Kompostierbar verpackt

Die Lust auf frisches Obst und Gemüse kann einem beim Anblick der Plastikberge im Supermarkt schon mal vergehen. Aber es geht auch anders: Statt auf Kunststoff und Pappe setzt das Unternehmen "Arekapak" auf die Blätter der Betelnusspalme (auch Arekapalme genannt) - ein Agrarnebenprodukt, dass die Nutzpflanze automatisch herstellt.

Obst in Verpackungen aus Blättern der Betelnusspalme © Arekapak

Auf die Idee für die kompostierbaren Verpackungen sind die beiden Gründerinnen, Nicole und Alexandra, in Indien gekommen. Dort haben sie im Rahmen ihres Studiums des Kommunikationsdesigns ein Auslandsemester verbracht und Verpackungen untersucht.
"Wie wird verpackt, welche Materialien kommen zu Einsatz? Wird in Indien auf die gleichen Wertstoffe zurückgegriffen wie in Deutschland, oder gibt es vielleicht noch andere Materialien, die genutzt werden?" Das waren die Fragen, die Nicole und Alexandra im Gepäck hatten.
Vor Ort haben die beiden festgestellt, dass vor allem Plastikverpackungen genutzt werden und das Müllsystem angesichts der Mengen kaum hinterherkommt. "Gleichzeitig konnten wir aber auch sehen, dass ganz viele Naturmaterialien noch traditionell verwendet werden. Um zu servieren, um zu verpacken, gerade im Streetfoodbereich. Das hat uns damals schon total fasziniert und mit diesem Gedanken sind wir zurückgekommen nach Deutschland", sagt Nicole.

Von der Idee zum Prototypen
Da die beiden sich besonders für dreidimensionales Design interessierten, war ruckzuck die Idee geboren, dass ihr Bachelorarbeitsprojekt sich um Verpackungen aus einem der wandelbaren Naturprodukte drehen sollte. Die Idee für eine Verpackung aus einem Teil der Arekapalme war (zumindest auf dem Papier) geboren.
Aus dem ursprünglichen Bachelorprojekt hat sich- nach diversen Nachfragen, wann das Produkt denn nun tatsächlich zum Einsatz käme - nach und nach Arekapak entwickelt. Nach einem Jahr ausgiebiger Recherche, in dem die beiden auch die Luft der freien Wirtschaft geschnuppert haben, entschieden sie sich, ein Unternehmen zu gründen. Mit Unterstützung des Berliner Start-Up Stipendiums haben Alexandra und Nicole ihre Entwürfe umgesetzt, aus der Designidee erste Prototypen eines echten Produkts entwickelt und 2019 schließlich Arekapak gegründet. 

Warum eigentlich alternative Verpackungen?
Auch wenn seit ihrem ersten Aufenthalt in Indien ein paar Jahre ins Land gegangen sind, ist das gesellschaftliche Interesse an alternativen Verpackungen nach wie vor groß, der Markt wird sogar tendenziell offener für natürliche, kompostierbare Verpackungen, Umweltgruppen schärfen unseren Blick auf die Müllproblematik immer stärker und prangern die Energieinsuffizienz von Plasitk an: Erledigt hat sich das Thema also auf keinen Fall.
Neben Arekapak gibt es auch andere Unternehmen, die die Bestandteile der Arekapalme nutzen. Die meisten haben sich auf Teller und Schüsseln spezialisiert, also auf Formen, die auch in dem Anbaugebiet der Arekapalme bereits weit verbreitet sind. Der Nutzen solchen Geschirrs ist nicht von der Hand zu weisen: Wer sich auf der Straße schnell eine Kleinigkeit zu essen holen will, kann die Schüsselchen danach einfach auf dem Kompost entsorgen.
Nach und nach werden aber auch andere Unternehmen gegründet, die Verpackungen aus dem holzartigen Material herstellen. Sorge macht das den jungen Unternehmerinnen nicht: "Der Markt ist ja groß genug", findet Nicole.


