Leben unterm Regenbogen

Am 17. Mai wird weltweit der Tag gegen Homophobie gefeiert

Bild: LizzyNet

Wenn vor 30 Jahren jemand erzählt hätte, dass im Bundesfamilienministerium offiziell ein Regenbogenkuchen  angeschnitten wird und sich eine Ministerin für die Rechte von Homosexuellen einsetzt, hätte man das vermutlich für einen verspäteten Aprilscherz gehalten. Jetzt, 2014, ist eine Rede wie die von Ministerin Schwesig ein politisches Bekenntnis zu einer offenen, toleranten Gesellschaft: „Unsere Gesellschaft ist vielfältig und die Art und Weise wie wir leben, welche Lebensentwürfe wir haben ebenso. Die Frage der sexuellen Orientierung darf keine Rolle mehr spielen“, erklärte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig in einer Grußbotschaft anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie und Trans⚹phobie, der seit 1990 jedes Jahr am 17. Mai weltweit begangen wird. „Jeder muss so leben dürfen wie er will. Jede muss lieben können, wen sie will. Jeder muss so sein können wie er ist. Nirgendwo in unserer Gesellschaft darf Platz sein für Diskriminierung, Ausgrenzung und Anfeindungen. Mir ist klar, dass wir für die Akzeptanz dieser Vielfalt noch Vieles in Angriff nehmen müssen. [...] Überall dort wo Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung benachteiligt, angefeindet, schief angeschaut oder gar angegriffen werden, besteht Handlungsbedarf – in Deutschland, in Europa, weltweit. Das ist unsere gemeinsame Verantwortung und Aufgabe.“

Warum dieser Tag?
Am 17. Mai 1990 beschloss die Generalversammlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Homosexualität nicht mehr als psychische Krankheit anzusehen und sie aus dem Krankheitsregister zu streichen. Fortan galt der 17. Mai als der Internationale Tag gegen Homophobie. Dennoch gehören Feindschaft und Gewalt gegen Lesben, Schwule und Transsexuelle weltweit in vielen Gesellschaften noch zum Alltag. Menschen werden für ihre Liebe zum gleichen Geschlecht diskriminiert, psychisch und physisch angegriffen, staatlich verfolgt und mit dem Tod bedroht. Auch in Deutschland passieren - trotz wachsender Akzeptanz und zunehmender rechtlicher Gleichstellung - fast täglich gewalttätige Überfälle, werden diskrimierende Sprüche abgelassen und Demos veranstaltet, wenn Schulministerien gleichgeschlechtliche Lebensweisen auch in den Schulbüchern thematisieren wollen.

Auch wenn der Sieg der Travestie-Künstlerin Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest überwältigend war, darf man nicht die Augen davor verschließen, wieviel Hass dieser Person auch entgegenschlug (und zwar nicht nur aus Russland!). Ein Zeichen dafür, dass Toleranz für GrenzgängerInnen zwischen dem Prinzip männlich und und weiblich, egal ob sie lesbisch, schwul, bisexuell oder transgender sind, ein sehr zerbrechliches Gebilde ist, dass jederzeit zerstört werden kann. Wer sich also wirklich mit Homosexuellen solidarisieren will, sollte sich nicht nur die "schrillen Tunten" beim Christopher Street Day angucken, sondern vielleicht auch mal die eine oder andere Veranstaltung am 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen Homophobie besuchen, oder ganz einfach eine Regenbogenfahne hissen ;-).

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