Hetero, homo, bi?

US-Studie ergab, das ein Fünftel der Jugendlichen in ihrer sexuellen Orientierung schwanken

Mal ist es ein Junge, mal ein Mädchen, dann wieder ein Junge, in den ihr euch verliebt? Ganz normal, finden Forscher_innen der North Carolina State University, der University of North Carolina at Chapel Hill und der University of Pittsburgh. Nach ihrer neuesten Studie berichtet mindestens eine_r von fünf Jugendlichen, dass sich ihre sexuelle Orientierung während des Erwachsenwerdens in ständiger Veränderung befindet.

"Diese Arbeit verdeutlicht die Flüchtigkeit, die viele Jugendliche erleben, wenn es darum geht, wie sie ihre Sexualität bezeichnen und zu wem sie sich sexuell hingezogen fühlen", sagt J. Stewart, Doktorand am NC State und Hauptautor einer Arbeit über die Arbeit.

Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler_innen 744 Schüler_innen aus ländlichen Gymnasien im Südosten der USA über einen Zeitraum von drei Jahren befragt; 54% waren Mädchen und 46% Jungen.

Mädchen wechseln häufiger ihre sexuelle Identität
Heraus kam, dass 19% der Befragten irgendwann während des Dreijahreszeitraums mindestens einmal ihre selbsternannte sexuelle Identität verändert hatten - zum Beispiel, indem sie sich im ersten Jahr als heterosexuell und im zweiten Jahr als bisexuell einstuften. Einige berichteten sogar über mehrere Veränderungen, wie z.B. den Wechsel von heterosexuell zu bisexuell zwischen dem ersten und zweiten Jahr und dann zurück zu heterosexuell im dritten Jahr. Dabei zeigte sich auch, dass Mädchen viel häufiger diesen Wandel der sexuellen Identität erlebten - sogar über die Hälfte: 26% im Vergleich zu 11% bei den Jungs.

Wechselnde Anziehung
Zusätzlich zu der Frage, wie Teenager ihre Sexualität definierten, betrachteten die Forscher_innen auch, wie oft sie sich romantisch zu Jungen und/oder Mädchen hingezogen fühlten - ohne gleich eine bestimmte sexuelle Identität anzunehmen. Hierbei zeigte sich, dass sogar 21% über wechselnde Anziehung zu den Geschlechtern berichteten. Auch hier gab es bemerkenswerte Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen: 31% der Mädchen gaben das Hin- und Her offen zu, während es bei den Jungs nur 10 Prozent waren.

"Die Adoleszenz ist eine Zeit der Identitätsforschung, und die sexuelle Orientierung ist ein Aspekt davon. Der Prozess der Entwicklung der sexuellen Identität ist für viele Jugendliche sehr facettenreich. Basierend auf unseren Forschungen gehen wir davon aus, dass sich diese Entwicklung bis in die späten 20er Jahre und sogar darüber hinaus fortsetzt", so Stewart, der sich im Übrigen ausdrücklich gegen die Konversionstherapie ausspricht, einer heftig umstrittenen Methode der Psychotherapie, die darauf abzielt, homosexuelle Neigungen einzudämmen: "Es gibt viele Beweise dafür, dass die Konversionstherapie schädlich ist und die sexuelle Orientierung von Menschen nicht beeinflusst."

Zukünftig will die Forschungsgruppe herausfinden, wie die Zahlen in verschiedenen gesellschaftspolitischen Umgebungen variieren und wie diese Muster bei Jugendlichen in trans- und anderen geschlechtsspezifischen Minderheiten aussehen.

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