KI als Psycho Coach
Umfrage der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention: 35% der jüngeren Menschen mit Depression sprechen mit Künstlicher Intelligenz über ihre Erkrankung und machen dabei positive und negative Erfahrungen.
Frag doch die KI - ein Satz, der heute in fast jeder Lebenslage von irgendjemanden beigesteuert wird. Und tatsächlich nutzen Menschen die KI auch für höchstpersönliche Lebenslagen und bei psychischen Problemen. 35% der jüngeren Menschen mit Depression sprechen mit Künstlicher Intelligenz (KI) über ihre Erkrankung, 10% sogar in längeren, dialogischen Gesprächen wie mit einem menschlichen Gegenüber.
Das zeigt eine aktuelle repräsentative Befragung von 2.500 Personen zwischen 16 und 39 Jahren der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention.
Stärkung und Nähe?
Mehr als die Hälfte (56%) der jüngeren Erkrankten gab an, einfach mit jemandem über Probleme bezüglich der Depression sprechen zu wollen.
46% hoffen sogar, damit ihre Erkrankung selbst in den Griff zu bekommen.
Auch wünschen sich viele Aufmunterung und Zuspruch (41%) oder möchten mithilfe der KI mehr über Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten erfahren.
85% der Nutzer:innen mit Depressionshintergrund beschreiben die Gespräche mit den KI-Chatbots als hilfreich. Die KI wird als verständnisvoll (92%) und respektvoll (89%) erlebt. 75% gaben an, gestärkt aus dem Gespräch herausgegangen zu sein, zwei Drittel (65%) empfanden im Dialog mit der KI sogar so etwas wie Nähe. Die Befragten, die bereits eine professionelle Psychotherapie erhalten hatten, bewerteten ihre Interaktion mit der KI,zu 65% als besser oder genauso gut wie ihre Therapie.
"Das ist keiner, der mich wirklich versteht"
Es wurde in der Befragung aber auch negative Erfahrungen beschrieben. So fand es über die Hälfte der Befragten bedrückend, sich mit einem Computerprogramm zu unterhalten. Ein Befragter beschrieb dies so: Negativ sei das Gefühl gewesen, „zu wissen, dass das Gegenüber kein echtes fühlendes Wesen ist, sondern eine KI, die so programmiert wurde, dass sie Verständnis zeigt. Da ist keiner, der mich wirklich versteht.“
Die Befragung zeigt außerdem, dass 53% nach der Nutzung verstärkt Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid hatten. Besonders bedenklich sei dies, weil 62% der Nutzer mit Depression der Meinung sind, die KI habe bei ihnen den Gang zum Arzt oder Psychotherapeuten überflüssig gemacht.
Wirksamkeit und mögliche unerwünschte Folgen kaum erforscht
„KI ersetzt weder eine professionelle Diagnostik – etwa mit Laboruntersuchungen zum Ausschluss einer Schilddrüsenüberfunktion – noch stellt sie eine leitliniengerechte Behandlung dar. Die antidepressive Wirksamkeit und mögliche unerwünschte Folgen sind kaum erforscht. Die Stiftung hat deshalb aktuell einen Forschungsschwerpunkt auf diese Themen gelegt“, sagt Prof. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. „Depression ist eine schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankung. Betroffene sollten sich unbedingt weiterhin an Hausärzte, Psychiater oder Psychologische Psychotherapeuten wenden“, so Hegerl weiter.
Betroffenen, die digitale Angebote zur Unterstützung nutzen wollen, empfiehlt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe auf zugelassene Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA, „App auf Rezept“) oder das kostenfreie begleitete iFightDepression-Onlineprogramm der Stiftung Deutsche Depressionshilfe zurückzugreifen. Diese haben ihre Wirksamkeit in Studien belegt und erfüllen strenge Datenschutzauflagen.
Neben den Daten zur KI-Nutzung von Depressionspatient:innen liefert die Befragung auch Ergebnisse zur Allgemeinbevölkerung: Knapp zwei Drittel (65%) der jüngeren Menschen (16-39 Jahre) haben schon einmal mit einem der großen KI-Chatbots wie mit einem vertrauensvollen Freund oder einer Therapeutin über eigene psychische Probleme gesprochen. Die am häufigsten genutzten KI-Modelle waren ChatGPT (77%), Gemini (14%) und Microsoft Copilot (4%).
Quelle
Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 30. April 2026