Küsschen, Küsschen

Am 6. Juli ist der Tag des Kusses - in diesem Jahr wird er wohl eher symbolisch gefeiert

Am 6. Juli ist der Internationale Tag des Kusses. Eine schwierige Angelegenheit in Zeiten von Corona, Mundschutz und Social Distancing, zumindest wenn man diesen Tag mit spontanen Küssen an noch nicht Geliebten feiern wollte. Glücklicherweise gibt es Küsschen ja auch virtuell, symbolisch und durch die Luft, somit steht einer Ehrung des innigen Lippenbekenntnisses nicht wirklich etwas im Wege.

Angeblich wurde der Tag des Kusses Anfang der 90iger Jahre in Großbritannien eingeführt - als liebevoller Protest gegen die strengen Moralvorstellungen der Thatcher-Ära. Taditionell gibt es zum Internationalen Tag des Kusses nicht nur reichlich Küsschen, sondern auch immer jede Menge skurrile Fakten und Studien rund ums Küssen. Küssen ist in vielen Kulturen der Welt verbreitet und hat eine lange Geschichte, allerdings ist vor allem der romantische Kuss möglicherweise weit weniger verbreitet als immer behauptet wurde. Eine anthropologische Studie US-amerikanischer Forscher_innen fand nämlich keinerlei Beleg dafür, dass sexuell motiviertes Küssen wirklich universell ist. Nur 46% der untersuchten 146 verschiedenen Kulturen setzt auf den romantisch-sexuellen Kuss.

Füttern - der Ursprung des Küssens?
Trotzdem, ein kussähnliches Ritual ist in unterschiedlichen Variationen auch in der Tierwelt zu beobachten. So drücken beispielsweise Menschenaffen hin und wieder ihre Lippen aufeinander, wenn sie sich freuen oder gern haben. Vielleicht wollen sie sich aber auch nur gegenseitig Nahrung zuschustern? Das ist nämlich möglicherweise der eigentliche Ursprung des Küssens - die Weitergabe vorgekauten Nahrungsbreis an den Nachwuchs. Klingt nicht so romantisch? Ist ja auch nur eine These, die der britische Zoologe Desmond Morris in den 60iger Jahren aufgestellt hat und damit Freuds Theorie, dass Küssen eine Art lustvolle Fortsetzung des Stillens sei, in Frage stellte. Andere Forscher_innen wiederum meinen, das Küssen sei eine Art Schnüffeln. Mit dem aufrechten Gang konnten die Menschen nicht mehr an ihren Hinterteilen schnüffeln, darum nahmen sie dann mit dem Mund vorlieb.

Küssen ist gesund
Warum auch immer manche küssen und andere nicht, Küssen kann als Ausdruck von Zuneigung und Hingabe sicherlich nichts Schlechtes sein und verursacht definitiv intensive Gefühle. Dafür sorgt eine ungemein hohe Dichte an sensorischen Rezeptoren an Lippen und Zunge. Und: Küssen ist gesund. Es verbrennt nicht nur Kalorien (ein Zungenkuss ganze 12 Kilokalorien), sondern hilft beim Stressabbau, indem es die Entstehung von Stresshormonen bremst, es regt die Speichelbildung an (gut gegen Karies!) und sorgt für einen umfangreichen Bakterienaustausch, der das Immunsystem anregt. Rund 80 Millionen Bakterien sollen bei einem 10 sekündigen Kuss den Besitzer wechseln. Küssen wirkt angeblich sogar gegen Schluckauf und lindert Schmerzen.

Küssen erzeugt Nähe
Viel wichtiger als der gesundheitliche Effekt ist beim Küssen natürlich die Botschaft und die sollte am Internationalen Tag des Kusses im Vordergrund stehen. Es dient schließlich nicht nur Fortpflanzungszwecken und der Überprüfung des "genetischen Materials", sondern erzeugt vor allen Dingen Nähe, denn Küssen bedeutet Vertrauen und die Bereitschaft, sich anderen Menschen zu öffnen. Für das Zusammenleben essentielle Eigenschaften, die in einer Zeit, wo Menschen (und Länder) sich voneinander abschotten und sich stattdessen fiese Botschaften über soziale Netzwerke schicken, gar nicht genug gewürdigt werden können. Der Kuss ist eben auch ein Symbol der Liebe, der Freundschaft und des Friedens.

In diesem Jahr muss es genügen, Küsschen virtuell oder symbolisch zu verteilen. Wenn ihr die ganze Welt am liebsten küssern wollt, dann malt euch am Welttag des Kusses einfach einen Kussmund auf euren Mudnschutz. ;-)

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Quelle:

Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 6. Juli 2020