Fotografieren hinterlässt Eindruck

Forschung: Bilder zu machen, kann das visuelle Gedächtnis verbessern, allerdings zulasten des Audio-Gedächtnisses

Wo immer wir essen, am Strand liegen oder in einer Ausstellung sind, ist die Handykamera nicht fern. Knips hier, knips da, alles muss dokumentiert, jeder Moment festgehalten werden. Was macht das mit uns? Forscher_innen haben untersucht, wie sich die Fotografiererei auf unser Gedächtnis auswirkt. Können wir uns besser an Situationen erinnern, wenn wir sie fotografiert haben? Ja und nein.

Alixandra Barasch von der New York University und ihre Kolleg_innen haben in ihren Experimenten untersucht, ob an der These etwas dran ist, dass das Auslagern von Erinnerungen unser Erinnerungsvermögen beeinträchtigt. Dieser Effekt trat nämlich in vorausgegangenen Studien oftmals zutage: Etwas in einem externen Medium speichern zu können, führte dazu, dass Testpersonen sich schlechter an diese Dinge erinnern konnten. Dafür wurden bei ihnen manchmal durch das "Outsourcen" des Gedächtnisses aber andere Kapazitäten frei, so dass sie beispielsweise kreativer Probleme lösen konnten.

Der Museumsgang
In der aktuellen Studie wollten die Wissenschaftler_innen nun wissen, ob dieses schlechtere Erinnerungsvermögen nur auf Sachinformationen zutrifft oder auch auf Dinge, die wir aus eigenem Antrieb fotografieren wollen, gerade weil wir uns später besser daran erinnern möchten. Eine Gruppe von insgesamt 294 Testpersonen durchlief im Rahmen der Studie ein Museum. Dabei durften einige eine Kamera mit sich führen und sollten nach eigenem Belieben mindestens 10 Fotos machen. Alle Testpersonen hörten außerdem einen Audio-Vortrag, während sie durch das Museum liefen. Am Ende mussten sie einen Multiple-Choice Test ausfüllen, in dem das Gesehene und das Gehörte abgefragt wurden. Hier zeigte sich, dass Testpersonen, die fotografiert hatten, sich besser an einzelne Objekte erinnerten und allgemein mehr visuelle Eindrücke wiedergeben konnten. Die Gruppe ohne Kamera hatte indes besser zugehört und konnte mehr von dem Gehörten wiedergeben als die Kameragruppe.

Für die Forschenden ist dies ein Hinweis, dass Fotografieren zumindest im visuellen Bereich eher das Gedächtnis unterstützt. Dies betätigte sich auch in einem zweiten Experiment, bei dem die Testpersonen eine virtuelle Ausstellung ansahen und dabei teilweise über einen Knopf Bilder "abfotografieren" konnten. Wer fotografiert hatte, erinnerte sich besser an die Bilder, auch an die, die sie nicht fotografiert hatten.

Gehört oder gesehen?
Die Forschenden erklären diesen Effekt damit, dass schon die Intention, Fotos zu machen zu einer veränderten Wahrnehmung führen kann. Selbst Testpersonen, die angewiesen wurden, mentale Fotos zu machen (sich also vorzustellen, bestimmte Dinge zu fotografieren), konnten sich anschließend besser an visuelle Eindrücke erinnern. Es scheint also, dass das Auslagern von Informationen unser Gedächtnis nicht grundsätzlich beeinträchtigt. Im Gegenteil: wer fotografiert, fokussiert sich so auf die visuelle Wahrnehmung, dass er die so gewonnenen Informationen später besser abrufen kann, auch wenn das Foto nie wieder angesehen wird. Informationen, die auf einem anderen Kanal herangetragen werden, hier der Audiovortrag, können hingegen von der Knipserei beeinträchtigt werden.

Was sagt uns das? Dass es möglicherweise empfehlenswert ist, in Vorträgen und bei interessanten Gesprächen zuzuhören statt zu fotografieren. Und dass dafür bei visuell spannenden Events ruhig mal geknipst werden darf - zumindest, wenn man dieser Studie Glauben schenken will.

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 16. Juli 2019
 
 
 

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