So häufig verwenden, wie es nur geht

Sina Leipold ist Juniorprofessorin für Gesellschaftliche Transformation und Kreislaufwirtschaft an der Universität Freiburg. Wir haben sie zur Zukunft der Verpackung und dem Weg dorthin befragt...

Sina Leipold; Bild: David Ausserhofer

Sina Leipold forscht in ihrem aktuellen Projekt „Circulus - Transformationspfade und -hindernisse zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft in der Bioökonomie“ darüber, wie Kreislaufwirtschaft in unterschiedlichen Ländern und Branchen verstanden und umgesetzt wird, was sie bewirkt und wie wir sie weiter voranbringen können. Bei Kreislaufwirtschaft geht es vereinfacht gesagt darum, Produkte so zu produzieren, dass möglichst wenig Ressourcen und möglichst wenig Energie eingesetzt werden müssen, wenig Abfall entsteht, sie möglichst lange im Einsatz bleiben und anschließend dem Kreislauf sinnvoll wieder zugeführt werden können. Wir haben sie befragt, wie sie die Zukunft der Verpackungen sieht und welche Rolle Kreislaufwirtschaft dabei spielt.

Viele zerbechen sich derzeit den Kopf, wie man Plastik ersetzen könnte. Was meinen Sie, werden wir in der Verpackungswelt der Zukunft auf erdölbasierte Kunststoffe verzichten müssen und können?
Da unsere Erdölressourcen begrenzt sind, haben wir langfristig keine Alternative.

Sind nachwachsende Rohstoffe eine Lösung?
Teilweise ja, wenn sie aber genauso verschwenderisch verwendet werden wie Plastik jetzt, dann nur sehr kurzfristig, denn wir brauchen viele unserer Anbauflächen für Wichtigeres, zum Beispiel Nahrung oder Energie.

Wie sehen in ihren Augen optimale Verpackungen aus? Und wie kommen wir dahin?
Die gibt es bereits, z.B. Mehrwegflaschen oder Plastik- oder Metallbehältnisse, die so häufig verwendet werden, wie es nur geht.

Was kann Kreislaufwirtschaft beim Thema Verpackungen ausrichten?
Viel, wenn der Fokus auf Effektivität gelegt wird. Also wie effektiv schaffen wir es, weniger Ressourcen aus der Erde/vom Feld zu holen und weniger Müll zu produzieren. Insgesamt konzentrieren wir uns zu sehr darauf, effizienter zu werden, statt effektiver. Z.B. legen wir immer höhere Recyclingquoten fest, prüfen dann aber nicht nach, ob wir wirklich neues Material einsparen, wenn wir mehr recyceln; und wir verfolgen auch nicht, welche Qualität Rezyklate haben, oder was genau mit ihnen geschieht.

Und welche Rolle spielen die Verbraucher_innen?
Gut ist, dass die Kenntnisse und das Interesse an nachhaltigen Verpackungen wachsen. Allerdings muss man realistisch sagen, dass kein Mensch, auch Experten nicht, jedes Detail jeder Verpackung kennen und objektiv vergleichen können. Hier braucht es gesetzliche Regelungen mit verbindlichen Richtlinien. Das können Konsument_innen nicht leisten. Ein guter Konsument ist aus meiner Sicht ein politisch aktiver Konsument ;-)

Mittagessen to-go! Bild: S. Leipold

Wenn Sie eine perfekte Verpackung herbeizaubern könnten, wie müsste die aussehen?
Ich persönlich liebe die indische Variante von tragbaren, wiederverwendbaren Lebensmittelverpackungen für zu Hause und für Außer-Haus.

Wie beeinflusst Ihre Arbeit Ihren Alltag? Können Sie Produkte überhaupt noch neutral betrachten? Konsumieren Sie anders?
Man kann die professionelle Brille ja nicht einfach „ablegen“, trotzdem treffe ich – so wie sicherlich die meisten von uns – auch „pragmatische“ Entscheidungen. Wie vorab beschrieben ist die „Macht“ des Konsumenten gleichzeitig auch eingeschränkt, hierzu gibt es sehr viel Forschung. Ich persönlich setze also auch darauf, dass unsere Forschung hilft, gesamtgesellschaftliche Lösungen zu finden, die nicht von täglichen, pragmatischen Einzelentscheidungen abhängen.

Ihr persönlicher Umwelttipp?
Dieser Artikel, den ich mit Freude las und immer wieder gerne ins Gedächtnis rufe: The life-changing magic of making do.

Quelle:

Was denkst du darüber?
Autorin / Autor: Redaktion / Sina Leipold - Stand: 15. Januar 2020