Heilende Gesichter

Studie: Bilder der Liebsten und lächelnde Gesichter können Schmerzen lindern

Was hilft, wenn man Schmerzen ertragen muss? Ok, jetzt mal außer einer Schmerztablette ;-). Was wir wissen, ist, dass es auch eine liebevolle Berührung sein kann, die uns aus der Schmerzspirale herausholt. Aber auch ein Blick in das Gesicht des oder der Liebsten kann dabei helfen, Schmerz leichter zu ertragen. Und das Lächeln eines/einer Unbekannten hat offenbar einen ähnlichen schmerzlindernden Effekt. Dies sind die Ergebnisse einer experimentellen Studie von Psychologinnen der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). 

Für die Studie haben die Wissenschaftlerinnen jungen Frauen, die seit mindestens sechs Monaten in einer glücklichen Partnerschaft lebten, längere schmerzhafte Hitzereize am Unterarm verabreicht. Zeitgleich wurden ihnen verschiedene Fotos gezeigt: Bilder von ihrem Partner, der einen emotional neutralen Gesichtsausdruck zeigte, unbekannte Personen, die freundlich, neutral oder wütend schauten, sowie Fotos von gewöhnlichen Haushaltsgegenständen. Die Frauen wurden gebeten, die Fotos, die sie sahen, zu bewerten und die Intensität der Schmerzreize einzuschätzen.

Schmerzlindernde Fotos
Was nicht verwundert: Die Fotos der Partner und die glücklichen Gesichter der Unbekannten schätzten die Frauen als sehr positiv ein, wogegen sie die ärgerlichen Gesichter der Unbekannten als sehr negativ bewerteten. Aber nicht nur das - auch die empfundene Schmerzstärke der Hitzereize variierte je nach Foto. Sahen die Teilnehmerinnen Bilder ihres neutral schauenden Partners oder eines lächelnden Unbekannten, nahmen sie weniger Schmerz wahr als bei Fotos von Gegenständen oder von Unbekannten, die neutral oder ärgerlich schauten. Nun könnte man meinen, dass der schmerzlindernde Effekt nur in der eigenen Wahrnehmung auftauchte, aber es war tatsächlich messbar und zeigte sich auch auch in der verminderten Anspannung der Gesichtsmuskeln. Diese sind nämlich bei negativen emotionalen Zuständen – wie zum Beispiel beim Erleben von Schmerz – besonders angespannt. Beim Anschauen der Partnerfotos sowie bei den Fotos lächelnder Unbekannter war diese Muskelaktivität besonders gering.

Partnerfotos könnten auch Arztbesuche weniger schlimm erscheinen lassen
Die Studienergebnisse könnten wegen des robusten schmerzlindernden Effekts der Bilder auch klinische Relevanz haben, betonen die Psychologinnen. „So könnten Bilder der Partner zu einer schmerzhaften Untersuchung oder Behandlung mitgenommen werden“, schlägt Prof. Hermann vor. „Das könnte in Fällen hilfreich sein, in denen der Partner nicht mitkommen kann oder in denen seine Anwesenheit nicht hilfreich wäre, weil er selbst in der akuten Situation zu besorgt ist.“ Ob ein ähnlicher Effekt auch bei Kindern zu beobachten ist, wird aktuell noch untersucht.
Solltet ihr aktuell aber kein Foto oder gar einen Liebsten zur Hand haben, tut es ja auch ein lächelnder Fremder. Vielleicht solltet ihr dann gezielt die Illustrierten im Wartezimmer daraufhin durchschauen ;-)

Die Ergebnisse haben die Autorinnen kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „PLoS ONE“ veröffentlicht.

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Autorin / Autor: Pressemitteilung/ Redaktion