Die Ideen kommen, wenn ich ganz bei mir bin

Die Autorin Ava Reed ist aktuell auf Lesereise durch Deutschland. Annika hat sie am 12. April 2019 in Berlin getroffen und mit ihr über das Schreiben, ihre Arbeit als Bloggerin und ihr neues Buch “Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen” gesprochen...

© privat

War dir schon immer klar: Romane schreiben, das ist mein Ding?

Tatsächlich nein. Ich habe das erst sehr spät für mich entdeckt, während des Studiums. Das hat dann ganz spontan angefangen. Gelesen habe ich schon immer gerne. Ich habe mich daran probiert, das hat überraschend gut funktioniert und auch unheimlich viel Spaß gemacht. Und dann bin ich dabeigeblieben.

Was schreibst du am liebsten: Fantasy-, Jugend- oder Liebesromane?

Alle drei (lacht). Da kann ich mich tatsächlich nicht entscheiden. Jugendbücher schreibe ich generell sehr, sehr gerne, entweder im Bereich realistisches Jugendbuch oder Fantasy. Meine Leidenschaft gilt beidem. Aber auch New Adult macht sehr viel Spaß. Gerade bei den realistischen Jugendbüchern mit den schwierigeren Themen ist man ja sehr emotional dabei. Dann ist es gut, wenn man beim Schreiben ein bisschen Abwechslung durch Fantasy bekommt, um den emotionalen Akku ein bisschen aufzuladen, damit man danach wieder voll dabei sein kann.

Wie bist du auf dein Pseudonym Ava Reed gekommen?

Das ist eine sehr gute Frage, ich muss mich zurückerinnern (lacht). Zuerst wollte ich ein Pseudonym haben, das war schon mal der erste Gedanke. Dann wollte ich auf jeden Fall was Englisch/Amerikanisches, kurz und knackig und bin auf die Suche gegangen. „Ava“ hat mir schon immer gut gefallen, ich finde, das klingt einfach sehr schön. Nachdem ich das so festgelegt hatte, hab ich mir überlegt: „Welcher Nachname passt gut zu Ava?“ Ich bin auf „Reed“ gestoßen und fand das so passend, weil es sich anhört, wie das englische Wort für „lesen“. Das hat sich für mich gut angefühlt und dann habe ich das genommen.

In einem Interview hast du erzählt, dass du gerne abends oder nachts schreibst, was ist für dich an der Dunkelheit so motivierend?

Das ist ganz schwer zu erklären, aber ich habe immer so ein bisschen das Gefühl, dass mein Körper morgens noch nicht richtig wach ist. Ich brauche morgens und mittags für alles ein bisschen länger. Wenn man das für sich rausgefunden hat und auch die Chance hat, seinen Tagesablauf selber zu gestalten, macht man das einfach. Meinen Tag beginne ich sehr langsam und erledige erstmal organisatorische Sachen, bis ich dann so um 16/17 Uhr ans eigentliche Schreiben gehe. Ich mag es einfach, wenn die Sonne untergeht oder wenn es anfängt, dunkel zu werden. Dann habe ich das Gefühl, die Welt kommt zur Ruhe, alles wird etwas langsamer und das überträgt sich dann irgendwie ein bisschen auf mich. Wenn die Welt schlafen geht und ich das Licht von meinem Schreibtisch anmachen kann, ist das so einer der Momente, in dem ich anfange, ganz bei mir zu sein und mich wohlzufühlen. Das klingt seltsam, ich kann das auch gar nicht genau erklären, aber ich bin dann weniger abgelenkt, fühle mich nicht mehr so gestresst und bin auch nicht mehr so hektisch. Dann fange ich an zu schreiben.

Wie kommen dir die Ideen zu den Büchern, z. B. wenn du nachts schreibst, und wie schreibst du sie auf?

Nachts schreibe ich gar nicht mehr SO häufig, weil mein Verlobter immer sehr früh zur Arbeit muss. Ich versuche schon so um 24 Uhr spätestens im Bett zu sein. Die reine Schreibzeit ist dann eher von 17 Uhr bis Mitternacht, manchmal länger, aber eher selten. Die Ideen kommen mir meistens, wenn ich schon beim Schreiben bin oder unter der Dusche witzigerweise, egal zu welcher Tageszeit. Auch wenn ich mal ganz entspannt auf der Couch sitze und einfach aus dem Fenster schaue oder Musik höre. Also in den Momenten, in denen ich ganz bei mir bin. Dann kommen die Ideen von alleine und ich schreibe sie meistens sehr schnell auf.

