„Faster, harder, louder“ gegen Schmerzen

Feld-Studie beim Wacken Open Air: Harte Musik kann Schmerz nicht lindern, aber möglicherweise beeinflussen, wie gut Schmerzen ertragen werden

Bild: Anton Perc CC BY-SA 3.0

Wenn Menschen chronische Schmerzen erdulden müssen, wird ihnen oft geraten, entspannende Musik zu hören, die positive Gefühle auslöst. Möglicherweise gibt es aber auch eine musikalische Alternative: Hardrock und Heavy Metal. Lydia Schneider und Tom Fritz vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig haben hierfür eine Feldstudie durchgeführt und sind dafür 2023 zum Wacken Open Air gefahren, um im Publikum zu testen, wie gut Menschen Schmerzen ertragen, nachdem sie tagelang harte Musik gehört haben. Aus der Forschung ist bekannt, dass unterdrückter Ärger das Schmerzerleben bei Patient:innen mit chronischen Schmerzen intensivieren kann. Möglicherweise - so die Vermutung - könnte harte Musik hier Abhilfe leisten. "Deshalb wollten wir untersuchen, ob sich das Schmerzerleben verändert – gerade bei einer Musikform wie Heavy Metal, bei der ziemliche viele unangenehme Gefühle ausgedrückt werden, insbesondere auch Ärger“, beschreibt Lydia Schneider, Erstautorin der Studie, ihre Motivation, direkt vor Ort Metalfans zu untersuchen.

Bessere Schmerztoleranz nach harter Musik

An der Vor-Ort-Studie beteiligten sich 122 Heavy-Metal-Fans, die Versuche wurden auf dem Gelände kurz vor Beginn des Festivals (Vergleichsgruppe) und während des Festivals durchgeführt. Die Testpersonen sollten ihren Arm in eiskaltes Wasser halten - so lange sie es aushalten können. Dabei wurde erfasst, wie unangenehm der Schmerz empfunden wurde und wie lange die Testpersonen ihn aushielten, ohne den Arm aus dem Wasser zu ziehen. Dabei zeigte sich, dass Teilnehmende nach einigen Tagen intensiven Musikerlebens den Schmerz genauso unangenehm empfanden und gleichermaßen empfindlich waren, den Kälteschmerz aber länger ertragen konnten als die Teilnehmer:innen, die vor Beginn des Festivals getestet worden waren. Das wurde vor allem bei Teilnehmenden deutlich, die keinen oder kaum Alkohol getrunken hatten, denn Alkohol beeinflusst die Schmerztoleranz. Die Forschenden interpretieren das als besser Widerstandsfähigkeit. Die Testpersonen waren möglicherweise besser in der Lage, die unangenehmen Empfindungen eher zu akzeptieren und sich auf das zu konzentrieren, was sie selbst beeinflussen können - nämlich, wie lange sie aushalten.

Wütende Musik kann vorteilhaft sein

Tom Fritz, der die Gruppe „Musikevozierte Hirnplastizität“ am MPI CBS leitet, erklärt: „Das ist für die Gruppe chronischer Schmerzpatienten durchaus relevant, denn im klinischen Kontext wird Musik ja häufig dafür genutzt, positive Gefühle auszulösen, Entspannung auszulösen – wenn es aber darum geht, auch mal seinen Ärger auszuleben, will man ja nicht unbedingt Entspannungsmusik hören. Akzeptanz unangenehmer emotionaler Zustände oder schwieriger Situationen spielt eine zentrale Rolle für die Resilienz und die Schmerztoleranz, und wütende Musik hören kann daher vorteilhaft sein anstatt unangenehme Emotionen mit positiven Emotionen zu überdecken. Metalmusik oder wütende Musik insgesamt könnte so vermutlich bei Patienten mit viel Ärgererleben durch Schmerzen auch präventiv dazu beitragen die Entwicklung chronischer Schmerzen zu verhindern.“

Wenn ihr also unter Schmerzen leidet, dann schaltet ruhig mal die Entspannungsmusik aus und hört Musik, bei der ihr auch eure negativen Gefühle ausleben könnt. Vielleicht hilft euch das, eure Schmerzen besser zu ertragen.

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Autorin / Autor: Pressemitteilung / Redaktion; Bild: Anton Perc CC BY-SA 3.0 - Stand: 1. August 2026