Daraus besteht die Verpackung
Arekapak stellt ihre Verpackungen aus einem Teil des Palmenschaftes her, der beim Anbau der Arekapalme ohnehin mitwächst und schließlich auf den Boden fällt. Es handelt sich also um ein sogenanntes Agrarabfallprodukt. Hinter diesem Begriff versteckt sich hier, dass die Betelnusspalme natürlich eigentlich nicht für die Blätter, sondern für die Früchte angepflanzt wird.
Nach dem Einsammeln des Rohstoffs müssen die blattähnlichen Palmenteile nur noch eingeweicht und in die richtige Form gebracht werden. Das holzartige, leichte Material eignet sich neben dem Einsatz als Geschirr für unterwegs, besonders für den Einkauf von trockenen Lebensmitteln. Auf Feuchtigkeit reagiert das Material auf Dauer nicht so gut, obwohl es von Natur aus leicht wasserabweisende Eigenschaften mitbringt. Aber Wasser und andere Flüssigkeiten verändern mit der Zeit die Form, an der die beiden Unternehmerinnen länger gefeilt haben. "Ecken und Kanten sind kniffelig. Bei den ersten Versuchen mussten wir noch sehr aufpassen, dass das Material nicht reißt", so Nicole. Obst und Gemüse machen sich aber auf jeden Fall gut in den ästhetischen Verpackungen. Und die Produkte von Arekapak eignen sich auch nach dem Transport zum Einfrieren, überstehen sogar einen Ausflug in den Ofen und lassen sich bei sorgfältiger Pflege auch über einen längeren Zeitraum hinweg nutzen. Für ein Pfandsystem eignet sich das raue Naturmaterial leider nicht, da eine komplette Reinigung durch die unebene Oberfläche nicht garantiert werden kann.
Als Boxen im Kühlschrank können die Verpackungen im eigenen Haushalt aber ein längeres Leben führen. Und wenn die Verpackung doch mal einen Riss hat oder der Küchenschrank ausgeräumt wird, können sie ganz einfach auf dem Kompost entsorgt werden.

Und wie geht es weiter?
"Bisher werden die Verpackungen nur von einem Catering-Service genutzt", verrät Nicole. "In Zukunft können wir uns aber gut vorstellen, mit großen Supermärkten zusammenzuarbeiten."
Dort fallen schließlich die meisten Verpackungen an. Aber auch im Non-Food Sektor könnten die Verpackungen zum Einsatz kommen.
Dass ihr Rohstoff aus Indien kommt, finden die beiden Berlinerinnen zwar nicht ideal, aber die Ökobilanz ist laut Nicole deutlich besser als die von Plastik oder Papier. Die Suche nach regionalerem Material geben sie aber nicht auf. Das Agrarabfallprodukt aus Indien soll nicht das einzige Material bleiben, mit dem Arekapak arbeitet.

Ökologisch und sozial
Neben der ökologischen Komponente liegt Alexandra und Nicole auch der soziale Aspekt am Herzen. Zertifikate sprengen zwar derzeit noch den ökonomischen Rahmen des Start-Ups, faire Arbeitsbedingungen hier und in Indien sind laut Nicole aber selbstverständlich für das Unternehmen. Sie arbeiten mit kleinen Manufakturen zusammen, die vor Ort schon existieren und bisher hauptsächlich Teller für den einmaligen Gebrauch herstellen. Durch eine neue Pressform können dort nun eigene Designs produziert werden, die hoffentlich auch bald bei uns in den Supermärkten landen.
So sparen wir uns bald hoffentlich nicht nur den Gebrauch eines umweltschädlichen Rohstoffs, sondern können unseren Kühlschrank auch mit den ansehlichen Schüsselchen und Boxen füllen.

Autorin / Autor: Karla Groth - Stand: 25. September 2020