nachwuchsautor:innen sollten jetzt besser weglesen! Denn eine aktuelle Studie von Forschenden der Villanova University (USA) hat traurige Nachrichten für alle, die vorhatten, sich KI-frei schriftstellerisch zu betätigen: Menschen tun sich nicht nur schwer, zu erkennen, ob ein Text von einer KI oder einem Menschen verfasst wurde, ihnen gefallen Texte von KIs auch oft besser, vor allem, wenn sie den/die Verfasser:in für menschlich halten.
Die Hoffnung, dass der menschliche Funke aus dem Text von Autor:innen aus Fleisch und Blut auf die Leser:innen überspringt, scheint sich leider nicht zu erfüllen.
Im Rahmen der Studie wurden erwachsene Teilnehmer im Alter von 18 bis 81 Jahren getestet. Sie sollte KI- und menschgemachte Texte erkennen und bewerten. Die Forscher:innen verwendeten dafür drei Kurzgeschichten, die von menschlichen Autor:innen verfasst und in einer Literaturzeitschrift oder Kurzgeschichtensammlung veröffentlicht worden waren, sowie drei entsprechende Kurzgeschichten, die von ChatGPT1 generiert worden waren.
Im ersten Experiment wurden 1.682 Teilnehmer gebeten, eine Geschichte zu lesen, und erhielten entweder die richtige oder die falsche Information, dass sie von einem Menschen oder einer KI verfasst worden sei. Anschließend bewerteten sie die Qualität der Geschichte und wie fesselnd sie diese fanden.
Im zweiten und dritten Experiment erhielten die Teilnehmer (424 bzw. 481) jeweils eine von einem Menschen verfasste und eine von einer KI generierte Geschichte, ohne jedoch über die Herkunft der Geschichten informiert zu werden. Nach dem Lesen sollten sie angeben, wer die Geschichte verfasst hatte - ein Mensch oder ein Bot. Es wurden außerdem Nutzungsgewohnheiten, KI-Erfahrung und Literaturkenntnisse abgefragt.
Heraus kam:
- KI-generierte Geschichten erhielten höhere Bewertungen hinsichtlich der Qualität (also, wie gut die Geschichten geschrieben waren) und der Faszination (wie sehr der/die Leser:in in die Geschichte eintauchte) als von Menschen verfasste Geschichten.
- KI-generierte Geschichten wurden sogar noch höher bewertet, wenn die Teilnehmenden glaubten, sie seien von einem Menschen verfasst worden.
- Die Fähigkeit der Teilnehmenden, KI-generierte Inhalte zu identifizieren, lag in Experiment zwei bei nur 39,93 % (weniger als der Zufall) und in Experiment drei bei 51,97 % (kein Unterschied zum Zufall).
KI-Kompetenz hilft (ein bisschen)
Die allerbesten Wertungen gingen an KI-Geschichten, die angeblich von einem Menschen stammten. Warum? Dr. Deena Weisberg, leitende Autorin der Studie, vernutet dahinter eine Voreingenommenheit:
„Wir gehen davon aus, dass kreatives Schreiben einzigartige menschliche Eigenschaften erfordert, wie emotionales Verständnis und gelebte Erfahrung, was dazu führt, dass Menschen die Fähigkeiten der KI unterschätzen. Ich würde sagen, dass die allgemeinen Annahmen über die Fähigkeiten der KI zunehmend überholt sind.“
Wäre nicht auch denkbar, dass Menschen Texte von Menschen besonders gut finden wollen und allein darum Extrapunkte verteilen, wenn der Text angeblich menschlichen Ursprungs ist? Allein schon, um sich zu vergewissern, dass der Mensch noch einen (Mehr)Wert hat und der eigene Geschmack sich nicht an einem statistischen Mittelwert orientiert? Wir werden es aus dieser Studie nicht erfahren ;-).
Die Forschenden stellten außerdem fest, dass Testpersonen mit einer größeren KI-Kompetenz, eher in der Lage waren, von KI verfasste Texte zu identifizieren. Wer sich hingegen gut mit Literatur auskannte, konnte hier nicht punkten. Weisberg vermutet, dass KI-erfahrene Menschen typische Muster und Satzstrukturen von künstlich erstellten Texte leichter ausfindig machen. Möglicherweise könnte KI-Kompetenz also helfen, künstlich erstellte Texte zu erkennen.
Klarer, leichter, direkter
Die Studie bestätigt frühere Forschungsergebnisse, die gezeigt haben, dass Menschen KI-generierte Texte in verschiedenen Formaten – darunter Kurzgeschichten, Gedichte und Essays – oft bevorzugen.
Eine der Gründe könnte der Forscherin zufolge sein, dass KI-Texte unserem Gehirn weniger Mühe machen: „KI-Texte sind in der Regel klarer, direkter und leichter zu verarbeiten. Im Gegensatz dazu sind von Menschen verfasste Geschichten oft subtiler und komplexer." In den KI-generierten Kurzgeschichten wurde beispielsweise das Thema der Geschichte oft explizit genannt.
Die Forscherin glaubt aber nicht, dass die Vorliebe für einfache Geschichten in der allgemein viel diskutierten Lese- und Schreibkrise liegt und der immer kürzer werdenden Aufmerksamkeitsspanne: „Vielleicht bevorzugen die Menschen generell Vorhersehbarkeit, weil schwierige oder subtile Inhalte mehr geistige Anstrengung erfordern.“
Hat Schreiben eine Zukunft?
Als angehende Schriftsteller:innen zweifelt ihr jetzt vielleicht daran, ob Schreiben als Beruf noch eine Zukunft hat? Zu Recht! Aber ihr müsst der künstlichen Konkurrenz auf keinen Fall das Feld freiwillig überlassen. Schließlich geht es bei Literatur ja nicht hauptsächlich darum, zu gefallen und leicht verständlich und dabei im Stil von "XY" zu schreiben. Literatur darf und soll auch verstören, anecken oder mal seltsam klingen.
Wenn ihr bei unserem Wettbewerb echt? jetzt! teilnehmen wollt, wünschen wir uns darum ausdrücklich (und nur) Texte von echten Menschen - gerne nicht einfach und leicht verstehbar, dafür aber mit Ecken und Kanten, echten Gefühlen und lebendigen Erfahrungen. Auch unsere Jury wird nicht immer erkennen können, wenn sich ein KI-Beitrag darunter gemogelt hat. Aber wir bauen einfach darauf, dass ihr in einem Literaturwettbewerb nur für etwas belohnt werden wollt, das wirklich aus eurer Feder geflossen ist und mit Herzblut geschrieben wurde.
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Autorin / Autor: Pressemitteilung / Redaktion - Stand: 7. August 2026