Gefühlsarme Bücher?

Forscher entdecken, dass in Büchern immer weniger von Emotionen die Rede ist - außer von Angst

In den meisten Büchern sind Gefühle ein wichtiges Element. Der „Tonfall“ hat sich allerdings im Laufe der Zeit immer wieder geändert. In den letzten 100 Jahren etwa scheinen Bücher stetig gefühlsärmer geworden zu sein. Wut, Trauer, Freude, Glück sind auf dem Rückzug, mit einer Ausnahme: Die Angst. Sie hat in den letzten 30 Jahren in der Literatur offenbar zugenommen. Das haben britische Wissenschaftler herausgefunden, die anhand des zahlenmäßigen Vorkommens bestimmter Begriffe ermitteln wollten, ob bzw. wie sich historische Ereignisse und die Stimmungslage von Menschen in der Literatur niederschlagen.

Reale Ereignisse spiegeln sich im Geschriebenen
Für ihre Untersuchung wendeten die Forscher ein Programm, das bestimmte Begriffe in Texten suchen kann, auf rund 5,2 Millionen eingescannte Bücher in einer Google-Datenbank an. Dieses Programm hatte einer von ihnen, Dr. Vasileios Lampos, ursprünglich für eine frühere Studie entwickelt. Er und sein Team hatten damals festgestellt, dass die Anzahl von Begriffen, die Emotionen ausdrücken, in (britischen) Twitternachrichten direkt mit der Gefühlslage der Bevölkerung zusammenhängen. Dafür hatten sie Listen mit Formulierungen erstellt, die bestimmte Gefühle (Ärger, Abscheu/Ekel, Angst, Freude, Traurigkeit und Überraschung) ausdrücken, und das Suchproramm damit "gefüttert". In der aktuellen Studie zeigte sich nun, dass sich zeitgeschichtliche Ereignisse offenbar auch in der Literatur niederschlagen: Während des Zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit gab es beispielsweise eine Häufung von „negativen“ Begriffen; in den 20er Jahren waren noch sehr viel häufiger positive Formulierungen verwendet worden. Dr. Alberto Acerbi, einer der Autoren der Studie, sagt dazu: „Wir waren im ersten Moment wirklich erstaunt, zu sehen, wie sehr Phasen positiver oder negativer Stimmung mit historischen Ereignissen korrelieren.”

Weniger Gefühl - nur mehr Angst
Eine weitere Überasschung war, dass die Gesamtzahl aller Gefühlsausdrücke in den Büchern in den letzten 100 Jahren offenbar immer weiter abgenommen hat. Die Stimmung ist also nicht trauriger, wütender o.ä. geworden, aber insgesamt werden heute deutlich weniger Emotionen erwähnt als zu Beginn des Jahrhunderts.
Dieses Phänomen könnte natürlich ganz banal damit zusammenhängen, dass es heutzutage viel mehr Sachbücher über Technik usw. auf dem Markt gibt als früher. Um das zu überprüfen, schauten die Wissenschaftler sich auch noch gezielt nur die Datensätze fiktionaler Bücher (Romane, Erzählungen usw.) an. Und tatsächlich zeigte sich auch dort eine Abnahme der emotionsbezogenen Begriffe während der letzten 100 Jahre. Es gab zwar Schwankungen, aber die Tendenz war eindeutig. Der einzige Ausreißer war die Zahl der Formulierungen, die Angst ausdrücken: Etwa seit den 80er Jahren erleben sie quasi einen Aufschwung; während die anderen Gefühlsäußerungen abnahmen oder etwa gleich blieben, zeigt sich bei der Angst ein deutlicher Anstieg. 

Warum das so ist, kann die Studie allerdings nicht beantworten. Waren die Menschen möglicherweise früher „gefühlsduseliger“ und sind heute realistischer? Vielleicht ist die Gesellschaft heute wieder stärker von Angst geprägt als noch vor 30 Jahren? Oder bilden heutige Bücher die Gesellschaft ebenso unzureichend ab wie Laufstegmodels den durchschnittlichen Körper? Offensichtlich sind weitere Studien erforderlich, um diesem Geheimnis auf den Grund zu gehen.

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Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Bild: LizzyNet - Stand: 21. März 2013
 
 
 

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