Essstörung fürs Sixpack

US-Studie: 22% der jungen Männer und 5% der jungen Frauen laufen Gefahr, eine Essstörung zu entwicklen für mehr Muskelmasse

Wenn man den Begriff Essstörung hört, denkt man als erstes an Magersucht, Bulimie oder Binge Eating. Es gibt aber noch eine weitere, neu hinzugekommene, die eine Folge des allgegenwärtigen Fitness- und Muskel-Körperkults sein kann. Angespornt durch Bilder in den sozialen Netzwerken eifern vor allem männliche Jugendliche dem "Idealtyp" nach mit voll durchtrainiertem Körper, wohldefinierten Sixpacks und einem möglichst geringen Körperfettanteil. Das geht natürlich nur mit speziellen Diäten, die wenig Fett und Kohlenhydrate und viel Eiweiß beinhalten. Jugendliche und junge Erwachsene, die vor allem deshalb trainieren, um Gewicht zuzulegen, können von einem so genannten muskelorientierten, gestörten Essverhalten bedroht sein, sagen Forscher_innen der Benioff Kinderklinik an der University of California (UCSF). Demnach sind 22 Prozent der männlichen und 5 Prozent der weiblichen Jugendlichen zwischen 18 und 24 Jahren davon betroffen. Erkennen kann man die Essstörung daran, wenn mindestens ein Merkmal zutrifft: Der oder die Jugendliche isst mehr oder anders, um Gewicht oder Muskelmasse zuzulegen, und sie oder er nimmt Nahrungsergänzungsmittel oder anabole Steroide zu sich, um einen muskulöseren Körper zu bekommen. Anabole Steroide, auch Anabolika genannt, sind synthetische Abkömmlinge des männlichen Sexualhormons Testosteron, die im Leistungsport eine zeitlang als Dopingmittel eingesetzt wurden.

Muskelschwund statt Sixpack
Die Forscher_innen warnen davor, dieses Verhalten zu ignorieren, denn auf die Dauer könne sich genau das Gegenteil dessen anbahnen, was gewünscht war: Es könne zu Muskeldystrophie - einer krankhaften Muskelschwäche und Muskelschwund - kommen, ausgelöst durch die eingeschränkte Ernährungsweise, gepaart mit zwanghafter Überanstrengung. Das Problem: "Einige Essstörungen können schwierig zu diagnostizieren sein", sagte Erstautor Jason Nagata, von der UCSF-Abteilung für Jugend- und junge Erwachsenenmedizin. "Im Gegensatz zu Anorexia nervosa, die von Eltern oder Kinderärzten leicht identifiziert werden kann, kann die extreme Ernährung für mehr Muskelmasse als gesunde Gewohnheit getarnt werden und bleibt deshalb leichter unbemerkt."

Fast 15.000 Jugendliche untersucht
Die 14.891 jungen Erwachsenen in der USA-weiten Studie wurden sieben Jahre lang begleitet. Die Forscher_innen wollten herausfinden, ob die frühen Daten, als die Teilnehmer_innen durchschnittlich 15 Jahre alt waren, etwas über ihre Wahrnehmungen und Gewohnheiten aussagen, das als Warnzeichen interpretiert werden kann. Dabei konnten sie ermitteln, dass Jungen, die hauptsächlich ihr Gewicht auftrainierten, 142 Prozent höhere Chancen hatten, bestimmte Diäten zu durchlaufen; bei Mädchen waren die Chancen sogar um 248 Prozent höher. Jungen, die sich als untergewichtig empfanden, hatten 56 Prozent höhere Quoten; bei Mädchen waren die Quoten 271 Prozent höher. Rauchen und Alkoholkonsum hatten nur wenig Auswirkungen, obwohl sie das Risiko leicht erhöhten.

Im jungen Erwachsenenalter kehrt sich dieses Risiko bei den Geschlechtern allerdings um: Hier berichteten 6,9 Prozent der Männer dann, dass sie Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen, um Gewicht zuzulegen oder Muskeln aufzubauen, und 2,8 Prozent gaben auch zu, anabole Steroide zu nehmen. Bei den jungen Frauen war die Nutzung mit 0,7 Prozent bzw. 0,4 Prozent deutlich geringer.

"Nahrungsergänzungsmittel sind eine Blackbox, da sie nicht reguliert sind", stellt Hauptautor Jason Nagata fest. "In extremen Fällen können Nahrungsergänzungsmittel Leber- und Nierenschäden verursachen. Anabole Steroide können sowohl langfristige als auch kurzfristige Gesundheitsprobleme verursachen, einschließlich geschrumpfter Hoden, verkümmertes Wachstum und Herzerkrankungen."

Die Studie erschien am 20. Juni 2019 im International Journal of Eating Disorders.

Quelle:

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