Kooperation ist global

Die meisten Menschen halten viel von Zusammenarbeit – und unterschätzen die Kooperationsbereitschaft anderer, laut Studie eines Bonn-Frankfurter Forschungs-Teams

Menschen auf der ganzen Welt sind kooperativer, als wir glauben. Das zeigt eine neue Studie der Unis Bonn und Frankfurt.
In der  Studie "Homo cooperans: Understanding the nature of human cooperation" entschieden sich 69 Prozent der Studienteilnehmer:innen für Kooperation. Zugleich zeigt die Untersuchung, dass Menschen die Kooperationsbereitschaft anderer systematisch unterschätzen.
Zusammenarbeit ist eine Grundvoraussetzung für gesellschaftliches Wohlergehen. Ob funktionierende Institutionen oder die Bereitstellung öffentliche Güter wie saubere Luft, öffentliche Sicherheit oder ein stabiles Klima – viele der größten Herausforderungen unserer Zeit lassen sich nur bewältigen, wenn Menschen bereit sind, über ihr Eigeninteresse hinaus zum Gemeinwohl beizutragen. Deshalb ist es entscheidend zu verstehen, warum Menschen bereit sind zu kooperieren. Die individuellen Faktoren, die zu Kooperation führen sind aber „bisher nicht ausreichend erforscht“, erklärt Prof. Dr. Armin Falk, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn.

Das Entscheidungsexperiment

Bei einem weltweit einheitlich durchgeführten Entscheidungsexperiment wurde jed:r Teilnehmer:in einer unbekannten Person aus dem eigenen Land zugeordnet. Es galt, sich für eine von zwei Möglichkeiten zu entscheiden: Die Option „Nicht kooperieren“ brachte einen sicheren Ertrag von 100 US-Dollar, die Option „Kooperieren“ hingegen nur einen Ertrag von 70 US-Dollar. Wenn sich jedoch beide Personen (unabhängig voneinander und ohne gemeinsame Beratung) für die Option Kooperation entschieden, wurde zusätzlich eine Spende von 400 US-Dollar zur Bekämpfung der Erderwärmung ausgelöst.
Dieses Untersuchungsdesign verursacht ein soziales Dilemma: es verlangt von den Studienteilnehmer:innen, sich zwischen einer höheren privaten Auszahlung einerseits und einer weniger ertragreichen, dafür aber gemeinschaftsorientierten Option zu entscheiden. Die Ergebnisse zeigen: Kooperation ist weltweit verbreitet. Eine klare Mehrheit der Menschen ist bereit, zugunsten eines gemeinsamen Gutes – dem Kampf gegen den Klimawandel – auf den eigenen Gewinn zu verzichten. Im globalen Durchschnitt entscheiden sich 69 Prozent für Kooperation.

Wer ist kooperativ?

Erklären lässt sich die Kooperationsbereitschaft durch individuelle Faktoren. Besonders wichtig sind Erwartungen darüber, wie kooperativ andere Menschen sind. Wer glaubt, dass andere ebenfalls kooperieren, kooperiert selbst auch deutlich häufiger. Daneben spielen soziale Normen und Vorlieben eine wichtige Rolle. Menschen, die uneigennütziger, geduldiger und risikobereiter sind, kooperieren häufiger. Zwischen Männern und Frauen und unterschiedlichen Altersgruppen haben die Forscher:innen dagegen keinen Unterschied entdecken können. Allerdings wirken sich höhere Bildungsabschlüsse positiv auf die Kooperationsentscheidung aus. Und auch kulturelle Unterschiede konnte das Forschungsteam erkennen, diese seien tief in historischen Kontexten verwurzelt. Kooperation, so zeigt sich, ist also kein rein individuelles Merkmal, sondern auch Ausdruck kultureller Prägung.

Pessimistische Fehlwahrnehmung

Schließlich zeigt die Studie, dass Menschen die Kooperationsbereitschaft ihrer Mitmenschen systematisch unterschätzen. Während die tatsächliche globale Kooperationsbereitschaft bei 69 Prozent liegt, erwarten nur 47 Prozent der Befragten, dass die anderen auch so seien. Diese pessimistische Fehlwahrnehmung ist universell und findet sich in 124 von 125 Ländern. In Deutschland ist sie besonders stark ausgeprägt. Während hier 86,0 Prozent der Teilnehmer:innen kooperieren, erwarten nur 47,6 Prozent, dass ihre Mitbürger:innen das auch tun würden.

Die Studie zeigt aber auch, dass sich Fehlwahrnehmungen korrigieren lassen: Ein einfaches Informations-Experiment reduzierte den Pessimismus und erhöhte die Kooperationsbereitschaft. Hierzu wurde ein zufällig ausgewählter Teil der Befragten darüber informiert, dass die Mehrheit der Weltbevölkerung Klimawandel als ernstes Problem begreift. Dieser Hinweis führte zu einem Anstieg in der Kooperation.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Grundlagen menschlicher Kooperation sind universell, aber ihre konkrete Ausprägung wird stark durch kulturelle Faktoren beeinflusst. Und: Wir sind als Spezies kooperativer, als wir selbst glauben. Diese Einsicht ist nicht nur wissenschaftlich relevant, sondern auch gesellschaftlich bedeutsam – denn sie zeigt, dass die Voraussetzungen für gemeinsames Handeln – vom Klimaschutz über die Bereitstellung öffentlicher Güter – in vielen Bereichen besser sind als häufig angenommen wird. Die Befragungen wurden mit über 100.000 Personen aus 125 repräsentativen Länderstichproben durchgeführt, die zusammen 92 Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung repräsentieren. Erschiene ist die Studie im renommierten Wissenschaftsjournal Science.

Quelle

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Autorin / Autor: Redaktion  / Pressemitteilung - Stand: 11. Juni 2026