Einer muss doch anfangen! - Das Leben der Sophie Scholl

Autor: Werner Milstein

In der Biografie über Sophie Scholl, geschrieben von Werner Milstein, lernen wir das Leben der Widerstandskämpferin der weißen Rose kennen und kriegen einen guten Einblick in die Organisation des Widerstandsbündnisses.
Sophie Scholl wurde 1921 in Forchtenberg geboren, wo sie mit ihren Eltern und vier Geschwistern auch einen Großteil ihrer Kindheit verbrachte. Sophie fühlte sich in ihrem Elternhaus sehr wohl, doch schließlich musste die Familie nach Ludwigsburg ziehen und dann bereits nach kurzer Zeit nach Ulm. Obwohl Sophie Scholl und ihr Bruder Hans später Propaganda gegen das NS-Regime betrieben, waren sie und auch ihre Schwester Inge einige Zeit in Jugendverbänden, die durch Hitler geprägt waren. Hans war Teil der Hitlerjugend und Sophie und Inge hatten kleinere Gruppen des BDM unter sich.

Im August 1937, so beschrieb Sophie Scholl es selbst, habe sie sich innerlich von der Hitlerjugend abgelöst, nachdem zuvor die Synagogen brannten und man immer mehr mitbekam, wie die Juden misshandelt wurden. Der Krieg rückte zu diesem Zeitpunkt immer näher und auch Familie Scholl bemerkte die Aufrüstung.

Zu Kriegsbeginn wollte Hans unbedingt kämpfen, der jüngere Bruder hingegen nicht. Sophie hatte kurz zuvor Fritz kennengelernt, mit dem sie sich oft schrieb und auch über den Glauben und Literatur austauschte. Themen, die in der Familie Scholl von hoher Bedeutung waren.

Nach ihrem Schulabschluss begann Sophie eine Ausbildung zur Kindergärtnerin. Später musste sie für gewisse Zeit mit anderen Mädchen in ein Arbeitsdienstlager und ein halbes Jahr Kriegshilfsdienst ableisten. Währenddessen war die Glaubensfrage, in der sie sich immer mehr mit dem Katholizismus befasste ein ebenso wichtiger Begleiter für sie, wie die Literatur. Die Auseinandersetzung mit dem katholischen Glauben und der Gedanke, vom evangelischen Glauben der Familie Scholl zu konvertieren, kam durch Sophies Freundschaft zu Otto, den sie Otl nannte. Die Geschwister Scholl trafen sich schließlich mit Freunden auf einer Hütte und begannen mit der Vervielfältigung erster Gedanken.

Sophie Scholl ging schließlich zum Studium nach München, wo bereits ihr Bruder Hans Medizin studierte. Die Gruppe um die Geschwister Scholl vergrößerte sich immer weiter. Auf Leseabenden und bei Gesprächsrunden, die die Geschwister Scholl mit initiierten, fanden sich einige, die auch gegen den Nationalsozialismus waren.

Sophie bekam eines Tages ein Flugblatt mit der Überschrift "Weiße Rose“ von ihrer Freundin Traute, welches zu passivem Widerstand gegen das Regime aufforderte und an die Verantwortung eines Jeden appellierte. Sophie erkannte sofort, dass dieses von ihrem Bruder Hans und dem Bekannten Alexander Schmorell stammen müsse.
Hans wurde kurze Zeit drauf zusammen mit seinen Mitstudenten in den Sanitätssoldatendienst nach Russland geschickt. Hans und sein jüngerer Bruder Werner trafen sich durch Zufall in Russland wieder. Als ein Familienfreund in Russland fiel, beschloss Sophie, dass nun Schluss sein und sie etwas tun müsse.

Hans kehrte aus Russland zurück und beide wollten ein größeres Netzwerk an Widerständlern aufbauen. Sie vervielfältigten immer mehr Flugblätter, die sie an ganz unterschiedlichen Orten verteilten. Diese trugen aber nicht mehr den Namen der weißen Rose, sondern wurden als Flugblatt der Widerstandsbewegung betitelt. Die Kerntruppe um Sophie und Hans Scholl bestand zu dieser Zeit aus circa 50 Personen. Die rasante Verbreitung der Flugblätter führte dazu, dass die Gestapo Urheberforschung betrieb. Sophie ging eines Morgens mit ihrem Bruder und einem Koffer voller Flugblätter zur Uni und verteilte diese dort. Der Hausmeister bemerkte dies und hielt die Geschwister fest, bis die Gestapo sie verhaftete. Hans wollte im Prozess die gesamte Schuld auf sich nehmen, doch Sophie stand zu ihrem Handeln. Nach der Verurteilung sagte sie, dass sie sich als Wegbereiterin verstünde und hoffe, dass ihre Aktionen fortgesetzt würden. Einer müsse schließlich mit dem Protest anfangen und diese Meinung teilten, so war sie sich sicher, viele Menschen. Sophie Scholl, ihr Bruder und ein weiteres Gruppenmitglied wurden wegen Widerstades gegen das Regime zum Tode verurteilt. Die Geschwister konnten noch ein letztes Mal ihre Eltern sehen und dann wurden die Todesurteile vollstreckt. Nach der Beerdigung wurden weitere "Weiße Rose Prozesse“ geführt. Die Flugblätter verbreiteten sich weiter.

Meine Meinung
Die Biografie über Sophie Scholl ist sehr empfehlenswert. Das Buch bietet die Möglichkeit, anhand einer geschichtlich bekannten Person etwas über die Vergangenheit zu lernen und durch Sophie Scholl mitzuerleben, wie hart mit Systemkritikern und solchen, die nicht ins System passten, umgegangen wurde.
Ich bin der Meinung, dass es für alle ein sehr lesenswertes Werk ist, da jeder über den Widerstand der Geschwister Scholl im Zweiten Weltkieg Bescheid wissen sollte. Die Biografie zeigt sämtliche Etappen der Widerstandskämpferin Sophie Scholl auf, nicht zuletzt auch, dass Sophie zuvor selbst Mitglied in einem nationalsozialistischen Jugendbündnis war. Wahrscheinlich kann Sophie Scholl sogar für einige als Vorbild genommen werden, da sie zeigte, dass es wichtig ist, gegen Ungerechtigkeiten und Missstände einzutreten und dabei eine Menge Mut bewies.
Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass ich das Buch jedem empfehlen würde, da es wichtiges Wissen über unsere geschichtliche Vergangenheit und eine historisch sehr bedeutende Person vermittelt.

Erschienen beim Gütersloher Verlagshaus

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Autorin / Autor: Anna B. - Stand: 20. Mai 2021