Ich hab das nicht verdient

Studie untersuchte das Phänomen "Dampening" - dabei verbieten sich Menschen positive Gefühle

Bild: Sarema Babayeva

Stellt euch vor, ihr seid auf einer Party und habt den Spaß eures Lebens – und dann fangt ihr an darüber nachzudenken, dass dieses gute Gefühl verfliegen wird, sobald die Party zu Ende ist. Was folgt? Genau: der Spaß, den ihr eben noch empfunden habt, hat sich in Luft aufgelöst. In der Psychologie wird das Phänomen als „Dampening“ (Dämpfung) bezeichnet und es hängt stark mit  Depressionssymptomen zusammen.

Liesbeth Bogaert von der Katholieke Universiteit Leuven forscht dazu, und sie definiert „Dampening“ als die Verringerung positiver Emotionen. „Es geht nicht nur um diese besonders starken oder großen positiven Emotionen wie Aufregung oder Begeisterung“, sagte Bogaert. „Es geht auch um sich anbahnende positive Gefühle oder erste Anzeichen davon.“
Für ihre kürzlich durchgeführte Studie, analysierten die Forscher:innen um Bogaert Datensätze aus 13 früheren Studien, die in ihrem Labor durchgeführt worden waren. Die Datensätze umfassten Teilnehmende aus Querschnitts- und Längsschnittstudien, in denen das Ausmaß der Dämpfung und der Depression gemessen wurde. Zu den Teilnehmer:innen gehörten flämischsprachige belgische Jugendliche, Studierende und Erwachsene.

Bogaerts Team analysierte, inwiefern Aussagen wie „Ich habe das nicht verdient“ und „Das wird nicht von Dauer sein“ depressive Symptome wie negative Emotionen, Pessimismus und eine negative Selbstwahrnehmung vorhersagten (Bogaert et al., 2026). Sie stellten fest, dass diese Sätze einen hohen vorhersagenden Wert für Depressionssymptome hatten; dies kam zwar nicht unerwartet, doch die Stärke des Zusammenhangs überraschte die Forscher.
Bestimmte Aussagen hatten dabei die stärkste Wirkung: ‚Diese positiven Gefühle werden nicht von Dauer sein‘ und ‚Mein Glück oder meine Glückssträhne wird bald enden.‘

Bescheidenheit und Dampening

Dampening erscheine zwar harmlos, aber im Laufe der Zeit könne es das Wohlbefinden untergraben, weil dadurch dauernd positive Emotionen vorenthalten werden. „Diese positiven Gefühle - wir brauchen sie tatsächlich, wir brauchen sie, um mit den Herausforderungen des Lebens fertig zu werden und uns leichter von stressigen Lebensereignissen zu erholen“, sagte Bogaert.
Die Ursachen dieses Phänomens sind noch nicht vollständig geklärt. Kultur sei ein wichtiger Faktor, der berücksichtigt werden müsse, trage jedoch nicht direkt dazu bei. Es gäbe aber einige kulturelle Werte, wie beispielsweise Bescheidenheit, die eine Rolle spielen könnten.

Dabei sei es wichtig, zwischen echter Bescheidenheit und Dampening zu unterscheiden. „Bescheidenheit kann ein Ausdruck von Selbstbeschränkung sein, aber entscheidend ist hier, warum man bescheiden ist“, sagt Bogaert. „Wenn man bescheiden ist, um sich an kulturelle oder gesellschaftliche Normen anzupassen, sind die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit möglicherweise geringer als wenn dies von der Überzeugung getrieben ist, dass man Positivität nicht verdient.“

Genießen und teilen

Was können Menschen tun, wenn sie merken, dass sie positive Gefühle kappen? Das gegenteilige Verhalten, Positivität übertrieben zur Schau zu stellen, sei keine langfristige Lösung und hänge außerdem mit geringem Selbstwertgefühl und Selbstwert zusammen, so Bogaert. "Die nachhaltigste Lösung ist das 'Genießen' – sich zu erlauben, in positiven Emotionen zu schwelgen und sie mit anderen zu teilen. Beim Auskosten positiver Gefühle geht es eher darum, diesen Gefühlen Aufmerksamkeit zu schenken und zu versuchen, sie zu intensivieren und zu verlängern – allerdings auf ausgewogene und sanfte Weise“, sagte sie. „Es geht dabei eigentlich eher darum, gute Nachrichten mit einem Freund zu teilen oder sich an positive Erinnerungen zu erinnern.“

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Autorin / Autor: Pressemitteilung / Redaktion; Bild: Sarema Babayeva - Stand: 31. August 2026