Zusätzlich zum Schreiben bloggst du ja auch noch, das ist ja eine ganz andere Art zu schreiben, wie stellst du dich da immer um?

Das passiert tatsächlich auch ganz easy. Bloggen und YouTube mache ich sehr intuitiv. Da überlege ich mir nicht, wie ich mich jetzt umstellen muss. Das ist irgendwie drin, das funktioniert einfach, macht Spaß und dann läuft das.

Du bist ja auch viel auf den sozialen Netzwerken unterwegs. Ist das für dich immer etwas Positives, um deine Fans zu erreichen, oder ist das auch manchmal eine Belastung?

Beides. Manchmal ist es belastend, wenn man gerade keine Zeit dafür hat, und man müsste oder würde auch gerne, es ist aber gerade schreibtechnisch oder wegen anderen Terminen sehr stressig. Dann habe ich das Gefühl, nicht genug zu sein. Aber eigentlich ist es immer was Positives, weil ich so unheimlich viele Menschen kennengelernt habe oder kennenlernen durfte, mit denen ich mich gut austauschen kann, die mir viel Halt geben und viel Positives entgegenbringen. Das ist immer sehr, sehr toll.

In einem Interview hast du mal gesagt, das Schreiben auch manchmal im Chaos enden kann. Was machst du dann?

Das passiert zum Glück nicht mehr so oft. Aber wenn es passiert, dann nehme ich mich erstmal zusammen und gehe mit meinem Notizblock weg vom PC und schreibe - selbst wenn es chaotisch ist – z.B. in einer Mindmap alles auf. Auch teilweise nur Stichpunkte. Ich versuche das dann erstmal vor meinem inneren Auge zu sortieren und dann auf dem Blatt. Erst wenn ich das geschafft habe und es bei mir auch wieder Sinn ergibt, gehe ich zurück an den PC und mache weiter.

Also nimmst du dir Auszeiten?

Ja.

Es gibt ja auch viele junge Autoren, die noch nicht so viel Erfahrung haben, welche Schreibtipps würdest du denen geben?

Die Erfahrung kommt von alleine, das ist schon mal der erste Tipp: Nicht verzagen, man lernt aus allem, auch wenn man schon länger dabei ist, lernt man immer wieder. Ich glaube ich würde dazu raten, wenn man irgendwann mal hängt oder irgendwas nicht funktioniert, nicht aufzugeben, sondern sich bewusst Pausen zu nehmen. Und das so zu machen, wie es sich gut anfühlt. Ich würde auf jeden Fall raten, mit dem Flow zu gehen, es nicht zu erzwingen, sondern bewusst zu sagen: „Dann mach ich halt für heute Schluss, es funktioniert heut' nicht, ich mach morgen weiter“.
Was ich auch ganz wichtig finde, ist eine Schreibroutine. Das heißt, nicht jeden Tag fünf Stunden schreiben, aber schon regelmäßig. Da ist ja auch jeder unterschiedlich, ich schreibe zum Beispiel alle zwei Tage. Und wenn es nur eine halbe Stunde ist, aber Hauptsache, es kommt eine Regelmäßigkeit rein, weil Schreiben auch viel Praxisarbeit ist. Selbst wenn es blöd ist, was man da gerade schreibt, oder man das Gefühl hat, ist es immer gut, trotzdem zu schreiben. Wenn man da etwas stehen hat, dann kann man das immer noch überarbeiten. Aber wenn man gar nicht erst schreibt oder längere Zeit nicht schreibt, dann kann sich auch ganz schnell eine Blockade bilden.

Also hast du so feste Schreibzeiten?

Die habe ich tatsächlich nicht, aber ich achte schon darauf, sehr regelmäßig zu schreiben. Wenn ich merke, ich habe jetzt ein paar Tage nicht geschrieben, setze ich mich bewusst an den PC - und selbst wenn ich nur ein Exposé schreibe oder nochmal etwas überarbeite, mache ich das wirklich bewusst.

