Grüner Anstrich!

Goldener Windbeutel 2021 - Verbraucherschutzorganisation foodwatch ruft zur Abstimmung auf: Wer hat die Negativ-Auszeichnung für die dreisteste Werbelüge verdient?

Bild: Foodwatch; Welches Produkt aus dem Supermarkt ist die dreisteste Werbelüge des Jahres? Darüber können Verbraucher:innen unter www.goldener-windbeutel.de abstimmen.

Der Goldene Windbeutel wird jährlich von der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch verliehen, um auf Werbelügen und Etikettenschwindel aufmerksam zu machen. Oft stehen dabei Produkte im Fokus, die sich an Kinder richten (dabei aber total überzuckert sind), sich als Fitmacher präsentieren (in Wirklichkeit aber nur hochkalorisch sind), als natürlich dargestellt werden, obwohl sie kaum Natürliches enthalten oder solche, die trotz minderwertiger Zutaten als Premium-Produkte glänzen wollen. Einige der fünf Nominierten in diesem Jahr punkten in Sachen Dreistigkeit vor allem durch falsche Nachhaltigkeitsversprechen und Greenwashing. Ihr könnt abstimmen, wer den Negativpreis "Der Goldene Windbeutel 2021" verdient hat.

Volvic von Danone: Klimafreundliches Wasser in Einwegflaschen aus Frankreich?

Kandidat Nr. 1 ist das Volvic Mineralwasser von Danone. Auf der Flasche wird mit „Klimaneutral zertifiziert“- geworben. Es werde so getan, als sei importiertes Wasser in Einweg-Plastik gut fürs Klima. Dabei sei das Wasser alles andere als klimafreundlich: das Wasser wird hunderte Kilometer weit transportiert - größtenteils per LKW. Und das in umweltschädlichem Einwegplastik. Wer wirklich das Klima schonen will, trinkt Mineralwasser aus regionalen Brunnen in Mehrwegflaschen oder noch besser: Kraneburger!

Von wegen kompostierbar: Mövenpick Kaffeekapseln Green Cap

Auch Kandidat Nr. 2 J.J. Darboven: Mövenpick Kaffeekapseln Green Cap will den schon an sich total umweltunsinnigen Kaffeekapseln einen grünen Anstrich verpassen. Die „Green Caps“ sollen „kompostierbar“ und biologisch abbaubar sein. Pustekuchen. Die meisten Abfallunternehmen können diese Art Kunststoffe nicht kompostieren, weil die Anlagen dafür bestimmte Eigenschaften haben müssten (sehr lange Kompostierdauer), die sie in der Regel nicht haben. Vermeintlich kompostierbare Kaffeekapseln werden darum aussortiert und verbrannt. Auch in der gelben Tonne finden sie keine Verwendung, sie können nicht recycelt werden. Einzige korrekte Entsorgung: Restmüll, verbrennen. Für jede Tasse Kaffee eine Kapsel. Wahnsinn! Umweltfreundlicher und (fast) ohne Müll geht es so: French Press, Espressokocher, Mokkakanne, Filterkaffee …

Katjes „Wunderland“: Gesunde Zuckerbombe mit Vitaminen?

Kandidat Nr. 3 ist wieder ein „gesunder Fruchtgummi“. Katjes „Wunderland“ gibt mit Vitaminen in seinen kunterbunten Einhorn-Kreationen an. Das vermeintlich „bessere Naschen“ besteht dabei aus 60 Gramm Zucker pro 100 Gramm und zugesetzten Vitaminen. Der Zuckergehalt ist demnach 30% höher als bei Haribo Goldbären, da helfen auch die Vitamine nicht weiter. Die Verbraucherschützer_innen kritisieren außerdem, dass die Verpackung sich ganz offensichtlich an Kinder richtet, obwohl die WHO empfiehlt, Süßigkeiten grundsätzlich nicht bei Kindern zu bewerben.

Naturally Pam by Pamela Reif: Plastikfreies Plastik?

Naturally Pam by Pamela Reif: Clean Protein Bar ist Kandidat Nr. 4. Auch hier wird wieder mit einer umweltfreundlichen Verpackung geworben, weil angeblich biologisch abbaubar und „plastikfrei“. Es wird suggeriert, die Folie könne einfach auf den Kompost geschmissen werden, was leider nicht stimmt. Biobasierte und „biologisch abbaubare“ Kunststoffe sind nicht besser als herkömmliches Plastik, und vor allem sind sie Plastik und darum ganz sicher nicht plastikfrei.

Wilhelm Brandenburg Hähnchen-Brustfilet von Rewe: Klimaneutrales Fleisch mit falschen Zertifikaten?

Kandidat Nr. 5 Hähnchen Brustfilet von Rewe wurde nominiert, weil Fleisch, schon per se alles andere als klimaneutral, hier mit irreführenden Zertifikaten grün gerechnet wird. Die Eigenmarke „Wilhelm Brandenburg“ werde so zur Klimalüge. Zum Ausgleich von Emissionen soll in Peru Wald geschützt werden – stattdessen würden dort Bäume abgeholzt, argumentiert Foodwatch. Eine eigene Recherche habe ergeben, dass die zum Ausgleich gekauften Zertifikate des Projekts „Tambopata / Waldschutz mit nachhaltigem Paranussanbau“  weder den dortigen Wald noch das Klima schützen. Demnach sei auch die Aussage „Klimaneutral“ falsch und irreführend.

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Autorin / Autor: Redaktion / Pressematerial/ Bild: foodwatch - Stand: 19. November 2021