Gleichermaßen (un)versöhnlich

Männer und Frauen sind auf unterschiedliche Weise eifersüchtig, aber der Weg zum Verzeihen (oder auch nicht) unterliegt ähnlichen Mechanismen

Untreue ist einer der häufigsten Gründe, warum heterosexuelle Paare sich trennen. Das trifft auf eine Vielzahl von Kulturen zu, wie Forscher_innen herausgefunden haben, die insgesamt 160 Kulturkreise im Hinblick auf dieses Thema untersucht hatten.

Allerdings scheint es, dass Männer und Frauen zwar auf unterschiedliche Arten von Untreue eifersüchtig sind, sich aber in der Art und Weise, wie sie anschließend damit umgehen, sich verzeihen oder sich trennen, sehr ähnlich sind. Bei der Bereitschaft zu verzeihen spielt die Art der Untreue offenbar keine Rolle.

Männer finden Sex schlimmer, Frauen Verliebtheit
Das haben Wissenschaftler_innen der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technik in einer Studie herausgefunden, in deren Rahmen sie insgesamt 92 Paare miteinbezogen hatten. Die Teilnehmenden sollten sich entweder vorstellen, dass ihr_e Partner_in Sex mit einer anderen Person hatte, ohne sich verliebt zu haben oder, dass er oder sie sich verliebt hatte, aber es nicht zu Sex kam. Dann wurden sie dazu befragt, ob sie ihrem Partner oder ihrer Partnerin vergeben könnten. Hier trat natürlich ein sehr individueller Umgang zu Tage - je nach Persönlichkeit oder den äußeren Umständen wurde Untreue anders bewertet. Vor allem fanden Männer und Frauen offenbar unterschiedliche Szenarien besonders bedrohlich: während Männer tatsächlichen Sex mit einer anderen Person als besonders beziehungsgefährdend empfanden, war es bei Frauen eine sich anbahnende Verliebtheit, die sie als besonders schlimm empfanden.

Wann sich getrennt oder verziehen wird, darin sind sich Männer und Frauen ähnlich
In ihrer Bereitschaft zu verzeihen oder auch nicht und auch in den Mechanismen, die einem solchen Prozess zugrunde liegen, waren Frauen und Männer sich aber überraschend ähnlich. So konnten sich unabhängig von Geschlecht und Alter die meisten erst mal gar nicht vorstellen, Untreue - ob körperlich oder geistig - zu verzeihen.
Ob eine Trennung dann für wahrscheinlich erachtet wird, hängt bei beiden Geschlechtern gleichermaßen davon ab, wie bedrohlich die Beziehung zu der anderen Person für die eigene Partnerschaft wahrgenommen wird und auch, wie stark man sich selbst von dem oder der Partner_in distanziert. Vor allem bei der eher geistigen Untreue spielt auch eine Rolle, wie viel Schuld der oder die andere an der aufkeimenden Liebe trägt. Wer selbst Schuld daran hat, in eine intime Beziehung hineinzugeraten, kann weniger auf Vergebung hoffen. Anders verhält es sich bei Sex. Hier hat der Schuldfaktor keinen Einfluss auf die Bereitschaft zu Verzeihen, egal ob der andere behauptet, gar nichts dafür zu können oder bereitwillig alle Schuld auf sich nimmt.
Im Übrigen sind stabile und enge Partnerschaften nicht unbedingt besser vor Trennung geschützt. 

Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal of Relationships Research veröffentlicht.

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 5. August 2020