Du bezeichnest „Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen“ als dein persönlichstes Buch, sagst aber auch im Vorwort, dass die Geschichte von Leni und Matti erfunden ist. Wie hängt das zusammen?

Das heißt, dass die Geschichte so niemals passiert ist, wie ich sie aufgeschrieben habe. Matti und Leni gibt es ja nicht. Aber einzelne Szenen und einzelne Sachen, die im Buch beschrieben werden, kenne ich durchaus, weil sie mir oder weil sie Freunden vielleicht passiert sind. Dass ich Dinge, die da beschrieben werden, vielleicht auch schon mal so gefühlt habe, weil ich ja selber von einer Angststörung betroffen bin. Weil ich das alles in das Buch gegeben habe, also reale Gefühle und reale einzelne Situationen, ist es mein persönlichstes Buch. Insgesamt bleibt die Geschichte natürlich so, wie sie aneinandergesteckt wurde, mit den Protagonisten, erfunden.

Wie entstehen bei dir im Kopf die Charaktere – zum Beispiel Leni und Matti?

Das ist gar nicht so einfach, weil die tatsächlich einfach da sind. Das klingt blöd, aber ich überlege für mich: Wie stelle ich mir sie vor? Und dann entsteht Stück für Stück ein Puzzleteil mehr, zuerst das Aussehen, dann die Charaktereigenschaften. So fügt sich das alles immer mehr zusammen.

Du zeichnest gerne und fotografierst auch gerne, entstehen da vielleicht auch manchmal die Bilder?

Ich gestehe: Dafür habe ich momentan nicht so viel Zeit, aber, wenn ich irgendwo in einem neuen Ort bin oder irgendwo spazieren gehe, dann sehe ich mir alles an. Durch neue Orte, wenn man auf seine Umgebung achtet, entstehen manchmal neue Ideen. Oder im Austausch mit Kollegen. Man nimmt alles unbewusst auf und verarbeitet das im Hinterkopf und irgendwann, ja, kommt es wieder hervor und dann denkst du: „Da! Da könnte doch was sein", oder: „Das würde jetzt gut passen!“. Man ist irgendwie immer am Arbeiten, auch wenn man nicht will.

„Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen“ wird es bald als Hörbuch geben. Wie war das für dich, das Vorwort und Nachwort einzusprechen?

Das war ziemlich, ziemlich cool! Die anderen Bücher sind ja auch als Hörbuch erschienen, aber hier hat man mich jetzt gefragt, ob ich das Vorwort und Nachwort selber vertonen möchte. In Berlin war ich dann im Studio und durfte das machen. Das war ein sehr schönes Erlebnis, das im Mikrofon selber einzusprechen und zu wissen, dass es dann auch im Hörbuch meine eigene Stimme ist, zu meiner eigenen Geschichte, die das Vor- und Nachwort, was mir ja auch sehr wichtig ist, den Lesern persönlich sagen darf. Das ist schon ziemlich cool!

Was gefällt dir so an Lesungen, und wie ist es zu der Idee gekommen, mit Freunden und Kollegen, z.B. jetzt Marah Woolf auf Lesetour zu gehen?

Ich mag es, mit Freunden und Kollegen unterwegs zu sein, weil das immer sehr bereichernd ist, weil man sich gegenseitig stützen kann, weil man was erzählen kann, neue Orte entdecken kann, in den Buchhandlungen mit den Lesern in Kontakt treten kann. Das macht einfach Spaß! Ich wollte es nicht alleine machen, weil wir schon so Vieles im Leben alleine machen, dann sollten wir wenigstens die schönen Dinge teilen!

Möchtest du etwas über dein aktuelles Projekt „Ashes and Souls“ erzählen?

Möchte ich sehr gerne, aber ich darf noch nicht (lacht). Ich kann nicht mehr sagen, als das, was jetzt schon bekannt ist und zwar, dass es ein Fantasy-Jugendbuch ist. Zwei Teile werden es, der erste erscheint im September, der zweite erscheint im Frühjahr 2020. Es wird wahrscheinlich ab 14 Jahren sein und spielt zu Beginn in Prag.

Vielen Dank für das Gespräch!

Autorin / Autor: Annika - Stand: 15. April 2019
 
 

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